t vr^*- m ? rfri 4fcTiP *r *.* t* #5 &* fl *H&* *! ; i '-^F^^r^' 9*t+Kf x^J i 1l ZOOLOGISCHES CENTRALBLTT UNTER MITWIRKUNG VON PROF. DR. O. BTSCHLI . XD PROF. DR, B. HATSCHEK IX HEIDELBERG IN" WIEN HERAUSGEGEBEN VON DR. A. SCHUBERG A. 0. PJ,'<>ri:sSi: IN HEIDELBERG VI. JAHRGANG 1899 LEIPZIG VERLAG VON WILHELM ENGELMANN 1899. Druck der Kgl. Universittsdruekerei von H. Strtz in Wrzburg. Inhalts- Verzeichnis. Zusammenfassende bersichten. Seite Dofleill, F., Fortschritte auf dem Gebiete der Myxosporidienkuu.de .... 361 Eschericll, K., ber myrmekophile Arthropoden, mit besonderer Bercksich- tigung der Biologie 1 Ilandlirsrli, A., Die neueren systematischen Arbeiten ber Hemiptera crypto- cerata 73 Hesse, R., Neuere Arbeiten ber den feineren Bau der Ganglienzellen . . 325 Heynions, R., Der morphologische Bau des Insektenabdomeris 537 Klaatscli, H., Der gegenwrtige Stand der Pithccanthropus-Fvage . . . . 217 V. Lendenfeld, R., Neuere Arbeiten ber Spongien 257 Scliandinn, F., Der Generationswechsel der Coccidien und Haemosporidien . 765 Tornquist, A., Die Arbeiten der letzten Jahre ber die .Systematik und Fau- nistik der fossilen Cephalopod6u. IV. Palozoische Cephalopoden . . . 497 Referate. Seite Geschichte und Litteratur 264. Lehr- und Handbcher. Sammelwerke. Vermischtes 235, 429, 465. Allgemeine Methodik und Technik 725. Zellen- und Gewebelehre 236, 556, 725, 805, 921. Vergleichende Morphologie, Physiologie und Biologie 37, 79, 113, 236, 379, 511, 558, 609, 735, 805, 845. Descendenzlehre 380, 783. Faunistik und Tiergeographie 18, 40, 82, 115, 181, 335, 381, 434,466,517,577, 617, 737, 783, 811, 924. Palaeontologie 620. Parasitenkuude 237, 784. Protozoa 18, 41, 83, 266, 468, 621, 739, 812, 849, 881. Seite Spongiae 580, 936. Coelenterata 43, 116, 385, 518, 582, 625, 689. 746, 885. Echinodermata 49, 120, 239, 277, 435, 468, 519. Plathelminthes 24, 50, 123, 244, 279, 389, 473, 520, 560, 628, 691, 755, 785, 815. Nemathelminthes 56, 283, 400, 521, 605, 789. Rotatoria 822. Annelides 25, 182, 285, 402, 436, 475, 522, 564, 693, 789, 823, 937. Prosopygia 84, 886. Arthropoda 185. Crustacea 30, 57, 85, 128, 192,444,480, 567', 607, 630, 757, 793, 826. Palaeostraca 632. / Centromerus vindobonensis n. sp. $, Stintula simplex n. sp. 9> cT ?> ^ a ffi n ^ s n. sp. ? $, Lephtht/phantes kochii n. L. (?) nanus n. sp. 9> L. monianus n. sp. rf, L. quadrimaculatus n. sp. q , Oxyptila kotulai n. sp., Xysticus viduus n. sp. 9> Clubiona saltuum n. sp. O, Agroeca gracilior n. sp., Coelotes brevidens n. sp. O, Tegenaria austriaca n. sp. $, Hahnia pieta Kulcz. ^f, Lycosa montivaga n. sp. rf, 9, Heliophanus auratus C. L. Koch var. mediocinetus n. H. Hoyer (Krakau). Vertebrata. 54 Oppel, Albert, Lehrbuch der vergleichenden mikroskopi- schen Anatomie der Wirbeltiere. Teil I. Der Magen. Jena. (G. Fischer.) 1896. 8. VIII. 543 p. 5 lith. Taf. M. 14. 55 Teil IL Schlund undD arm. 1897. VIII. 682 p. 4 lith. Taf. M.20. Leydig's im Jahre 1857 erschienenes Lehrbuch der Histologie des Menschen und der Tiere", das der treffliche Forscher als ver- gleichende Gewebelehre" zu bezeichnen Abstand nahm, bildete mehr denn ein Menschenalter hindurch fr alle diejenigen ein unentbehr- liches Hilfsmittel bei ihren Arbeiten, die sich nicht mit der grob anatomischen Beschreibung der von ihnen gefundenen und untersuchten Tierformen begngen wollten. Alie, denen die Kenntnis des feineren Nr. 52-55. 31 - Baues der Organe und Gewebe, wie sie bei den verschiedenen Tier- gruppen vorkommen, von Wichtigkeit ist, weil wir erst aus dem feineren Bau ein Verstndnis fr die komplizierten Erscheinungen des Lebens der Zelle gewinnen knnen, griffen zum Leydig"; stellte doch dieses Werk eine Fundgrube von interessanten Einzel- beobachtungen dar und gab es doch dadurch den Histologen Anregung zu weiteren und eingehenderen Spezialuntersuchungen. Aber: habent sua fata libelli. Allmhlich, in vierzig Jahre whrender Arbeit war die Flle des Thatschlichen so gewaltig geworden, dass der Leydig" nicht mehr gengte ; allenthalben machte sich daher der Wunsch nach einer neuen zusammenfassenden Darstellung der mikroskopischen Anatomie geltend. Dass eine solche nicht nach dem Muster der Leydig'schen Histologie erfolgen konnte, war klar; die Teilung der Arbeit hatte zu einem sehr ungleichmigen Ausbau der einzelnen Abschnitte gefhrt. Den Anatomen blieb im wesentlichen die Histo- logie der Wirbeltiere vorbehalten, den Zoologen die der Evertebraten. Aber whrend erstere in grndlicher ex- und intensiver Arbeit eine grosse Menge von Thatsachenmaterial herbeigeschafft haben, blieb die Histologie der Wirbellosen seitens der Zoologen relativ vernach- lssigt. Giebt es doch Zoologen, die in einseitiger berschtzung ihrer grob anatomischen Untersuchungen die histologischen Arbeiten anderer Forscher als langweiligen Detailkram" bezeichnen. So konnte eine vergleichende mikroskopische Anatomie zunchst nur fr die Wirbel- tiere unternommen werden, whrend eine gleiche zusammenfassende Durcharbeitung fr Evertebraten Desiderat ist und wohl noch auf lange Zeit Desiderat bleiben wird. Die vorliegenden beiden Bnde des OppeTschen Werkes bilden den Anfang einer umfassenden vergleichenden mikroskopischen Anatomie der Wirbeltiere. Diesem Riesenunternehmen, dessen Beendigung ein ganzes Mannesleben erfordern wird, im Rahmen eines wenn auch noch so umfangreichen Referates auch nur annhernd gerecht zu werden, ist ein Ding der Unmglichkeit. Die Flle des Neuen, das der Verf. bietet, im einzelnen aufzuzhlen, wrde Aufgabe einer besonderen Abhandlung sein; die interessante und neue Beleuchtung, welche infolge der zusammenfassenden vergleichenden Darstellung bekannte Thatsachen erfahren, dem Auge der Forscher referendo sichtbar zu machen, erforderte ebenfalls eine eigene Abhandlung. Auch ist dies nach des Ref. Meinung gar nicht Aufgabe eines Referates. Wie wir ein peripheres physisches Gesichtsfeld haben, so haben wir auch ein peripheres geistiges Gesichtsfeld. Soll dort etwas unsere Aufmerk- samkeit in Anspruch nehmen, so muss es uns infolge einer intensiven Reizung veranlassen, unser centrales Gesichtsfeld darauf hin zu Nr. 5455. - 32 richten. Ist hier etwas vorhanden, das unser geistiges Interesse voll beansprucht, so muss im peripheren geistigen Gesichtsfelde der Reiz so verstrkt werden, dass wir das Feld deutlichsten geistigen Sehens auf das betreffende Objekt richten. Diese Reizverstrkung herbei- zufhren gelegentlich aber auch im umgekehrten Sinne den Reiz abzuschwchen ist die Aufgabe des Referates. Und so mchte denn Ref. das centrale geistige Sehen der gesamten Forscherwelt dem OppeTschen Buche zuwenden. Die bersichtliche Einteilung des Stoffes, die klare, durchsichtige und objektive Schilderung der That- sachen , die genaue Litteraturangabe , die vortrefflichen Textabbil- dungen und die fr die intrikateren Verhltnisse beigegebenen Figuren- tafeln (bei Teil I 5, bei Teil II 4 Tafeln) : alles das sind Eigenschaften des Werkes, die man in gleicher Weise bei keinem anderen zeitge- nssischen Hand- oder Lehrbuche der Histologie vereint wiederfindet. Wer heute ber den Verdauungstrakt irgend eines Wirbeltieres histologisch arbeiten will, der muss im Oppel" nachsehen: wer darber geschrieben, was darber geschrieben und ob berhaupt schon etwas darber bekannt ist. Dass in dem Werke nicht alle Vertebratenspecies bercksichtigt sind, daraus knnen nur Splitter- richter einen Vorwurf erheben. So hlt Ref. z. B. den Vorwurf, den Kathariner (Zool. Jahrbcher Bd. XI Abt. fr Anat. u. Ont.) dem Verf. dieses Werkes macht, dass er nmlich den Verdauungskanal von Dasypeltis scabra nicht erwhnt, fr ganz deplaziert. Mglichste Genauigkeit und Vollstndigkeit zu erreichen, war der Verf. bemht und das ist ihm auch gelungen ; absolute Vollstndigkeit zu geben ist ihm wohl nicht in den Sinn gekommen. Mammalia. 56 Mller, Wilhelm, Zur normalen und pathologischen Ana- tomie des menschlichen Wurmfortsatzes: In: Jenaische Zeitschr. f. Naturwiss. Bd. 31. N. F. Bd. 24. 1897. p. 195-224. Verf. kommt hinsichtlich des normalen Blinddarmes und Wurm- fortsatzes des Menschen, die er an einem reichen Leichenmaterial studiert hat, zu folgenden Resultaten: Die Lnge des Processus vermiformis schwankt in weiten Grenzen ; ob Rassenverschiedenheit vorliegt, muss durch weitere Untersuchung festgestellt werden. Die mittlere Lnge des P. verm. betrgt an thringischen Kadavern bei Mnnern 91 mm, bei Weibern 82 mm. Beim mnnlichen Geschlecht verkrzt sich im Greisenalter der P. verm. um 4 mm, whrend bei Weibern keine Verkrzung zu beobachten ist. Die Verkrzung bei Mnnern liegt anscheinend innerhalb der Fehlergrenze der Beobachtungen. Involu- tionen zeigt der pathologisch nicht vernderte P. verm. bei Greisen nicht. Nr. 5456. 33 Was den Verschluss des Wurmfortsatzes anlangt, so sind hier- ber die Ergebnisse des Verf. 's folgende: Der Verschluss des P. verm. tritt immer hufiger vom ersten Lebensjahrzehnt bis in's hchste Alter auf; dabei ist aber partieller Verschluss hufiger als totaler. Das Peritoneum wird nicht immer in Mitleidenschaft gezogen. Durch den Verschluss des P. verm. wird in der Regel eine Verkrzung desselben bedingt; wahrscheinlich ist diese eine Folge der Narben- schrumpfung. Wird durch pathologische Prozesse das Epithel des P. verm. zerstrt, so kann das zu seinem Verschlusse fhren. Bei- nahe die Hlfte der Bevlkerung besitzt auch im hchsten Alter einen durchgngigen P. verm. Zur Annahme einer physiologischen Involution des P. verm. liegt keine Ntigung vor. (Die letzte Schlussfolgerung htte Ref. gern vermisst. So dankenswert des Verf. 's statistische Untersuchung ist, so beruht sie doch ausschliess- lich auf einem Materiale, das die Jenenser Institute geliefert haben, das sich also nur aus der thringischen Bevlkerung rekrutierte. Um aber Schlsse wie den letzten zu ziehen, ist es unbedingt erforder- lich, die verschiedensten Stmme des Homo mediterranem und die verschiedensten Rassen zu untersuchen. Erst durch Vergleichung der so erhaltenen Resultate wird man folgern drfen, class der P. verm. in natrlicher Rckbildung begriffen oder dass dies nicht der Fall ist.) Verf. behandelt dann noch die Sektionsergebnisse bei Durch- brach des P. verm.; die hier erlangten Resultate sind von auschliess- lich medizinischem, nicht aber von vergleichend morphologischem Interesse. B. Rawitz (Berlin). NiezaMtowski, E., wyrastaniu ostatniego z< c 'ba trzono- wego wdolnej szcz^ce niediwiedzia jaskiniowego (Ursus spelaeus). (ber den Modus der Entwicklung des letzten Molarzahnes im Unterkiefer des Hhlenbren (Ursus spelaeus). In: Compt. rend. Gl. sc, mat. et nat. Ac. Sc. Cracovie 1898. Bd. 35. p. 188 192. 1. Taf. (polnisch, im Auszuge deutsch, in: Bull, int, Ac. Sc. Cracovie, Avril 1898. p. 189191). Verf. beschreibt fnf Unterkiefer von jungen Hhlenbren aus den Sammlungen der Krakauer Akademie, in denen die Zhne sich in verschiedenen Stadien des Durchbruches befinden. Das inter- essanteste Verhalten zeigt der letzte Molarzahn. Bei dem jngsten Stadium liegt derselbe im Processus temporalis und zwar in der Weise, dass seine Kronenflche der Zunge zugekehrt ist und die durch die Kronenflche gelegte Lngsachse auf dem Kieferaste senk- recht steht. Bei fortschreitender Entwickelung dreht sich der Zahn um jene Lngsachse um 90, sodass seine Kronenflche mundwrts Zoolog. Centralbl. VI. Jahrg. jfr. 5g 57 _ 3 34 gerichtet ist und schliesslich fhrt er eine dritte Wendung wiederum um 90 um seine Querachse aus, durch welche er in seine definitive Lage am Ende der Zahnreihe rckt. Die Veranlassung zu diesem Lagewechsel des Zahnes ist in dem Wachstum des Unterkiefers zu suchen. Dasselbe kann jedoch nicht in der Weise vor sich gehen, dass die Knochensubstanz am vorderen Rande des aufsteigenden Kieferastes resorbiert und an seinem Hinterrande apponiert wird, sondern in einer Ebene, welche schrg von aussen und vorn nach innen und hinten durch den Kieferwinkel zu liegen kme. H. Hoyer (Krakau). 58 Cederblom, Elin, ber Trichys ynfheri. Ein Beitrag zur Stammesgeschichte der Hystriciden. (Aus dem zootom. Institut der Universitt zu Stockholm.) In: Zool. Jahrb. Abth. f. Syst. XL Bd. 1898. p. 497514. Verf. benutzte Gervais (Voy. la Bonite, 1841) und Gnther (Proc. Zool. Soc. London. 1876, 1889), die bei ihren Beschreibungen hauptschlich hingewiesen hatten auf das einfachere Integument, den langen Schwanz und besondere Eigentmlichkeiten des Schdels (gerades Profil, langen Zygomaticus, hohen Processus coronoideus, kleine Zhne), sodann Parson's Angaben ber die Muskeln der Glires (Proc. 1894, 251) und ber das Skelet von therura africana (ibid. p. 675). Prof. Leche stellte dem Verf. zur Verfgung ein in Spiritus kon- serviertes erwachsenes Exemplar (tf), dem aber leider alle Eingeweide fehlten, sodann eine junge Hystrix cristata zum Secieren, einen Schdel von therura africana, Skelette von Hystrix cristata und crassispinis und anderes Material aus den Sammlungen der Hochschule Stockholms. Wir wissen bisher wenig ber die Lebensweise von Trichys, aber durch beraus grndliche Untersuchungen des dargebotenen Materiales gelangte der Fleiss des Verf.'s zu dem Resultate, dass inbetreff des Skelettes und der Muskulatur Trichys in mehrfacher Hinsicht mit den Er ethizontiden bereinstimme, dass wahrscheinlich auch bei ihm ein Zahnwechsel stattfinde ; es scheine die Annahme gerechtfertigt, dass die aufgefhrten hnlichkeiten nicht durch Konvergenz hervor- gerufen sein knnen, sondern vielmehr auf eine gemeinsame Stammform der Hystriciden und Erethizontiden hinwiesen, von der Trichys unter den ersteren die am wenigsten abweichende sein wrde. Dem Texte des von grosser Umsicht zeugenden Aufsatzes sind zwei Abbildungen des Plexus brachialis und lumbosacralis eingefgt und am Schlsse befindet sich eine Tafel, auf der Fig. 1 und 2 von Trichys gntheri die Hals- muskeln, Ventral- und Seitenansicht, Fig. 3 dessen Oberschenkel von auen, Fig. 4 die Halsmuskeln, Ventralansicht, von Phascolarctos cinereus darstellt. B. Langkavel (Hamburg). Nr. 57 - 58. - 35 Adametz, L., Nowy gatunek dyluvialnego rogatego bydla. Bos (brachyceros) curopacus n. sp. (Eine neue Species des diluvialen Wild- rindes. Bos (brachyceros) europaeus n. sp.) In: Compt. rend. Cl. sc. mat. et nat. Ac. Sc. Cracovie. 1898, Bd. 35. p. 174187. 1 Taf. (polnisch, deutsch in: Bull. int. Ac. Sc. Cracovie Mars 1898. p. 88103. 1 Taf.) Verf. beschreibt aus den Sammlungen der Krakauer Akademie ein bisher unbestimmt gewesenes Schdelstck, welches in der Nhe von Krakau im Dilu- vium aufgefunden worden war. Dasselbe umfasst das nahezu vllig erhaltene Hinterhaupt, den unteren Teil der Hornzapfen und die ganze Stirn bis zum An- satz der Nasenbeine. Von der Stirn fehlt nur der rechte Augenbogen. Die Unter- suchung des Schdelstckes ergab, dass es von einem wild lebenden Rinde stammt, weil Gefss- und Nervenrinnen, sowie smtliche Muskelinsertionen und Knochen- Hcker und -Leisten derartig stark entwickelt sind, wie man sie nur bei Wild- rindern antrifft. Ferner konnte festgestellt werden, dass das betreffende Wild- rind erwachsen ist. weil die einzelnen Knochen bereits fest verwachsen sind, und schliesslich, dass es weiblichen Geschlechts ist, weil die Scheitelbeine in Gestalt eines spitzwinkeligen Dreiecks in den Stirnwulst eintreten und an seiner Bildung Anteil nehmen. Hierauf folgt die genaue Beschreibung des ganzen Schdelstckes und seiner einzelnen Teile, sowie die absoluten und relativen Mafse desselben, welche mit denen mnnlicher und weiblicher Individuen von Bos primigenius Boj. verglichen werden. Hieraus ergiebt sich das Resultat, dass der untersuchte Wild- rindschdel bezglich der absoluten Mafse fast um die Hlfte hinter denen von B. primig. zurckbleibt, also verhltnismfsig klein ist, in den relativen Mafsen aber dem mnnlichen B. primig. nahe kommt, sich dagegen von letzterem durch die viel schwcheren Hornzapfen und die sehr unebene Stirn nebst vllig anders gebauten Stirnwulst unterscheidet. Von dem weiblichen B. primig. differiert das untersuchte Schdelstck in den relativen Mafsen sehr wesentlich und ferner noch durch eine breitere Siirn, durch die viel feineren Hornzapfen und eine betrchtlich lngere Zwischenhornlinie. Alle diese Momente zusammengenommen fhren den Verf. zu dem Schlsse, dass der Schdelrest einem Wildrinde angehrt, welches eine neue vom Bos. primig. Boj. verschiedene Species darstellt. Da dieselbe nun zu den der 6mc/n/ce?os-Gruppe angehrenden Rassen des domestizierten Rindes in sehr innigen Beziehungen steht, so ist diese Species nach der Ansicht des gerade auf diesem Gebiete sehr erfahrenen Verf.'s als die wilde Stammform der -Brac/ff/ceros-Rinder aufzufassen und als Bos (brachyceros) europaeus n. sp. zu be- zeichnen. H. Hoyer (Krakau). BangS, Outram, A. hit of the Mammals of Labrador. In: Americ. Natural. XXXII. Nr. 379. Jul. 1898. p. 489-507. Ein Verzeichnis der Mammalia Labradors gab A. P. Low schon 1895, doch wurde es verschiedener Umstnde halber erst 1897 vollstndig verffentlicht. In dieser Zwischenzeit vermochte Verf. das Verzeichnis in manchen Punkten zu verbessern. Inbetreff der meisten Tiere stimmt Bangs mit Low berein, und dann fgt Ref. in Klammern hinter jedem Tiernamen deren Anfangsbuchstaben (B. L.) hinzu; wo ihre Deutungen sich trennen in der Bestimmung der Arten, giebt Ref. dies besonders an. Bangs nennt folgende 51 Species: Monodon mono- ceros L. (B. L.), Delphinapterus leucas Pall. (B .), D. catodon L. (L.), Lepus ameri- canus Erxl. (B. L.), L. areticus bangsii Rhoads (B.), L. timidus var. areticus Leach (L.), EretMzon dorsatus L. (B. L.), Zapus hudsomeus Zimm. (B. L.), Zapus insignis Miller (B.). Fiber zibethicus L. (B. L.), Bicrostonyx hudsonicus Pall. (B.), Cuniculus Nr. 59-60. 36 - torquatus Pall. (L.), Synaptomys innuitus True (B), Microlut enixua Bangs (B ), M. pennsylvanicus labradorius Bailey (B.), Arvicola riparius Ord. (L.), Evotomys ungava Bailey (B.), E. proteus Bangs (B.), Phenacomys latimanus Merr. (B.), PA. ungava Merr. (B.), Peromyseus maniculatus Wagn. (B.), Hesperomys leucopus Raf. (L.), Castor candensis Khl (B.), C. fiber L. (L.), Arctomys monax L. (B. L.), Sciurtis hudsonicus Erxl. (B. L.), Sciuropterus sabrinus Shaw. (B.), Sc. volucella Pall. var. hudsonius Grnel. (L.), Sorex personatus Geoffr. (B. L.), Condylura cristata L. (B.), Myotis lucifugus Le Conte (B.), M. subulatus Say (B.), Vespertilio lucifugus Le Conte (L), V. subulatus Say (L.). Dass Ovibos moschatus dort wirklich vor- komme, bezweifelt B. Alce americanus Jardine (B. L ), Bangifer caribou L. (B. L.), E. arcticus Rieh. (B. L.), Odobaenus rosmarus L. (B. L.), Phoca vitulina L. (B. Li.), Ph. hispida Sehr. (B. L.), Ph. groenlandica Fabr. (B. L.), Erignathus barbatus Fabr. (B. L.) Cystophora cristata Erxl. (B. L.), Thalassarctos maritimus L. (B. L.), Ursus richardsonii Reid. (B. L.), U. americanus sornborgeri Bangs (B.), U. americanus Pall. (L.), Gulo luscus L. (B. L.), Lutra hudsonica Lacep. (B.), L. canadensis Turton (L.), Mephitis mephiticaSh&'w. (B. L.), Mustela americana Turton (B. L.), 31. brumalis Bangs (n. sp. mit Schdelabbild,), Putorius vison Sehr. (B. L.), P. cicognanii Bonap. (B.), P. vulgaris L. (L.), P. ermineus L. (L.), Vulpes lagopus L. (B. L.), V. pennsyl- vanica (subsp.?) Boddaert (B.), V. vulgaris Flem. (L ), Canis albus Jos. Sabine (B. L.), G. occidentalis Rieh. (B.), C. lupus L. (L.), Lynx canadensis Geoffr. (B. L). Low fgt zuletzt noch Canis fam. var. borealis hinzu, doch Hess Bangs ihn fort, weil nur einen Teil des Jahres der Eskimo-Hund halbwild auftritt. B Langkavel (Hamburg). 61 Borber, C. M., und Cockerell, T. D. A., Anew Weasel from New Mexico. In: Proc. Acad. Nat. Sc. of Philadelphia. Ib98. p. 188189. Im Mesillathale Neumexikos, nahe dem Rio Grande und in 3800 Fuss Hhe wurden von Putorius frenatus subspec. neomexicanus nov. subspec. zwei Exemplare geschossen und ausserdem noch vier gesehen; ein siebentes Exemplar in Alkohol befindet sich im New Mexico Agricultural College. Der ausfhrlichen Beschreibung fgen die Verff. hinzu, dass im Magen des ersten geschossenen sich Reste wahr- scheinlich von Onychomys aretieeps Rhoads befanden. Das zweite geschossene war von Hunden arg zerzaust worden. Durch die Entdeckung dieser neuen Sub- spec. ist die Verbreitung von frenatus auf viele Hunderte Meilen erweitert worden. B. Langkavel (Hamburg). 62 Girtanner, A., ber die Wildschafe. In: Jahresber. St. Galleschen Naturw, Ges. 1896/97. 1898. 42 p. Verf., Besitzer einer Sammlung von Gehrnen des Alpensteinbockes, die in ihrer Reichhaltigkeit und Vollstndigkeit wohl die einzige auf der ganzen Welt ist, der ausserdem auch zahlreiche Gehrne von Wildschafen sein eigen nennt, giebt ausfhrliche Beschreibungen von Ovis tragelaphus, 0. rnusimon, 0. montana und 0. poli, denen wichtige Bemerkungen ber deren Verwandten hinzugefgt werden. B. Langkavel (Hamburg). Nr. 60-62. Zoologisches Centralblatt unter Mitwirkung von Professor Dr. O. Btschli md Professor Dr. B. Hatschek in Heidelberg in Wien herausgegeben von Dr. A. Schuberg a. o. Professor in Heidelberg. Verlag- von Wilhelm Engelmann in Leipzig. VI. Jahrg. 31. Januar 1899. No. 2. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten, sowie durch die Verlagshandlung. Jhrlich 26 Nummern im Umfang von 23 Bogen. Preis fr den Jahrgang M. 25. Bei direkter Zu- sendung jeder Nummer unter Band erfolgt ein Aufschlag von M. 3. nach dem Inland und von M. 4. nach dem Ausland. Referate. Vergleichende Morphologie, Physiologie und Biologie. Bernstein, Z., Zur Theorie des Wachsthums und der Be- fruchtung. In: Arch.Entwmech.Bd.7.Heft2-3.1898.p.511-521. Nach Verf. besteht die morphologische Deutung" der Befruch- tung in der Annahme, dass wir eine durch Stoffwechsel wachsende Materie haben, dass diese nach dem Prinzip der Variabilitt sich abgendert und in kleinere Elemente (Zellen) von variabler Be- schaffenheit zerteilt habe, und dass es fr das Wachstum vorteilhaft gewesen sei, wenn solche Elemente von mglichst divergenter Be- schaffenheit sich miteinander vereinigt haben. In diesen Annahmen wrden die Bedingungsgleichungen" des Problems enthalten sein. Dieser morphologischen Deutung" stellt Verf. vom physiologischen Standpunkt aus eine mechanische Anlage" gegenber, indem er auf das Prinzip der treibenden und hemmenden Krfte Gewicht legt. Er geht von dem Gedanken an eine Urmaterie aus, die ins Unbegrenzte wachse, und bei welcher somit Wachstum und Fort- pflanzung zusammenfallen. Sobald aber durch den Wechsel der Lebensbedingungen eine Variabilitt in dieser Materie auftrat und damit zugleich der Kampf ums Dasein erffnet wurde, musste sich das Bild ndern;" die ursprnglich sehr langsam auftretenden hem- menden Krfte machen sich rascher und intensiver geltend, sowie verschieden bei verschiedenen Individuen. Die geschlechtliche Fort- pflanzung beginnt nun in einer anfangs zuflligen Verschmelzung solcher Plasmaindividuen, welche spter geregelt wird wegen des durch sie ermittelten Vorteils der Beseitigung oder Schwchung der hemmenden Krfte (beruhend auf der individuellen Verschiedenheit solchen Krften Zoolog. Centralbl. VI. Jahrg. Nr. 63. ^ 38 gegenber). Vermge einer Einwirkung mehr oder weniger differenter Materien findet eine gegenseitige Schwchung oder Aufhebung der hemmenden Krfte statt, sodass die treibenden Krfte 1 ) von Neuem anheben, ihre volle Wirksamkeit zu entfalten ;" die Wachstumstendenz macht sich wieder stark geltend. Verf. erkennt auch (im Gegensatz zu vielen anderen Autoren) in der Arbeitsteilung zwischen Samenzelle und Eizelle zugleich den Sinn, dass die sich vereinigenden Molekle eine mglichst verschiedene Konstitution besitzen, soweit dies zur Eliminierung der hemmenden Krfte erforderlich ist". Mit anderen Worten: Verf. sieht in der Verschiedenheit der 9 und cf Geschlechtszellen etwas essentielleres, als die meisten sonstigen Autoren unserer Zeit geneigt sind, darin zu erblicken. R. S. Bergh (Kopenhagen). 64 Norman, W. W., Drfen wir aus den Reacti onen niederer Thiere au f das Vorhandensein von Schmerzempfindungen seh Hessen? In: Pflger's Arch. f. d. ges. Physiol. Bd. 67. 1897. p. 137140. Schneidet man einen Regenwurm in der Mitte durch , so zeigt nur die hintere Hlfte die windenden schlagenden Bewegungen, die auf Schmerz' 1 zu deuten scheinen. Teilt man nun aber eines der Stcke von neuem, so zeigt jedesmal das hintere von den entstehen- den Teilstcken windende Bewegungen bei der Durchschneidung, wh- rend das vordere Stck keine Reaktionen zeigt. Dieselbe Erscheinung- wiederholt sich immer wieder bei jeder neuen Durchschneidung eines der Stcke: immer die hinteren der entstehenden Stcke zeigen die windenden Bewegungen, die vorderen Hlften strecken sich und kriechen weiter. Verf. verwendet diese seine Beobachtung zu dem Schlsse, dass bei Wrmern kein associatives Gedchtnis nachweisbar ist und dass wir demgem kein Recht haben, bewusstes Empfinden und im speciellen Schmerzempfindungen bei diesen Tieren anzunehmen ; denn man msste immer nur den hinteren Stcken die Schmerz- empfindung zuschreiben. F. Schenck (Wrzburg). 65 Sellheim, H., Zur Lehre von den sekundren Geschlechts- charakteren. In: Beitr. z. Geburtsh. u. Gynk., Bd. 1. Heft 2. 1898. p. 229246. Durch die vom Verf. ausgefhrten Kastrationsversuche an Hhnern werden unsere bisher recht drftigen Kenntnisse ber die Wirkung *) Die Energie der treibenden Krfte wird von aussen zugefhrt (Licht, Wrme, chemische Energie)", whrend die hemmenden Krfte den Moleklen der Materie zukommen. - Nr. 63-65. 39 - dieses Eingriffes in bemerkenswerter Weise erweitert. Es wurden sowohl junge Hhne wie Hennen zu den Versuchen verwendet. Bei einer ber einjhrigen Beobachtungszeit einer grsseren Anzahl von Kapaunen traten im Ausseren der Tiere Umstimmungen auf, die sich im wesentlichen in einer Schrumpfung der Kmme, Bartlppchen und Ohrscheiben und in einer lebhafteren Entwicklung des Feder- kleides aussprachen (die Sichelfedern am Steiss wurden abnorm lang). Die Kastration beeinflusst also die sekundren Geschlechtscharaktere in ganz verschiedener Weise, die einen in einer mehr regressiven, die andern in einer mehr progressiven Weise; wieder andere, wie z. B. die Sporen, entwickeln sich beim Hahn und Kapaun annhernd gleich. Dem Huhne wird der kastrierte Hahn durchaus nicht hnlich. Die Kapaunen krhten nur selten und dann in etwas abnormer Art. Die Mauserung trat in normaler Weise auf. Begattungsversuche wurden nur vereinzelt und meist bald nach der Operation gemacht. Die sonst beschriebene Friedfertigkeit und Feigheit der Kapaunen war in keiner Weise bemerklich. Der Krperbau im ganzen erscheint schlanker als beim Hahn. Der obere Kehlkopf (Larynx) stand in der Mitte zwischen den fr Henne und Hahn charakteristischen Dimensionen. Auch der Syrinx war schwach entwickelt. Im sub- kutanen und subsersen Bindegewebe tritt enorme Fettentwickelung auf. Hirn und Herz haben ein abnorm geringes Gewicht, namentlich relativ zum Krpergewicht, aber auch absolut. Das Skelet zeigt mehr- fache Abnormitten, schwache Schdelknochen, Verlegungen von Furcula und Sternum etc. Die Kastration beim jungen Hahn beein- flusst also nicht nur seine sekundren Geschlechtscharaktere, sondern greift auch in den Stoffwechsel und die Entwicklung seiner inneren Organe und seines Knochengerstes ein. Die Kastration der Hennen bezeichnet Verf. als nahezu unmglich. Als kastrierte Hennen werden Tiere verkauft, die ent- weder nur usserlich verstmmelt sind, oder denen ein Teil des Eileiters herausgeschnitten ist. Verf. zeigt in einer Reihe von Ver- suchen, dass die letztere Operation durchaus nicht einer wirklichen Kastration gleichzusetzen ist. Er fand bei Hennen mit teilweise exstirpiertem Eileiter folgendes : Beim Herannahen der Legezeit und whrend der nchsten Legeperiode machten die Eierstcke und teil- weise auch die Ovidukte dieselben physiologischen Wandlungen durch, wie beim nicht operierten Huhn. Ovarium und in einem Fall Ovidukt stiessen ihre Erzeugnisse in die freie Bauchhhle aus, wo sie teilweise der Resorption anheimfielen. Auch die sekundren Geschlechts- charaktere zeigten keine nderung. Nr. 65. W. A. Nagel (Freiburg i. Br.) 4* 40 -*- Faunistik und Tiergeographie. 66 Hamann, 0., Mittheilungen zur Kenntnis der Hhlenfauna. In: Zool. Anz. Bd. XXL 1898. p. 529531; 533536. (Vgl. Z. C.-Bl. V. p. 157.) 2. Die Geruchsorgane auf den Antennen der Sil- phiden. Beobachtungen an lebenden, blinden Hhlenkfern, wie Leptoderus und Bathyscia, lehren, dass diese Tiere beim Beuteerwerb, und besonders in der Nhe von stark riechendem Kder, ihre Fhler lebhaft bewegen. Als Geruchsorgane von Bathyscia freyeri und von verwandten Arten haben eigentmliche Bildungen am zweiten, dritten und fnften Fhlerglied zu gelten. Sie stellen mehr oder weniger tief eingesenkte Gruben dar, welche durch einen Gang mit der Aussenwelt in Ver- bindung treten und von einer dnnen Chitinlage ausgekleidet sind. Diese Chitinwand trgt Poren, welche kleine kegelfrmige Zapfen, die letzten Auslufer von Sinneszellen, eintreten lassen. Am fnften Fhlerglied rckt die lnglich-eifrmige Sinnesgrube besonders tief in das Innere; ihre Poren werden grsser, die Sinnes- zapfen lnger und breiter. Bei Leptoderus wiederholen sich dieselben Organe in sehr starker Entwickelung als kugelige, blind endigende Hohlrume, aus denen ein umfangreicher, schlauchfrmiger Kanal nach aussen fhrt. Poren und Sinneskegel fehlen auch hier nicht. Unterhalb der Sinnesgruben liegen Gruppen von Sinneszellen, welche mit dem in der Mitte des Fhlers verlaufenden Nerv in Verbindung stehen. An der Oberflche lebende Bathyscia-Arten besitzen diese eigen- tmlichen Geruchsorgane ebenfalls, wenn auch in schwcherer Ent- wickelung, als ihre unterirdischen Verwandten. Die Organe sind also nicht als ein Neuerwerb von Hhlenbewohnern zu betrachten. 3 Die Sinnesorgane (Sinnescylinder) auf den Tastern der Silphiden. Bei allen aus Hhlen stammenden Bathyscia- Arten trgt die Basis des ersten Kiefertasterglieds dicht gedrngte, an der Spitze kegelfrmig auslaufende, cylindrische Organe. B. freyeri z. B. besitzt zwlf solcher Gebilde. In die Sinnescylinder dringen Fortstze von Sinneszellen ein, welche selbst mit den Tastnerven verbunden sind. 4. Die Geruchsorgane auf den Fhlern von Anophthal- mus. Auf der Unterseite des dritten und vierten Fhlerglieds der Arten von Anophthalmus stehen dicht gedrngt eigentmliche Sinnes- oder Riechzapfen, welche offenbar aus hnlich gestalteten Borsten abzuleiten sind. Sie bestehen aus einem kurzen Stiel und einem in stumpfem Winkel daraufgesetzten, verdickten Kolben. Die Organe Nr. 66. 41 finden sich auch bei oberirdisch lebenden Arten, treten aber bei den Hhlenbewohnern zahlreicher und krftiger entwickelt auf. 5. Typhlopone clausii Joseph, eine Hhlenameise , wird durch Joseph, nach Mitteilung an Hamann, eingezogen. 6. Ischyropsalis mllneri n. sp. , eine neue Hhlenspinne, bewohnt eine Hhle bei Leibnitz. Sie lsst sich von der einzigen oberirdischen Ischyropsalis- Axt Krains, I. herbstii, leicht unterscheiden. Mit /. pyrenaea E. Simon scheint die neue Form nahe verwandt zu sein. F. Zschokke (Basel). Protozoa. 67 Schellwien, E., Die Fauna des karnischen Fusulinenkalks. Thl. II. In: Palaeontographica. Bd. 44. 1897. p. 237282. Taf. XVII XXIV. Vorliegende Arbeit beschftigt sich in sachgemer, knapper und klarer Darstellung mit den im karnischen Fusulinenkalk enthaltenen Foraminiferen, die den Gattungen Fusulina, Schwagerina, Endothi/ra, Stacheia, Psammophis, Hemidiscus , Textularia, Bigenerina , Tetrataxis angehren. Im Einklang mit Rhumbler rechnet Verf. das Genus Fusulina zu den En dothyrinae und bringt fr diese Einreibung neue Grnde bei. Das Genus HemifusuHna muss als selbst- stndiges enus gestrichen und der Gattung Fusulina eingereiht werden; sowohl HemifusuHna als Fusulinella haben keine Schalenkanle; was fr solche gehalten worden ist, bildet den eigentlichen Krper des durch Umbiegung der Schalenwand ent- standenen Septums, dem sekundre Schalenmasse aufgelagert ist Fusulina und Schwagerina sind durch bergangsformen vllig mit einander verschmolzen, ebenso wie letztere mit den von Schwager beschriebenen, japanischen und chinesischen Formen mit kompliziertem Basalskelet in kontinuierlichem Zusammenhang stehen. Es ist richtiger, die Gattung Fusulina in drei Untergattungen zu ordnen, nmlich in echte Fusulina vom Typus F. cylindrica , Schwagerina vom Typus der Schw. prineeps , und in solche vom Typus der Schwagerina lepida, fr welch letztere Gruppe Verf. die Bezeichnung Mllerina vorschlgt. Die Septa von Fusulina und Schwagerina werden nicht durch Einkeilung einer besondern Substanz, sondern durch allmhliche, von oben nach unten sich senkende Umbiegung der Kammer- wand gebildet. Die Aufrollung der iltingolabis 1 sp. -- Dictyoptera. Blatt odea: Theganopteryx (pallidula n. sp.) ; Hemithyrsocera (suspccla n. sp.) ; Blattet, (marginata n. sp.); Phyllodromia 2 sp. , Onychostylus nov. gen. (nnguiculakis n. sp.) ; Cerutinoplera (crassive7iosa, induta n. spp. ; Temnopleryx (martini, alca, birolor n. spp. ; Thorax 2 sp., Molytria (decolyl n. sp.) : Homalopteryx (patinifera, biplagiata, carinlceps n. spp. : Epilampra (siulpturata, lineaticollis n. spp.) ; Stt/lopyga (parallela n. sp.); Periplaneta 1 sp., Leucophaea 1 sp., Gorydia 1 sp. ; l'seudoglomcris 1 sp., Salyanea (erythronota n. sp.); Pancsthia 2 sp. (panteli n. sp.). Mantodea: Amorphoseelis 1 sp. ; Didymo- corypha 1 sp. ; Humbertiella 1 sp. ; Iridopteryx (saussurei n. sp.) ; Gonypeta (vicina n. sp.); Tropidomantis 1 sp. ; Statuta 1 sp. ; Tenodera 1 sp. ; Hierodula 3 sp.; Mantis 1 sp. ; Parathespis 1 sp. ; Deiphobc 1 sp. ; Sphendale 1 sp. ; Sehizocephala 1 sp. ; Oxyoph- ihalmus 1 sp. ; Antissa'l sp.; ] } achymantis (castetsi, amoena n. spp.), Creoboler 1 sp.; Empusa 1 sp. ; Gongylus 1 sp. Eine reiche Ausbeute, welche zu weiteren Forschungen anspornt! N. v. Adelung (St. Petersburg). Bolivar, J., Contributions l'etude des Acridiens. Especes de la Faune Indo- et A u strm al aisienne du Museo Civico di Storia Naturale di Genova. In: Ann. Mus. Civ. Str. Nat. Genova. Ser. 2a. Vol. XIX (XXXIX). 1898. p. 66-101. Es werden beschrieben Potua (nov. var. von P. coronata) , .Cladonotus (2 n. sp.) ; gen. nov. Bufomdes (zwischen Misythus und Diotarus, Stl) mit 1 n. sp. ; gen. nov. Gestroa (1 n. sp.) ; Gavialidium (1 n. sp.); gen. nov. Falconius (fr Criotcttix clavitarsis Bol. und 2 n. sp.); Criotettix (2 n. sp.); Mazarredia (5 n. sp.) ; Xistra (1 n. sp.) ; hiezu gehrt auch Paratettix saglttatus Bol.), Paratettix (3 n. sp.); Coptotettix (1 n. sp. ; nov. var. von C. fuliginosus Bol), Saussurella (2 n. sp.); Discotettix (1 n. sp.) : Erucius (1 n. sp.) ; Mnesicles (1. n. sp.); Ghrysoahraon (1 n. sp.) : Stenobothrus (1 n. sp.); Dexmoptcra Bol. (neu beschrieben, 3 n. sp.); gen. nov. Dorlaella (1 n. sp.); Atractomorpha (1 n. sp.); gen. nov. Kapaoria (zwischen Lucretilis Stal und Ptcrotiltus Stl) mit 1 n. sp.; LucretU (1 n. sp.) ; gen nov. Pseudocranae (Gruppe Cranaeae; In. sp.) : Phemonoc (1 n. sp.) ; gen. nov. Mitri- Zoolog. Central!)]. VI. Jahrg. J^ r J4Q 141. 90 cephala (1 n. sp.) : Tauehira (1 n. sp,) ; gen. nov. Gonista (zwischen Carsula Stl und Gelaslorl.inum Brunn.) mit 1 n. sp.; Stropis (1 n. sp.) : Tritropis (1 n. sp.) ; Trigoniza (4 n. sp.) ; gen. nov. Eritriehius (1 n. sp.) ; Acridium (1 n. sp. ; nov. var. von A. melanocorne Serv.); Coplaera (1 n. sp.) : Traulia (1 n. sp.) : Catantops (1 n. sp.). Ausser diesen zahlreichen neuen Arten werden noch mehrere ltere, ungengend gekennzeichnete, beschrieben. N. v. Adelung (St. Petersburg). 142 Kulwetz, K., Ueber die Hautdrsen der Orthoptera und Hemiptera-Heteroptera. In: Arb. a. d. Zool. Labor, d. Univ. Warschau a. d. J. 1897. p. 4982. 2 Taf. (Russisch). ber die Resultate des Verf.'s wurde auf Grund einer vorlufigen Mitteilung schon frher berichtet 1 ). Bezglich der Bedeutung der Hautdrsen bei den Blattodeen glaubt der Verf., dass deren Sekrete meist zum Anlocken der Weib- chen dienen ; bei Periplaneta orientalis dagegen und bei den Forti- culiden haben wir es mit schtzenden Organen, wie bei den Wanzen, zu thun. Wie stark der Geruch der letzteren auf andere, kleinere, Insekten wirkt, geht in frappanter Weise aus der originellen Methode des Verf.'s hervor, in Ermangelung von Giften lebende Wanzen zum Abtten" der in die Fangglser geworfenen Insekten zu bentzen. Auf die Theorie der Entwickelungsreihe der Hautdrsen lsst sich ohne Zuhilfenahme der zahlreichen bersichtlichen Abbildungen nicht in Krze eingehen. N. v. Adelung (St. Petersburg). 143 Kulwetz, K., Zum Bau des Brustabschnitts des Blutgefss- systems und der Lymphorgane bei Periplaneta orientalis. In: Arb. a. d. Zool. Labor, d. Univ. Warschau a. d. J. 1897. Vorl. Mitth. p. 181187. Holzschn. i. T. (Russisch). Der Verf. beschreibt (z. T. auf Grund von hinterlassenen Zeich- nungen von M. Pawlowa) im Thorax von P. orientalis eine Diffe- renzierung der Aorta in drei, den Brustsegmenten entsprechende Abschnitte mit Klappenvorrichtungen, Ostien und flgeifrmigen Muskeln. Dieser Abschnitt des Gefsssystems ist durch zwei, vom Integument abgehende Lngslamellen (Endoskelet) geschtzt. Der Verf. glaubt hierin ein ursprngliches Verhalten zu sehen, indem bei den brigen Insekten, infolge der mchtigen Entfaltung der Bein- und Flgelmuskulatur, die Thtigkeit des thorakalen propulsatorischen Apparats gehindert wurde, und dieser sich zu einem einfachen Rohr, der Aorta, zurckbildete. Mit Hilfe der Injektionsmethode (Tusche, Karminpulver. Bakterien und Lsung von ammoniakalischem Karmin) endeckte der Verf. ') Vgl. Zool. C.-Bl. V. 1898. p. 411. Nr. 141 143. 91 - 1. ausscheidende Organe (Pericardialzellen) an der Basis der flgei- frmigen Muskeln und zwischen den letzteren (mmon. Karmin). Die festen eingefhrten Bestandteile sammelten sich 2. in besonderen, in jedem Segmente paarweise angeordneten, seitlich vom Herz und ober- halb der Pericardialzellen gelegenen Lymphorganen. Alle diese Organe rinden sich metamer in Brust und Abdomen. N. v. Adelung (St. Petersburg). Scudder, S. H., The Orthopteran group Scudderiae. In: Proceed. Americ. Acad. Arts and Sc. Vol. XXXIII. Nr. 15. 1898. p. 271290. 1 PI. The Alpine Orthoptera of North-America. In: Appa- lachia. Vol. VIII. Nr. 4. Boston 1898. 21 p. PI. XLI XLI\ . Die Gruppe Scudderiae (P h a n e r o p t e r i d a e) umfasst mit einer, zweifelhaften, Ausnahme nur amerikanische Formen. Der Verf. giebt eine ausfhrliche bersicht der nordamerikanischen Arten; die Fundorte sind sorgfltig zusammengestellt, und die recht schwierige Synonymie nach Mglichkeit aufgeklrt. Die Gruppe zerfllt in die Gattungen Scudderia Stftl mit 11 sp. (2 n. sp.) ; Symmetopleura Burm. mit 1 sp., und Platylyra (nov. gen.) mit 1 sp. beraus reiches Material ermglichten es, die kleine Arbeit zu einer recht wertvollen zu machen, umsomehr, da neue analytische Tabellen auch fr die Weibchen beigegeben sind. Auffallenderweise ist unsere Kenntnis ber die Gebirgsfauna der Orthopteren eine nur sehr sprliche. Scudder hat sich der Mhe unterzogen, die Orthopteren, welche in der Wlderregion und darber- hinaus aus den White Mountains (New Hampshire), den Ptocky Moun- tains und den brigen westlichen Gebirgen bekannt sind, mit denen der europischen Alpen zu vergleichen; die Listen der letzteren glaubt Scudder als nicht gnzlich genau und vollstndig bezeichnen zu drfen, was nicht unwahrscheinlich erscheint. Aus der vergleichenden Tabelle der vier genannten Faunen ergiebt sich vor allem das Pr- dominieren der Acridiodeen; die Locustodeen sind verhltnismig sprlich, die Dermapteren nur durch drei, die Blattodeen durch zwei Species vertreten; Gryllodeen, Phasmodeen und Mantodeen fehlen vollstndig. Whrend einzelne Gattungen hufig in mehreren Kolonnen der Tabelle vertreten sind, trifft dies nur bei einer einzigen Art ein, und zwar ist Melanoplus extremus sowohl aus dem Felsengebirge, wie aus den White Mountains bekannt. Als alpine Formen per excellence" erscheinen mit Ausnahme von Andbrus coloradus (einem Decticiden) ausschliesslich Acridiodeen, namentlich der Gattungen Podisma, Melanoplus und Gompliocerus. Die Verteilung der Ortho- Nr. 143145. 8* 92 - pteren auf die einzelnen Gebirgszge ist die folgende, wobei die in Klammern gestellten Zahlen sich auf rein alpine Formen beziehen : Europa 24 (11); White Mountains 18 (2); Rocky Mountains 22 (11); pacifische Kste 6 (3). Als Regel gilt, dass die strikt alpinen Formen apter oder sub- apter sind, oder wenigstens verkrzte Flugorgane besitzen. Es folgt die Besprechung von 48 nordamerikanischen Arten, welche dem Verf. aus den ber der Wlderzone gelegenen Gebieten bekannt sind. Die Tafeln, auf welchen 13 Formen in 24 Abbildungen enthalten sind, zeichnen sich durch schne Ausfuhrung aus. N. v. Adelung (St. Petersburg). 14C Zubowsky, N.. Zur Acridiodea-Fauna des asiatischen Russlands. In: Annuaire Mus. Zool. Ac. Imp. Sc. St. Petersbourg. 1898. p. 68110. Die der Arbeit zu Grunde liegenden Acridiodeen stammen ans dem Gouverne- ment Tomsk und den Gebieten Akmolinsk, Semipalatinsk (Sibirien und Turkestan), und Semiretscbje, und verteilen sich auf die verschiedenen Genera folgender- maen : Tryxalis 1 sp. ; Parapleurus 1 sp. ; Vhrysochraon 2 sp. ; Duronla 1 sp. ; Stenobothrus 21 sp. (eurasius. inyenitzkyi, dubius, fuginosux n. spp.) ; Gomphoeems 6 sp. ; Stauronotus 4 sp.. Stethophyma 4 sp. (nov. var. crassittscula, St. flavicostae Fisch.); Epacromia 2 sp. ; Acrotylus 1 sp. ; Mioscirtn.s 1 sp. ; Sphhujonotus 6 sp. ; Helioscirlus 1 sp.; Bryodema 3 sp.; Celes 1 sp ; Oedipoda 2 sp. ; Pachylilus 1 sp.; Oedaleus 2 sp. ; Psopltus 1 sp.; Pyrgodera 1 sp. ; Egnatius 1 sp. ; Trinchs 1 sp. ; Eremobia 1 sp. (nov. var. hcptapotamica E. muricatae Pall.); Pyryomorpha 1 sp. ; Derocorystes 1 sp. ; Caloptenns 1 sp. ; Podisma 2 sp. ; Conophyma nov. gen. aus der Gruppe der Piatyp hym ata Br. (semenovi n. sp.) ; Parerucius Krauss nov. gen- aus der Gruppe der Mastaces (antennalus Krauss, opacus Krauss nn. spp.). Nicht nur dadurch, dass sie mit einer Reihe neuer Formen bekannt macht, sondern auch durch Wiederbeschreibung lterer Arten und Zurechtstellung der Synonymie, wird die vorliegende Arbeit zu einer dankenswerten Bereicherung der Acridiodeen-Litteratur. N. v. Adelung (St. Petersburg). 147 Czervinsky, K., Zur Anatomie der Termiten (Farn. Ter- mitidae). Vorl. Mitth. In: Arb. a. d. Zool. Labor, d. Univ. Warschau vom Jahre 1896 (Russisch). 148 Zur Kenntniss der Termiten. In: Zool. Anz. 1897. p. 199 202. Vorl. Mitth. 149 Zur Anatomie der Termiten (Farn. Termitidae). In: Arb. a. d. Zool. Labor, d. Univ. Warschau v. J. 1897. p. 31-48. 3 Taf. (Russisch). In der letztcitierten, soeben erschienenen Mitteilung bespricht der Verf. die Stirndrse und die Ganglien der sympathischen Nerven, nachdem er in den beiden erstgenannten Arbeiten bereits einiges ber diesen Gegenstand verffentlicht hatte. In einer vorl. Mitt. (148) hatte der Verf. ber Larven der Soldaten-Nasuti" von Termes Nr. 145-149. - 93 riograndensis berichtet; diese besitzen gezhnte Mandibeln, whrend diejenigen der ausgebildeten Soldaten zahnlos sind (sie scheinen durch das Chitin der Larvenhlle hindurch). Der Verf. schliesst daraus, dass die Soldaten der Vorfahren der genannten Art gezhnte Man- dibeln besassen, wie es bei den Soldaten von Hadotermes der Fall ist. Die Stirndrse der Nasuti war bereits von H. Hagen ober- flchlich, von N. Nassonow genauer beschrieben worden. Mit der Stirndrse hngt die Frage von der Zahl der Ocellen eng zusammen: frhere Autoren (Ch. Lespcs, Erichson) hatten dieselbe auf drei angegeben, Hagen wies nach, dass der mittlere Ocellus der Soldaten eine Membran (Fontanelle) ist, unter welcher eine Drse liegt. Der auch bei Arbeitern und geflgelten Individuen an derselben Stelle vorhandene helle Fleck wird von Hagen als Fontanellpunkt be- zeichnet. Um die Bedeutung dieses letzteren aufzuklren, untersuchte Czervinsky folgende Formen: Arbeiter-Nasuti, Arbeiter und Ge- flgelte von Eutermes n. sp. , Arbeiter-Nasuti und Arbeiter von Eid. ripperti; Soldaten-Nasuti, Arbeiter und Geflgelte von Termes mtteri; Sold. -Nasuti von Termes n. sp. (alle aus Brasilien); Soldaten, Arbeiter und Geflgelte von Eutermes capricornis (Madagascar); Soldaten und Arbeiter von Termes lucifugus (Odessa) ; Arbeiter einer unbestimmten Art aus Peru. Es ist dem Verf. gelungen, bei allen diesen Formen das Vorhandensein einer in verschiedenem Mae entwickelten Stirn- drse nachzuweisen. Soldaten und Arbeiter von Calotermes sp. (Brasilien) dagegen besassen nach Angabe des Verf.'s die Stirndrse nicht. In der letztcitierten Arbeit (3) bespricht Czervinsky den Bau der genannten Drse bei den verschiedenen Formen von Ter- miten. 1. Arbeiter-Nasuti. Die Stirndrse hat den von Nasso- now geschilderten Bau, liegt hinter dem Supraoesophagealganglion, von starker Muskulatur umgeben, besteht aus einer Schicht cylin- drischer Zellen und ist mit einer chitinsen Intima, welche in den Ausfhrgang bergeht, ausgekleidet. Bei Eutermes ripperti setzt sich an der Stelle, wo die Drse in den Ausfhrgang bergeht, jeder- seits ein dnner Muskel an, welcher unten am Schdel befestigt ist. An diesen Muskeln konnte der Verf. auch bei sehr starker Ver- grerung keine Querstreifung entdecken. 2. Soldaten-Nasuti. Bei Termes mtteri liegt die eifrmige Stirndrse im vorderen Teil der Kopfes. Hier findet sich an der unteren Flche keine Furche wie bei den Arb.-Nasuti (Andeutung der Paarigkeit). Die Stirndrse der usserlich sehr verschiedenen Arb.-Nasuti von Termes sp. ist hnlich gebaut, wie die eben besprochene, zeigt aber strkere Falten- bildung der Drsenwand, und besitzt die oben fr Eid. ripperti er- Nr. 147-149. 94 whnten beiden Seitenmuskeln. Diese letzteren sind ausserordentlich dnn, weshalb sie der Verf. bei kleineren Formen wohl nicht be- obachten konnte. 3. Soldaten. Als Untersuchungsobjekt dienten namentlich die originellen Soldaten von Eutermes capricornis mit den langen, antilopenhrnerartigen Mandibeln, welche einen sehr schwach ausgebildeten Fortsatz an der Stirn besitzen, whrend derselbe bei Termes riograndensis bedeutendere Dimensionen annimmt. Die Drsen- mndung auf dem Fortsatz ist mit der Stirndrse durch einen kurzen Kanal verbunden; die kleine, herzfrmige Stirndrse liegt fast ganz in einer Aushhlung des Gehirns. Unten und nach hinten von dem spitzen Ende der Drse geht ein starkes Muskelbndel nach der Unterseite des Kopfes ab, welches sich in zwei einzelne Bndel aut- lst. Die Drsenwnde werden von einer Schicht kubischer Zellen gebildet ; eine Basalmembran wurde nicht beobachtet. Bei Termes lucifugus hat die Drse die Gestalt einer langen, hinten blind enden- den Rhre, deren vorderer, erweiterter Teil dem Gehirn aufliegt. Ein kurzer Kanal fhrt nach der Mndung auf dem kaum bemerk- baren Vorsprung. Zwei Muskeln gehen hinter dem Gehirn von der Drse ab; die schwache Ausbildung dieser seitlichen Muskeln ver- anlassen den Verf. zu der Ansicht, dass dieselben wenigstens bei den Nasuti keinen Einuss auf das Austreten des Drsensekretes haben. 4. Arbeiter. Hier fand der Verf. ein einfach gebautes, der Stirn- drse homologes Gebilde, welches am besten bei der peruvianischen Art ausgebildet war, deren 10 mm grosse Arbeiter usserlich denen von Termes dirus Klug hnlich sehen. Hier sieht man mitten auf der Stirne einen Mitteltleck" . welcher durch dnneres Chitin gebildet ist , und unter welchem eine halbkugelige Drse liegt; von derselben gehen zwei Muskeln nach unten ab, wie bei den Nasuti und Soldaten. Die Drse besteht aus einer Schicht hoher Zellen, welche aussen von einer strukturlosen Membran bedeckt sind. Die Drsenzellen scheinen in die Zellen der Matrix berzugehen. Zwischen der Drse und dem ..Mittelfleck" rinden sich kugelige Ge- bilde, wahrscheinlich Sekrete der Drse, welche wohl durch die dnne Chitinhaut nach aussen ausgeschieden werden, da keine Ausfhr- ffnung zu sehen ist (V Ref.). Bei Eutermes sp. und Eid. ripperti finden sich statt der Drse nur vergrsserte Matrixzellen. Alle Arbeiter haben die beiden fr T. dirus beschriebenen starken Muskelbndel. 5. Geflgelte Formen (Imagines). Bei Eutermes sp. wird die scheibenfrmige Drse von einer Schicht hoher Zellen gebildet, welche aussen dem Chitin direkt anliegen. Ein Kanal und Ausfhrffnung fehlen. Schwacher entwickelt ist die Drse bei Eut. capricornis und Nr. 147149. 95 entspricht dem Bau nach derjenigen der Arbeiter dieser Art; noch schwcher bei Termes mlleri, wo sie nur durch strkere Matrixzellen reprsentiert wird, dem Baue nach aber derjenigen der Arbeiter von Eutermes sp. entspricht. Der Verf. kommt zu dem Schluss, dass die Stirndrse in Form einer Verdickung der Matrixzellen entsteht und auf diesem Stadium bei den Arbeitern einiger Arten stehen bleibt. Darauf er- folgt ein sich in die Lngeziehen der Matrixzellen und Bildung einer einfachen mehrzelligen Drse (Arbeiter anderer Arten, gewisse Ima- gines). Endlich erfolgt wahrscheinlich eine Einstlpung des gesamten Integuments, worauf die Rnder der Grube sich schliessen dieses Stadium wird durch die Soldaten reprsentiert. Tritt dann noch eine Vorstlpung des Integuments hinzu, welche die Ausfhr- ffnung trgt, so ist die Ausbildung des Apparates bei den Nasuti erreicht. An dem sympathischen Nervensystem unterscheidet der Verf. einen unpaarigen Abschnitt (Stirnganglion mit dem daraus ent- springenden und im Thorax ein Magenganglion bildenden Schlund- magennerv) und einen paarigen (zwei Ganglienpaare, welche unter- einander und mit dem unpaaren Abschnitt in Verbindung stehen). Die Abbildungen sind von sehr guter Ausfhrung, die beige- gebenen Photogramme sehr gelungen. N. v. Adelung (St. Petersburg). 150 Ingenitzky, J., Les Odonates de la Fologne russe. In: Mem. Soc. Zool. de France. Tom. XL 1898. p. 48-61. Whrend die umliegenden Gebiete, namentlich Schlesien und Galizien gut auf ihre Odonatenfauna hin erforscht sind, bietet die vorliegende Mitteilung erst- mals eine genauere Aufzhlung der Odonaten des russischen Teils von Polen, nebst mehreren Angaben ber Auftreten , Kopulation und Eiablage. Der Verf. unterscheidet drei Jagdsaisons " fr Odonaten, und zwar Mai und Juni (charak- terisiert durch Libellula quadrimaculata und L. dcpressa, Gomphus- und Ariaz-Arten, Aeschna pratensis), ferner Ende Juni bis Mitte August (Diplax, Lestes, Aeschna grandis, Ac. cyanea), endlich der Sptherbst, bis Ende Oktober (vorzugsweise Aeschna cyanea, Diplax vulgata und Lestes sponsa). Der Verf. fhrt folgende Formen an (meist auf Grund eigener Jagden): Libellula 12 sp.; Cordulia 4 sp. ; Gomphus 2 sp.; Anax 1 sp.; Aeschna 7 sp.; Ca- lopteryx 2 sp. ; Lestes 5 sp.; Platycnemis 1 sp. ; Agrion 8 sp. Ein Litteratur Verzeichnis ist beigegeben. N. v. Adelung (St. Petersburg). 151 Krger, L., Die Odonaten von Sumatra. I. Theil: Familie Agrioni- den. In: Stettiner Entom. Zeit. 59. Jhg. 1898. p. 64139. Das Material, welches der Verf. bearbeitet hat, ist von H. Do hm auf Sumatra gesammelt worden (Station Soekaranda diente als Centrum fr die Nr. 149151. 96 Exkursionen) ; es bertrifft die Samnielergebnisse aller frheren Erforscher dieses Gebiets. I. Unterf. Calopter yginae. 7 Genera mit 18 sp. (davon 3 n. sp.); im ganzen sind nun 21 Calopteryginen fr Sumatra bekannt, davon sind 13 sp. bis jetzt nur auf dieser Insel gefunden worden. II. Unterf Agrioninae: 14 Genera mit 31 sp. (davon 7 n. sp.) ; im ganzen mit den schon frher bekannten Formen 40 Agrioninen, von denen 11 nur auf Sumatra vorkommen. Der Verf. giebt ausserdem noch die Beschreibung von 5 n. sp. aus der sdostasiatischen Fauna ausserhalb Sumatras (Java, Jalo, Samba). Die bisher erschienenen Arbeiten ber die Odonatenfauna Sumatras sind vom Verf. zusammengestellt worden, so dass seine Arbeit allen denen, welche auf diesem Gebiet weiterarbeiten werden, von grossem Nutzen sein wird. Sumatra verspricht noch viele neue Formen zu liefern. N. v. Adelung (St. Petersburg). 152 Stemheil, Baron Tli., Ueber die Nahrungsaufnahme bei der Gattung Pentatoma. Vorl. Mitth. In: Arb. a. d. Zool. Labor, d. Univ. Warschau a. d. J. 1807. p. 175 181. Holzschn. i. T. (Russisch). Der Verf. beschreibt die Anordnung des Saugapparates bei 1 J . nigricorne F., wo lngs des saugenden Kanals (Oesophagus), zwischen .. Mundo ffmmg" und Magen" vier Systeme von Muskeln liegen, welche durch successives Einwirken auf die Wandungen des Kanals das Aufsaugen der Nahrung bewirken. Der Magen" liegt bei P. nigri- corne dicht hinter dem Gehirn, und ein Zurcktreten der flssigen Nahrung nach dem Munde zu ist hier ausgeschlossen. Zahlreiche Drsen umgeben den Magen (wie bei Tabanus 1 )). Die Unterkiefer der Wanze bilden einen doppelten Kanal; der obere Abschnitt dient zum Aufsaugen von Flssigkeiten, der untere ist der Ausfhrkanal der Speicheldrse, deren Sekret erst in einem besonderen, mit Muskulatur und Verschluss versehenen Apparat, und von da in den Rssel gelangt. N. v. Adelung (St. Petersburg). 153 (Jua.jat, E., Recherches sur les produits de respiration des oeufs du ver--soie. In Arch. ital. biol. T. XXVII. 1897. p. 376388. Bei seinen Untersuchungen ber die Atmung der Eier von Bombyx mori hatte Verf. beobachtet, dass von Eiern, die in einem durch Queck- silber abgeschlossenen Luftraum aufbewahrt wurden, die meisten abstarben. Der erste Teil der vorliegenden Abhandlung ist genauerer Untersuchung dieser Thatsache gewidmet. Es stellte sich heraus, dass schon ausserordentlich kleine Mengen Quecksilber, die sich dampf- frmig der Luft beimischen, fr die Eier tdlich sind; nur whrend ') Vgl. Zool. C.-Bl. IV. 1897. p. 873. Nr. 151-153. 97 des Winters wurde die Einwirkung des Quecksilberdampfes gut ertragen, vorausgesetzt, dass sie nicht lnger als etwa 25 Tage dauerte. Ebenso wirkt die Kohlensure whrend des grssten Teiles des Jahres aus- gesprochen giftig, und nur whrend des Winters, also in der Zeit der usserst herabgesetzten Atmungsthtigkeit, ist sie relativ unschdlich. Die Untersuchungen ber die Atmungsprodukte der Eier wurden an solchen Eiern angestellt, die einem sog. elektrischen Regen/' d. h. der Einwirkung einer Influenzelektrisiermaschine durch einige Minuten ausgesetzt waren und infolgedessen schon innerhalb 9 10 Tagen zur Entwicklung kamen. Das Ergebnis war (abgesehen von im Original nachzusehenden Einzelheiten) folgendes: 100 g auf diese Weise behandelter Eier lieferten von der Elektrisierung an bis zum Moment des Weisswerdens 16,1213 g H 2 und 9,1102 g CO,. Eier, die der berwinterungskammer bei entnommen wurden, und in 22 24 C. einem trockenen Luftstrom ausgesetzt wurden, lieferten im Mittel weniger 11,0 und C0 2 als die elektrisierten, nmlich 10,5 g H 2 0, 8 g C0 2 . W. A. Nagel (Freiburg i. Br.). 154 Mac Dougall, Robert Stewart, ber Biologie und Generation von Pissodes notatus und Pissodes piniphihis. In: Forstl. natwiss. Ztschr. VII. Jg. 1898. 5. u. 6. Heft. p. 161176, 198207. Auf Grund einer grossen Anzahl von Zuchtversuchen, die unter mglichst natrlichen Verhltnissen an eingezwingerten 4 6jhrigen Kiefern whrend der Jahre 1895 1898 angestellt wurden, gelangte Verf. zu den folgenden allgemeinen Schlussfolgerungen. Die Pissodes- Arten sind als Imagines sehr langlebig (nach neuerer Mitteilung des Verf.'s lebt ein j jetzt ber drei Jahre); Copulation und Eiablage wiederholen sich oftmals innerhalb der Saison, wobei die Eiablage von Ende Mrz bis inkl. September stattfindet. Trotzdem bleibt die Generation typisch eine einjhrige, da die Jungkfer wegen langsamer Geschlechtsreife nicht mehr im Jahre ihrer Geburt zur Fortpflanzung gelangen. Als Gegenmittel muss, der kontinuierlichen Eiablage ge- m, das Fangmaterial die ganze Saison hindurch von Mrz bis Oktober angeboten werden. Die Leser des Zool. Centralbl. (s. V. Bd. p. 237) erblicken in Vorstehendem eine volle Besttigung derjenigen Resultate, zu denen der Berichterstatter auf Grund hnlicher Versuche gelangt ist. Der Verf. giebt jedoch keinerlei Aufklrung auf Grund anatomischer Untersuchung und hielt sich lediglich an das biologische Experiment. 0. Nsslin (Karlsruhe). 155 Nsslin, 0., Faunistische Zusammenstellung der Borken- Nr. 153155. 98 kt'er Badens. In: Forst!. -natw. Ztschr. VII. Jlirg. 1898. 8. Heft p. 273285. 2 Textf. Nachweis des Vorkommens von 67 Borkenkferspecies in Baden und Vergleich mit den am besten bekannten Borkenkferfaunen Thringens (63 Sp.) und Bosniens (64 Sp.). Fr Baden ist insbesondere das Vorkommen mediterraner Species (oleiperda Fabr., thujae Perris) und das Hervortreten gewisser Species durch relative Hufigkeit (acuminatus Gyll., proximus Eichh.) sowie die lange Saison vieler Arten von Interesse. Durch diese Momente schliesst sich die Borkenkfer- fauna Badens in manchen Beziehungen nher an diejenige Bosniens, als an die norddeutsche an. 0. Nsslin (Karlsruhe). Mollusca. Gastropoda. 156 Teilman-Friis , Smaa Bidrag til Artsbeste mm eiserne indenfor Slaegterne Littorina og Hydrobia. In: Videnskab. Meddel. Naturhist. Foren, i Kjbenhavn for 1897. p. 211-215. 2 Texttig. Verf. macht namentlich auf die Verschiedenheiten der Radula bei Arten der genannten Gattungen aufmerksam. Bei Littorina litlorea L. trgt die Mittelplattc der Radula neben dem grossen Mittelzahn jederzeits 1 Zhnchen, bei L. parva Mrch 2 (s. Fig. 1) ; die ganze Radula ist bei L. 2~>arva ca. V 3 lnger als bei L. littorea. Hydrobia ulvae Penn., H. minuta Totten und H. ventrosa Baster lassen sich sowohl durch die Form der Schale (s. Fig. 2) als durch die der Radula unterscheiden; die Mittelplatte der Radula zeigt bei: Hydrobia ulvae 2 (3) Zhnchen jederseits am Mittelzahn und 1 Nebenzahn auf jeder Seite. Hydrobia minuta 3 Zhnchen jederseits am Mittelzahn und 2 Nebenzhne auf jeder Seite. Hydrobia ventrosa 45 Zhnchen jederseits am Mittelzahn und 1 Nebenzahn auf jeder Seite. Bei H. ulvae und minuta ist ausserdem der Mittelzahn viel irrsser als die e>* Seitenzhnchen, whrend bei H. ventrosa der bergang zwischen dem Mittelzahn und den Seitenzhnchen ein allmhlicher ist, was 'ein kammfrmiges Aussehen des Gebildes bei letzterer bedingt. H. F. E. Jungersen (Kopenhagen). Vertebrata. 157 ('von, E. v., Les fonetions de la glande thyroide. In: Compt. rend. Acad. Sc. Baris. T. 125. 1897. p. 439441. Verf. giebt in Krze die liesultate einer Versuchsreihe ber die Funktionen der Schilddrse. Diese sind nach ihm folgende: 1. Die Schilddrse fhrt die dem Blute entnommenen Jodsalze" in organische Verbindung ber, in das Jodothyrin, und schtzt dadurch den Orga- nismus vor Jodvergiftung. Die Bildung von Jodothyrin ist fr das normale Funktionieren der Herz- und Gefsscentren unerlsslich. Das Herz selbst beherrscht die Jodothyrinbildung durch Vermittelung Nr. 155157. 99 von Nervenfasern, die in die Nervi laryngei eintreten. 2. Ausserdem schtzt die Schilddrse das Gehirn vor allzupltzlichem Blutzustrom bei vermehrter Herzthtigkeit, indem sie eine Art Nebenschliessung von geringem Widerstand bildet. Auch diese Funktion ist vom Herzen abhngig; bei pltzlich vermehrter Herzaktion werden durch Nerveneintluss die Schilddrsenarterien erweitert. Fr Thymus und Hypophyse nimmt Verf. hnliche Bedeutung an. W. A. Nagel (Freiburg i. Br.). Grley, E., Presence de liode dans les glandules parathyr- oides. In: Compt. rend. Acad. Sc. Paris. T. 125. 1897. p. 312 -315. In den kleinen ,,Nebenschilddrsen" des Hundes und Kaninchens findet sich regelmig Jod (nach Baumann 's Methode bestimmt) in grsserer Menge als in der eigentlichen Schilddrse, beim Kaninchen sogar der absoluten Menge nach mehr. Verf. vermutet daher, dass ein erheblicher Teil der der Schilddrse zugeschriebenen Funktionen in Wirklichkeit den Nebenschilddrsen zukomme, und stellt hierber weitere Untersuchungen in Aussicht. W. A. Nagel (Freiburg i. Br.). Pisces. Peupion, A., T r a i t e de P i s c i c u 1 1 u r e. Paris et Nancy (Berger- Levrault & Cie.) 1898. 8. 657 p. Das Werk soll der Praxis dienen, nicht der Wissenschaft. Von allgemeinerem Interesse ist der Inhalt des ersten Kapitels (Des etangs). Verf. zeigt, dass die Fischteiche seines Landes feudalen Ursprung haben, dass sie lange vor dem Mittelalter, besonders zur Zeit der Kreuzzge vom Klerus und Adel geschaffen wurden, dass mit der Schaffung der Fischteiche sich auch die Zahl der Fastentage vermehrt hatte und schliesslich selbst das Wassergeflgel, die Enten und Wasser- hhner zu aliments de penitence" fr die ,,jours maigres" erhoben wurden. Spter machte der Klerus mit seinen Fischteichen ein gutes Handelsgeschft, bis der Preis der Fische so gesunken war, dass die Fischteiche in Ungnade kamen und teilweise in Wiesen umgewandelt wurden. Verf. plaidiert nun, und gewiss mit allem Recht, fr die Wieder- errichtung von Fischteichen, indem er letzteren eine grosse Bedeutung fr die Erhaltung und Vermehrung der Fische als Volksnahrung zu- schreibt. Verf. ist, gleichfalls mit Recht, ein grosser Skeptiker in Bezug auf die Beurteilung der Erfolge der knstlichen Fischzucht in Flssen und Bchen, er hlt die hierbei erzielte Fischbrut fr zu jung, Nr. 158159. 100 - als dass sie schon die Instinkte zu ihrem Schutz entwickelt htte, um sich in den freien Gewssern den Feinden und Gefahren gegen- ber erhalten zu knnen. Verf. will daher natrliche Bruterzeugung in Teichen und erst die gehrig erstarkte hier erzeugte Nachkommen- schaft den freien Gewssern bergeben wissen. Auf diesem Wege knnte nach und nach eine Verbesserung der natrlichen Fischbe- stnde erzielt werden; auch will der Verf. ein thtiges Eingreifen der Regierungen und hebt mit grsster Anerkennung die deutschen Verhltnisse hervor, wo Fischzuehtgesellschaften und Regierungen alles zur Hebung der Fischerei thten, reproduziert auch teilweise als Vorbild neuere deutsche Gesetzesbestimmungen. ber die enormen Schwierigkeiten, welche einer Wiederbelebung der freien Fischgewsser entgegenstehen, ist sich Verf. vllig klar, auch tadelt er mit Recht die teilweise bertriebene Kultur der Wasser- bautechniker, insbesondere die Korrektionen kleinerer Gewsser, die, mit reichlichem Manzenwuchs versehen, beste natrliche Fischbrut- sttten seien, dadurch zur Versorgung grsserer Flusslufe dienten und trotzdem alljhrlich ausgeputzt wrden, weil sie vielleicht einmal in 25 Jahren eine kleine rtliche berschwemmung drohten. Die folgenden Kapitel behandeln zunchst die einzelnen in Betracht kommenden Fischarten (hier wre der Zusatz ihrer wissenschaftlichen Namen erwnscht gewesen), darauf die Krankheiten der Fische, die Aufzucht derselben, die Wasserpflanzen, die Verteilung der Geschlechter, den Einfluss des Milieu" auf die Fische, die Grade der Vitalitt, die Methoden bei der Bewirtschaftung der Teiche und schliesslich den Krebs. Ein Anhang beschftigt sich ausserdem mit der Holz- kultur. Als von zoologischem Interesse mag noch hervorgehoben sein dass Verf. den Unterschied hervorhebt, wonach Fische, welche in stillen grsseren Gewssern laichen, eine mehr oder weniger betrchtliche berzahl von $ 9 zeigen (bei Tinea z.B. o $ 9 auf 1 c?), whrend bei den in rasch fliessendem Wasser laichenden Arten die Zahl der J'c? derjenigen der 9 $ nher kommt. Sodann hat Verf. eine interessante Beobachtung mitgeteilt. In einen Sumpf, der durch seinen starken Pflanzenwuchs mehr einer Wiese glich und in dem auch Frsche und Krten laichten, wurde wiederholt Brut von Esox lucius eingesetzt. Beim Abfischen ergab sich, dass etwa ein Zehntel infolge einer De- viation"' der Wirbelsule mehr oder weniger deformiert, ein Achtel einugig, und einige blind waren. Alle ausser den blinden waren wohl gediehen. Bei einem dritten Einsatz entfernte Verf. zuvor die Wasserpflanzen, infolgedessen die Deformierung der Wirbelsule nicht mehr auftrat, wohl aber die Einugigkeit und Blindheit. Letztere Nr. 159. - 101 Abnormitten erklrt Verf. aus dem Vorkommen der Krten, deren cf 71 oft in Copulationsstellung auf dem Kopf der jungen Hechte fest- geklammert angetroffen worden waren. In Bezug auf die Vitalitt der Fische (Karpfen) giebt Verf. als ein sicheres Kennzeichen zur Beurteilung derselben die Prallheit des Auges und Grsse der Pupille an, welche beide im Verhltnis der Schwchung der Vitalitt abnehmen sollen. 0. Nsslin (Karlsruhe). 60 Vogel, P., Ausfhrliches Lehrbuch der Teichwirtschaft, Bautzen, E. Hbner. 1898. 549 p. 157 Textfig. Mk. 10. Ein originell und mit einem frischen Zug geschriebenes Lehr- buch, das nach rein praktischen Gesichtspunkten sein Thema be- handelt, insbesondere die Karpfen- und Forellenzucht in Teichen. Auf die neueren Planktonforschungen im Ssswasser wird ausfhrlich Bezug genommen. So bildet der Verf. nicht weniger als 53 Crusta- ceen-Species ab. 0. Nsslin (Karlsruhe). 61 Krause, W., Die Farbenempfindung des Amphioxus. In: Zool. Anzeig. 20. Bd. Nr. 548. 1897. p. 513515. Verf. weist auf seine schon frher mitgeteilte Anschauung hin, dass Amphioxus das Licht durch das Pigment in seinem Kckenmark percipiere. Bevorzugung einer bestimmten Farbe des Lichtes Hess sich nicht nachweisen. Unter einer Lsung von Kaliummonochrom at (gelb), und einer solchen von Kupfersulfat (blau), verteilten sich die Tiere annhernd gleichmig, ebenso in monochromatisch rotem und blauem Licht. W. A. Nagel (Freiburg i. Br.) 62 Krause, W., Die Lichtempfindung des Amphioxus. In: Anat, Anzeig. Bd. 14. Nr. 1718. 1898. p. 470471. 63 Hesse, R., Die Lichtempfindung des Amphioxus. Ibid. Nr. 21. p. 556 557. Krause reklamiert die Prioritt der auch von Hesse neuer- dings vertretenen Anschauung, dass der Sitz der Lichtempfindlichkeit des Amphioxus im Rckenmark sei, fr sich, lehnt aber dessen Becheraugen" ab, mit der Begrndung, dass ebensolche pigmentierte Zellen mit becherfrmigen Pigmentlagen sich auch anderwrts, z. B. in der Negerhaut finden. Hesse seinerseits weist die abenteuerliche Sehblauhypothese Krause's zurck und betont, dass seine Auffassung der Lichtperception mit derjenigen Krause's nicht zu identifizieren sei. W. A. Nagel (Freiburg i. Br.). G4 Collett, R., Om en Smling Fiske fra Azoreme, tilhrende Museet i Ponta Delgada. In: Arch. Math, og Naturv. 19. Bd. No. 7. 1897. p. 1-17. Nr. 159164. - 102 Bemerkungen ber Fische, gesammelt in der Nhe der Azoren. (Sebasles maderensis, Echeneis albescens, E. remora, Eumicrotremus sjiinosus, Blennins galerita, Tripterygium melanurum, Lepadogaster bimaculalus, Argyropelecus olfersii.) Tript. melanurum und Ecken, albescens waren bisher nur in geringer Zahl und in spora- disch erhaltenen Exemplaren bekannt, ersterer vom Mittelmeer (Algier), letzterer von Japan, China, Neu-Guinea und Californien , jedoch auch von Madeira. Eumi- crotr. (Cyclopterus) spinosns war bisher beinahe nur vom nrdlichen Eismeere und dessen benachbarten Gegenden bekannt, jedoch auch von der stlichen Seite Nord-Amerikas (Maine, Massaschusetts Bay), und von Alaska und dem Berings-Meer. Argyropelecus olfersii ist eine westatlantische Form, die mit dem Golfstrom nach Europa bis Norwegen und Island gefhrt wird (von Bergen bis Finmarken sind etwa 20 Exemplare bekannt) H. F. E. Jungersen (Kopenhagen). 165 Hofer, Bruno, Welche Aussicht hat der Versuch zur Ein- brgerung des Aales im Donaugebiet? In: Allg. Fischereiztg. XXII. Jhrg. Nr. 23. 1897. p. 445-449. Verf. geht von der Frage aus, ob die seit 1881 vom deutschen Fischereiverein in grsserem Mastabe alljhrlich vorgenommenen Aalbruteinstze in's onaugebiet dahin fhren werden, den Aal daselbst einst heimisch zu machen. Auf Grund der neuesten Forschungen von Androussow, wonach im schwarzen Meere in Tiefen unterhalb 200 m ausser Schwefelbakterien keine Spur irgend eines pflanzlichen oder tierischen Organismus ge- funden werden konnte, sowie derjenigen von G r a s s i und C a 1 a n - druccio, welche zeigten, dass auch der Flussaal nur in Meerestiefen von 500 m vllig laichreif werden und seine Ze^o^/m/v/s-Metamorphose durchmachen knne, glaubt Verf. zunchst die obige Frage verneinend beantworten zu mssen. Gleichwohl giebt er hypothetisch die Mg- lichkeit zu, auf die von Feddersen vertretene Ansicht bezugnehmend, dass der Flussaal in den nordischen konstant wasserreichen Flssen, in denen er 4 5 Jahre ununterbrochen verbringe, infolge einer Ab- krzung seiner Ontogenie durch Uberspringung der Leptocephalus- Larve in Anpassung an das Ssswasser daselbst fortpflanzungsfhig geworden sein knne, whrend die Artgenossen im Mittelmeergebiet noch ihre ursprnglichen ontogenetischen Stufen durchmachten. O. Nsslin (Karlsruhe). 166 Hofer, Bruno, Die Rassen des Karpfens. In: Allgeni. Fisch. - Zeitg. XXIII. Jhrg. 1898. p. 3740; 153156; 175; 187; 205; 257259; 274275. Mit 1 Textfig. Verf. macht den Versuch, die in Deutschland vorkommenden Rassen von Cyprinus cardio in Wort und Bild zu prcisieren. Er versteht unter Rassen beim Karpfen die typischen Formverschiedenheiten des Fisch- krpers, wie solche durch die relativen Grssen von Gesamtlnge, Rcken- Nr. 164-166. 103 - hhe, Kopflnge und Dicke zum Ausdruck kommen und wobei insbesondere der Fleischansatz als wirtschaftliches Moment in Betracht kommt. In diesem Sinne liefern sowohl die normal beschuppten, als die ganz schuppenlosen sogen. Lederkarpfen", sowie die Zwischenformen, die sog. Spiegelkarpfen" gute und weniger gute Bssen". Er will zwischen Bssen" und Schlgen" unterschieden wissen, je nachdem die Formen infolge lngerer Zucht schrfer charakterisiert und konstanter geworden sind, oder beides weniger zeigen. Seine Bssen schliessen sich an die auch in den freien Gewssern vorkommenden Formvariationen an, welche Heckel als Cyprinus hungaricus und acuminatus unterschieden hat. Im ganzen werden fnf Bssen aufgefhrt: zwei hochrckige und kurze, nmlich der das Extrem in diesem Sinne zeigende Aichthaler Karpfen (Bam- berger, Nrnberger Gegend) und der g alizische Karpfen; sodann drei langgestreckte undniederrckige Bssen, nmlich der bhmische, lau sitz er und der frnkische Karpfen. 0. Nsslin (Karlsruhe). Amplubia. Iioulenger, Gr. A., The Tailless Batrachians of Europe. Part I. 1897. p. 1210. 77 Figg. 10 Taf. 2 Verbreitungskarten und Part II. 1898. p. 211-376. 47 Figg. 14 Taf. 4 Verbreitungs- karten. London (Boy. Soc, B. H. Porter.) 8. Trotz der ganz ausserordentlichen Fortschritte in unserer Kenntnis der europischen Anuren whrend der letzten zwanzig Jahre in Bezug auf die Species- und Variettenunterscheidung, die Anatomie, Biologie und geographische Verbreitung gab es bis heute kein Buch, das die neuen Thatsachen zu einem Gesamtbilde vereinigt htte. Der Verf., der sich seit 25 Jahren eingehend mit den Batrachiern be- schftigt hat, bringt uns nun. gesttzt auf seine eigenen umfassenden Erfahrungen und auf das enorme, im British Museum unter seiner Obhut stehende Material, unter eingehender Bercksichtigung der umfangreichen und weit verzettelten Litteratur, ein prachtvoll aus- gestattetes Werk in zwei Bnden, an dem alles zu loben und anscheinend nichts zu tadeln ist. Wundervoll naturwahr sind die bis auf zwei Ausnahmen nach dem Leben von P. J. Smit und J. Green gemalten Tiere, kurz und prcis ist die Sprache des fr sein Fach begeisterten, kenntnisreichen Verfassers, prchtig Druck, Ausstattung, Papier und Einband der beiden Bnde. Das Buch ist in gleicher Weise fr den Anfnger wie fr den eigentlichen Forscher geschrieben; daher sind technische Ausdrcke nicht vermieden, aber sie werden durch zahlreiche vorzgliche und meist originale Holzschnitte im Text ausreichend erklrt. Nr. 166-167. - 104 Um einen Begriff von der Anordnung und der Reichhaltigkeit des Inhalts dieses hervorragenden Werkes zu geben, folgen hier die auf 121 Seiten abgehandelten Kapitelberschriften der Einleitung: Klassifikation der Anuren, ussere Kennzeichen, Haut, Hautsekretion, Skelet, Eingeweide, Lebensgewohnheiten, Stimme, Paarung und Eiablage, Spermatozoen, Eier, Entwicklung und Metamorphose, Larven, Bastarde und geographische Verbreitung. Von weniger bekannten Einzelheiten wollen wir im folgenden einiges erwhnen. Was die Systematik anlangt, so stehen wir noch auf den Schultern von E. D. Cope, dessen 1865 verffentlichte geniale, wesentlich auf osteologische Kennzeichen begrndete Einteilung, die 1882 von dem Autor unsres Werkes nur leicht gendert zu werden brauchte, im grossen ganzen noch heute Geltung hat. Whrend Schreiber 1875 in seiner ,,Herpetologia Europaea" nur zwlf europische Anuren und v. Bedriaga 1889 in seinen Froschlurchen Europas" deren achtzehn auffhren, macht uns Boul enger mit zwanzig wohl unterschiedenen Arten bekannt. Die Hauptmenge der Novitten kommt auf die Gattung Bana, von denen zwei erst im Jahre 1879 und je eine 1886 und 1891 beschrieben worden sind. Streng genommen ist ein Teil der acht jetzt bekannten europischen Rana-Arten nur auf Abtrennung von der altbekannten Linne\schen R. temporaria begrndet, aber diese neuen Arten sind gut, und kein vorurteilsfreier Beobachter der Lebensgewohnheiten von Rana arvalis Nilss. 1842, R. agilis Thom. 1855 u. s. w. zweifelt im ent- ferntesten an der Artgiltigkeit dieser allerdings usserlich vielfach einander hnlichen Frsche. Ebensowenig ist ein Zweifel erlaubt bei den erst neuerdings genauer untersuchten beiden Bombinator- und beiden Alytes- Arten, whrend Boul eng er in vorsichtiger Weise ge- wisse sehr ausgezeichnete Formen von Rana esculenta L. und Hyla arborea L. wohl mit Recht als klimatische Bssen auffasst. In Bezug auf die usseren Kennzeichen sei hier auf Fig. 2, die acht verschiedene Formen der Pupille bei europischen Anuren dar- stellt, hingewiesen, auf deren hohen systematischen Wert zuerst A. Thomas aufmerksam gemacht hat. Neu ist auch die schematische Zeichnung in Fig. 7, die uns lehrt, wie man auf einfache Weise die relative Beinlnge direkt am Objekt abnehmen kann, und die genaue Darstellung der Lymphscke und Lymphherzen bei Rana temporaria in Fig. 8. Ebenfalls frher noch nicht beachtet scheint eine faden- frmige Linie oder Rhaphe zu sein, die sich von der Schnauze bis in die Steissbeingegend hinzieht und in der die Bckenhaut viel dnner ist als an den benachbarten Teilen. Diese Rhaphe fllt z. B. bei Bnfo calamita Laur. hufig nicht mit der hellen Rckenbinde - Nr. 167. 105 zusammen. Auch der Schlssel p. 44-48 zur Unterscheidung der Gattungen und Arten nach rein osteologischen Merkmalen ist beachtens- wert. Die neue Thatsache, da Rana graeca Blgr. T-frmig ver- breitete Endphalangen zeigt, giebt einen weiteren Beweis dafr, dass die frher schon von dem Autor verworfene Abtrennung der Hylorana- oder Limnodytes- Arten als Gattung von Rana unstatthaft ist. Das Kapitel ber Eingeweide bietet interessante Details betreffs der Lungen und des Urogenitalapparates, soweit sie in Bezug auf Systematik von Bedeutung sind (s. die Synopsis der mnnlichen Geschlechtsorgane auf p. 55 56). ber die Lebensgewohnheiten erfahren wir manches neue. Nur Discoglossus und Bombinator unter unsern Lurchen sind imstande ihre Beute unter Wasser zu ergreifen. Die Nachttiere unter unsern Anuren knnen nicht dazu gebracht werden, bei Tage zu fressen. Alle fangen ihre Beute mit der herausgeklappten Zunge; nur Discoglossus ergreift sie mit den Kiefern wie unsere Molche. Salzhaltiges Wasser wird von den Anuren als Aufenthaltsort und als Brutsttte fr die Nachkommenschaft gemieden; nur Bufo calamita macht eine Ausnahme. [Dazu lsst sich nach Alfred Walter, wenn auch in beschrnkterer Weise, auch B. viridis hinzufgen, was der Verf. anzufhren vergessen hat.] Beachtenswert sind weiter seine Ausfhrungen ber die Stze kein Lurch kann Gift ausspritzen und keiner in Steinen eingeschlossen oder in Lchern eingemauert lngere Zeit ohne Luft, Feuchtigkeit und Nahrung aushalten". Auch das Kapitel ber Stimme bringt manches wertvolle. Der Mechanismus des Einpumpens von Luft aus den Lungen in den Kehlsack und aus dem Kehlsack zurck in die Lungen erklrt die anscheinend paradoxe Thatsache, dass Lurche auch unter Wasser zu quaken imstande sind. Hchst interessant sind weiter die Ausfhrungen ber Paarung und Eiablage, wobei alles vereinigt und vergleichend besprochen wird, was wir ber diese Lebensthtigkeiten bei unsern Anuren wissen. Ausgezeichnete Abbildungen von Stcken des Discoglossus pictus, des Pelodytes punctatus , des Bufo vulgaris und der Rana arvalis im Akte der Paarung, sowie die Figuren der Brunstschwielen und Begattungsbrsten (p. 71) des Mnnchens von fnf unsrer wich- tigsten Gattungen erlutern diesen Teil der Arbeit. Fr die Thatsache, dass bei den Gattungen Pelodytes, Pelobates und Bufo die Anzahl der Mnnchen die der Weibchen erheblich bersteigt, weiss auch unser Verf. keine plausible Erklrung. Was die Spermatozoen anlangt, so werden hier zum erstenmal die von Rana graeca und latastei beschrieben; sie schliessen sich nach Boul eng er am meisten an die von R. arvalis an. Die von R. cameranoi und iberica sind noch unbekannt. Auf p. 7982 findet sich sodann eine synoptische Tabelle Zoolog. Centralbl. VF. Jahrg. j^, j^ 9 106 ber Bau, Grsse und Frbimg der Eier der verschiedenen europischen Anuren (Fig. 30). Von bemerkenswerteren Thatsachen sei bei dieser Gelegenheit bemerkt, dass die grsste europische Anurenart, Bufo vulgaris, Eier besitzt, die nicht grsser sind als die der kleinsten Art, PeJodytes punctatus', bei Bana temporaria aber sind sie erheblich grsser als bei B. esculenia, die doch im Larvenzustande wie als erwachsener Frosch wesentlich grsser wird als jener. Die Angaben ber die Anzahl der Eier bei den verschiedenen Arten werden vonBoulenger nach eigenen Untersuchungen etwas modifiziert. Die Ausfhrungen des Verf.'s ber die Entwickelung und Metamorphose und ber die Larven lehnen sich an dessen ausgezeichnete Arbeit in den Proc. Zool. Soc. 1891, p. 593627, Taf. 4547 und an Thiele's bekannte Abhandlung ber den Haftapparat der Batrachierlarven in Zeitschr. f. wiss. Zool. Bd. 46, 1887, p. 67-79, Taf. 10 an. Bei dieser Gelegenheit wird uns auch mitgeteilt, dass bis jetzt allgemein angenommen und geglaubt wurde, eine Reproduktion von Gliedmaen knne man in der Gruppe der Anuren nur bei jungen Larven er- halten, whrend unser Autor noch bei grossen, erwachsenen Larven von Alytes nach Amputation der Hintergliedmaen unterhalb der Kniebeuge mit Leichtigkeit tadellose Neubildungen bekommen hat. Einen Schlssel fr die Unterscheidung der Larven bringen p. 105 109. Die grsste Larvenlnge unter 19 europischen Arten erreicht Pelobates fuscus mit 175 mm, die kleinste Bufo calamita mit 30 mm. Was die Verbreitung anlangt, so reicht Bana temporaria von den 20 europischen Arten am weitesten nach Norden, bis 70 n. Br., whrend Alytes cisternasi nur bis zum 41 n. Br. geht. Die Sdgrenze fr Bufo viridis, Hyla und Bana esculenta bildet der 28, die fr Bana arvalis und BomHnalor igneus dagegen der 45 n. Br. Am hchsten vertikal steigt Bana tem- poraria mit 10000' (3048 m) Hhe, nicht ber 3000' (914 m) erreichen von den 20 Arten acht. Die hchste Anzahl von Anuren zeigen Deutsch- land mit der Schweiz, Frankreich und Italien mit je 12 Arten; unter den europischen grsseren Stdten zeichnen sich Bonn, Coimbra, Paris und Wien durch je zehn dort vorkommende Arten aus. [Frankfurt a, M. hat brigens in seiner nheren Umgebung durch den neuerlich erbrachten Nachweis des Vorkommens von Bana agilts - an zwei Stellen ebenfalls 10 Arten aufzuweisen. Alytes fehlt jetzt in der nheren Umgebung; die brigen neun Species stimmen mit denen von Bonn berein.] Die palarktische Region in ihrer weitesten Ausdehnung zeigt nach dem Verf. ausser den 20 Arten, die das vorliegende Buch behandelt, noch einen weiteren Discoglossiden, zwei Pelobatiden, vier Bufoniden, einen Hyliden und 13 Raniden. Es folgt sodann die eingehende Darstellung der einzelnen Arten Nr. IT. 107 und ihrer Varietten von den Discoglossiden beginnend bis zu den Raniden. Eine Tabelle fhrt schliesslich p. 343359 smtliche Stcke auf, die sich in den Sammlungen des British Museums betin- den; p. 361371 folgt ein genereller, anatomischer und physiologischer, p. 372373 ein faunistischer Litteraturnachweis und p. 374376 ein alphabetisches Register. Wenn das Werk einen Mangel hat, so ist es nur der, dass es so teuer ist; es kostet 60 Mark. Aber wir knnen versichern, dass sein Inhalt uns fr diese Ausgabe reichlich entschdigt. 0. Boettger (Frankfurt a. M.). Flemmiiig , W., ber denj. Einfluss des Lichtes auf die Pigmentierung der Salamanderlarve. In: Arch. f. mikrosk. Anat. Bd. 48. 1897. p. 369374. Weitere Bemerkungen ber den Einfluss von Licht und Temperatur auf die Frbung der Salamanderlarve. Ibid. p. 690692. Im ersten Artikel wendet Flemming gegen die von Fisch el gemachte Angabe, dass Salamanderlarven, in Wasser von 15 18 gehalten, viel blasser und durchsichtiger werden, als khler gehaltene, ein, dass dieser Unterschied wahrscheinlich nicht auf Temperatur- sondern Beleuchtungsunterschieden beruhe, welch' letztere beiFischeTs Versuchen unbeabsichtigter Weise mitgespielt haben sollen. Verf. selbst hat frher die Abhngigkeit der Pigmentierung vom Lichte bewiesen ; dunkel gehaltene Larven bleiben dunkel, hell gehaltene bleichen schnei] aus. Die Ausbleichung beruht teils auf Zusammenziehung der Pig- mentzellen, teils auf Reduktion des Pigmentes. Im zweiten Artikel zieht Verf. den oben genannten Einspruch gegen Fi sehe] 's Ergeb- nisse zurck, da er sich berzeugen konnte, dass thatschlich auch bei gleichen Beleuchtungsgraden (und zwar im Halbdunkel) die wrmer gehaltenen Larven die Tendenz zum Ausbleichen zeigen. Die Aus- bleichung geht, soweit sie durch Licht bedingt ist, im Sommer schneller vor sich, als im Herbste, weil das Tageslicht hier nur krzere Zeit hindurch einwirken kann. W. A. Nagel (Freiburg i. Br.). Phisalix, C, Action physiologique du venin de Salamandre du Japon (Sieboldia maxima). Attenuation par la cha lein- et vaccination de la Grenouille contre ce venin. In: Compt. rend. Acad. Sc. Paris. T. 125. 1897. p. 121123. Das Gift aus der Rckenhaut der Sieholdia maxima weicht von dem der anderen Urodelen erheblich ab. An der Luft und beim Trocknen im Vakuum verliert es schnell seine Wirkung, ebenso beim Kochen Nr. 167170. - 9* 108 der wssrigen Lsung. Es reagiert stark alkaliseh. Seine Giftwirkungen sind lokaler und allgemeiner Natur. Unter die Haut des Frosches gespritzt erzeugt es starkes Odem mit Hmorrhagieen in der Haut. Auf den Gesamtkrper wirkt es lhmend. Das Herz steht schliess- lich in Diastole still; Muskeln und Nerven sind zu dieser Zeit noch erregbar, die Reflexe bedeutend geschwcht. hnlich sind die Wirkungen auf das Kaninchen. Durch Erwrmung auf etwa 60 lsst sich die Giftwirkung er- heblich abschwchen, die Substanz erzeugt dann nur noch vorber- gehendes Odem. Ein mit solchem abgeschwchten Gift geimpfter Frosch ist 48 Stunden immun gegen das unabgeschwchte Gift. W. A. Nagel (Freiburg i. Dr.). Reptilia. 171 Abelsdorff, G., Physiologische Beobachtungen am Auge der Krokodile. In: Arch. f. Anat. u. Physiol. Physiol. Abt. 1898. p. 155167. Die Untersuchungen sind hauptschlich an jungen Exemplaren von Alligator lucius (missisippiensis) angestellt. Die Augen zeigten eine Hypermetropie von 5 bis 7 Dioptrien, zuweilen infolge von Naheaccommodation des Auges geringere Hypermetropie (2 Dioptrien) oder selbst schwache Myopie. Auch ein 2 l /2Jhriger Crocodilus cata- phractus war hypermetropisch (-(- 5). Im Wasser ist die Hypermetropie natrlich noch weit grsser. Die spaltfrmig stark verengbare Pupille wird die Zerstreuungskreise vermindern. Im Gegensatz zur Fischcornea ist die Krokodilcornea sehr regelmig gekrmmt, nicht astigmatisch, ist also geeignet, auch beim Sehen in der Luft scharfe Bilder zu geben. Das Alligator- Auge besitzt ein retinales Tapetum (wie manche Fische) im oberen Teil des Auges. Es ist durch Einlagerung von Guanin in die Pigmentepithelzellen gebildet. Auch in den Hautschuppen von Alligator findet sich Guanin. Im Alligatorauge wie in den mit Retinaltapetum versehenen Fischaugen ist eine Pigmentwanderung auch in den guaninfreien Pigmentzellen nicht zu beobachten. Der violettrote Sehpurpur ist auf dem weissen Tapetum gut sichtbar. Er ist in deutlich ausgebildeten Stbchen enthalten, und bleicht am Tageslicht schnell, ohne eine Zwischenstufe von Sehgelb". Ob der Sehpurpur hinsichtlich seiner lichtabsorbierenden Eigenschaften dem der Fische oder dem der brigen Wirbeltiere gleicht, liess sich wegen der geringen verfgbaren Menge nicht bestimmen. Formol zerstrte den Sehpurpur nicht, machte ihn aber auch nicht lichtbestndiger. Der Sehpurpur und seine Ausbleichung durch Licht lsst sich auch ophthalmoskopisch demonstrieren. Die Regeneration des aus- Nr. 170171. 109 gebleichten Sehpurpurs ist wie bei anderen Tieren auch nach dem Tode des Tieres mglich. Ein farbiges Bild des Augenhintergrundes von Alligator ist der Abhandlung beigefgt. W. A. Nagel (Freiburg i. Br.). 172 Phisalix, C, Antagonisme entre le venin des Vespidae et celui de lavipere: lepremier Vaccine contre 1 e second. In: Compt. rend. Acad. Sc. Paris. T. 125. 1897. p. 977979. Das Gift der Vespiden, durch Maceration der Tiere in Glycerin gewonnen, schtzt Meerschweinchen auf mehrere Tage oder Wochen gegen die Wirkung einer nachtrglichen Einspritzung von Vipergift. Werden beide Substanzen gleichzeitig eingespritzt, so ist die ttliche Wirkung des Vipergiftes etwas verzgert. Der immunisierende Stoff kann kein Eiweissstoff sein, denn er vertrgt die Erhitzung auf 120. Auch ist es kein Alkaloid. W. A. Nagel (Freiburg i. Br.). 173 Phisalix, C, La Cholesterine et les sels biliaires vaccins chimiques du venin de vipere. In: Compt. rend. Acad. Sc. Paris. T. 125. 1897. p. 10531055. Cholesterin und die gallensauren Salze vernichten, wie auch die gesamte Galle, die Giftwirkimg des Vipergiftes. Erhitzen auf 120 nimmt ihnen diese Fhigkeit. Bei vorheriger Einspritzung immuni- sieren sie einigermaen gegen das Vipergift, Cholesterin auch bei nachtrglicher Einspritzung. W. A. Nagel (Freiburg i. Br.). Aves. L74 Helms, O., Ornit ho logiske Jagttagelser fra det nordlige Atl anter ha v. In: Videnskab. Meddel. Naturhist. Foren. Kjben- havn. 1897. p. 216236. Beobachtungen, die vom Verf. auf vier Reisen zwischen Dne- mark und Grnland angestellt sind, mit Beobachtungen anderer ver- vollstndigt; nebst Verzeichnis und verschiedenen Bemerkungen ber diese Vgel. ber den offenen Ocean tindet kaum ein regelmiger Zug von Landvgeln" (d. h. aller Ordnungen mit Ausnahme der Schwimmvgel) statt; es kommen nur- vereinzelte Exemplare vor, die aus ihrem Kurs durch ungnstige Witterungsverhltnisse ge- zwungen, die Schiffe fr kurze Dauer als Ruheplatz aufsuchen; auf offenem Meere sind am hufigsten Pledrophanes nivalis und Saxicola oenanthe ; letzterer ist wahrscheinlich der einzigste Singvogel, der von Europa nach (West-) Grnland kommt; in der Davisstrasse dagegen begegnet man bisweilen grossen Scharen von Zugvgeln. Die Schwimm- vgel sind natrlich bei weitem die hufigsten, sowohl an Zahl der Nr. 171174. 110 Arten, wie der Individuen; Verf. teilt sie in Ocenvgel und Ksten- vgel; alle Anatidae und Steganopodes sind Kstenvgel ; von Laridae ist Bissa tridactyla als Oceanvogel besonders hervortretend , ferner von Procellaridae Fulmarus glacialis, Pufnus- und Procellaria- Arten, sowie zum Teil die Farn. Aleidae. In grossen Zgen sind die Vgel etwa folgendermaen verteilt: im Skagerak und in der stlichen Nord- see werden Vgel recht zahlreich angetroffen; auf der Nordsee nimmt die Zahl ab, um wieder gegen die Inseln N. von Schottland zu steigen; von hier westlich bis ca. 15 w. L. findet man die grsste Menge, wenigstens was Arten betrifft; weiter westlich sinkt die Zahl immer; die wenigsten Vgel werden berhaupt zwischen 20 und 35 w. L. angetroffen ; in der Nhe von Kap Farvel steigt die Zahl wieder, um in der sdlichen Davisstrasse pltzlich stark zu wachsen. Die grsste Zahl der Arten und Individuen kommt im April Mai vor, die ge- ringste Zahl in den Sommermonaten Juli August. Fr Dezember Mrz fehlen Beobachtungen fast vllig. H. F. E. Jungersen (Kopenhagen). 175 Winge, H., Fugle ne ved de dan s ke Fyr 1895. 13 de Aarsberetning om danske Fugle. In: Videnskab. Meddel. Naturbist. Foren. Kjbenhavn for 1896. p. 65 117. Mit einer Karte Jahresbericht ber die Vgel, die an den dnischen Leuchttrmen gefallen oder beobachtet sind. Von 30 dnischen Leuchtfeuern wurden 1895 zum Zool. Museum 451 Vgel von 51 Specie.s, whrend der Zugzeit Nachts gefallen, einge- sandt. Im ganzen waren ber 800 Stck gefallen. Zwei {Gallinula chloropus und Columba oenas) waren in den neun frheren Jahren nicht gefallen. Zugleich Be- obachtungen des Verf.'s und anderer ber den Zug verschiedener Vgel. Von ungewhnlichen Fllen wird notiert : ein Milvus migrans (niger) (in Dnemark sehr selten) vom Verf. bei Kopenhagen beobachtet; eine ausserordentlich grosse Durch- wanderung von Garrulus glandarius. Auf den Farern (Nols) wurde eine fr diese Inseln neue Species, Oircus cyaneus, erlegt. H. F. E. Jungersen (Kopenhagen). 176 Winge, H., Fuglene ved de danske Fyr 1896. 14de Aarsberetning om danske Fugle. In: Videnskab. Meddel. Naturhist. Foren. Kjbenhavn for D>97. p. 237 310. Mit einer Karte. 1896 wurden von 35 Leuchttrmen 1048 Vgel, 65 Spec. eingesandt; im ganzen weit ber 3250 Vgel gefallen. Von den Farern ausserdem drei Vgel (2 Sp.); 11 Stck waren gefallen. Vier Arten (Falco tinnuncuhts, Nyciale ftinerea, Phyllo- pneusles superciliosus und Luscinia philomela) sind nicht in den zehn vorhergehenden Jahren gefallen. In den letzten elf Jahren sind im ganzen 134 Sp. gefallen. hnliche Beobachtungen ber den Vogelzug wie im vorigen Jahresbericht. Von seltenen Ereignissen wurden notiert: Nyciale funerea erschien ziemlich hufig; ein Cypselus melba ward im nrdlichsten Jtland erlegt, ein Coracias garrulus auf Seeland; Oriolus galbula trat in mehreren Exemplaren (auch nestbauend) im sd- lichsten Seeland auf; Phyllopneustes stiperciliosus, eine sibirische Art, neu fr Dne- - Nr. 174-176. in mark; eine Locustella nnevia (zum erstenmal 1893 in Dnemark gefallen); eine Praticola rubicola im sdlichen Jtland erlegt. H. F. E. Jungersen (Kopenhagen). Winge, H., Fuglene ved de danske Fyr 1897. 15de Aarsberetning om danske Fugle. In: Videnskab. Meddel. Naturhist. Foren. Kjbenhavn for 1898. p. 431488. Mit einer Karte. 1897 wurden von 30 Leuchttrmen 611 Vgel, 59 Sp., eingesandt; im ganzen weit ber 900 Vgel gefallen. 2 Sp. (Hirundo riparia, Chrysomitns spinus) sind nicht in den 11 frheren Jahren gefallen. In den letzten 12 Jahren sind im ganzen 136 Sp. gefallen. Von seltenen Vgeln wurden beobachtet oder erlegt: Phalaropus fulicarius , Falco gyrfalco , Coracia.s- garrulus , Ruticilla titys. Cypselus apiis wurde aussergewhnlich spt, noch am 15. Oktober, beobachtet. Auf den Farern wurden zum erstenmale Fringilla coelebs und Fr. citrinella beobachtet. H. F. E. Jungersen (Kopenhagen). Mammalia. Rosenthal, J., ber die Sauerstoffaufnahme und den Sauer- stoff verbrauch der Sugetiere. (Verb. d. Berliner physiol. Ges.) In: Arch. f. Anat. u. Physiol. Physiol. Abteilung. 1898. p. 271281. Verf. hat Respirationsversuche an Hunden und Katzen nach einem neuen Verfahren angestellt, dessen Hauptziel war, die gesamte durch den Respirationsapparat gehende Luftmenge zu analysieren und doch den Apparat krftig zu ventilieren, also die Vorzge des Regnaul t- Reiset 'sehen und des Vo i t-P et tenkofer 'sehen Ver- fahrens zu vereinigen. Die bei der Atmung produzierte Wassermenge wurde in einer vor und nach dem Versuche gewogenen Schwefel- sureflasche, die Kohlensure in Kaliflaschen absorbiert. Durch eine krftig wirkende Quecksilberpumpe wurde reichlich reiner Sauerstoff in gemessener Menge durch den Apparat gesogen. Die Luftzusammen- setzung im Apparat konnte durch eine besondere eudiometrische Vor- richtung whrend des Versuches bestimmt werden. Aus zahlreichen Versuchen an einem 4300 g schweren Hunde ergab sich als Mittelwert des Sauerstoffverbrauches pro Stunde 2,577 Liter. Versuche mit vermehrtem und vermindertem Sauer- stoffgehalt der Atmimgsluft ergaben, dass der Sauerstoffverbrauch bei abnehmendem Sauerstoffgehalt sinkt, bei zunehmendem Gehalt steigt. Bleibt der vermehrte oder verminderte Sauerstoffgehalt be- stehen, so gleichen sich die Unterschiede wieder aus, ja sie knnen sich sogar umkehren. Die C0 2 -Menge bleibt trotz wechselnder Sauer- stoffzufuhr ohne wesentliche nderung. Es wird also der berschuss an zugefhrtem Sauerstoff bis zu einem gewissen Mae intracellulr aufgespeichert. W. A. Nagel (Freiburg i. Br.). Nr. 176-178. - 112 179 Collett, R., Synotus barbaslellus (Schreb.), og Phoca foetida nye for Norges Fauna. In: Arch. Math. Naturv. 19. Bd. No. 6. 1897. p. 17. Die oben genannte Fledermaus-Art. die in Sd- und Mittel-Europa mit Eng- land und Dnemark (Seeland, selten). Nord -Afrika und Arabien vorkommt, war bisher auf der skandinavischen Halbinsel nur vom sdlichsten Schweden bekannt, ward April 1896 in der Gegend von Christiania erlegt; die Art fliegt ungewhn- lich frh, noch whrend der Schnee tief liegt und geht in den Alpen der Schweiz bis 1500 m . d. Meer. Phoca foetida ward im Jahr 1882 und 1895 im Varanger Fjord erlegt; wahr- scheinlich tritt diese Art daselbst jedes Jahr auf im Winter und Frhling whrend der Dorsch-Fischereien; auch im Drontheimsfjord soll diese Art erlegt worden sein. Sie hat eine sehr weite geographische Ausbreitung den arktischen Ksten entlang und kommt bekanntlich auch in der Bottnischen Bucht, im Ladoga-, Onega-. Saimen-See als Reliktenform der Glacialzeit vor. Im Kattegat scheint sie nicht vorzukommen und sie ist nimmer an der Westkste Schwedens oder des sdlichen Norwegens angetroffen. H. F. E. Jungersen (Kopenhagen). 180 Greve, C. , Die geog r ap h i sehe Verb reit ung der jetzt lebende nSirenia, nebst einer bersicht der ausgestorbenen Arten. In: Zool. Garten. XXXVIII. 1897. p 51-60. Die ltesten Sirenenformen stammen aus dem E o c n Amerikas, Afrikas und Europas; fnf Formen: Proratomus sirenoides, Hemicaulodon effodiens, Eotherium aegyptiacum, Manatus coulombi, Ilalitherium dubium. Aus dem Oligocn Europas drei Arten : Halitherium schinzi, H. fossile, Manatherium delheidi. Das M i o c n liefert in den drei oben genannten Erdteilen 16 Species: Halitherium schinzi, H. fossile, II. beaumonti, H. guettardi, H bellunense, H. anguslifrons, H. curvidens, H. veronense, H. cuvieri, H. sp. ?, H. brocchi, H. sp. ? Diplotherium manigaulti, Manatus inornatus, Pachyaeanthus trachyspondylus, Trachytherium raulini. Dem P 1 i o c n gehren sieben Arten an aus Europa, zwei aus Amerika, eine aus Australien : Halitherium serresi, H. cauhami. Felsinotheriitm foreslii, F. gervaisi, Crassitheriinn robustum, Chronozoum australc, Chirotherium subappenninum , Manatus inornatus, M. antiquus, Rhytinodas capyrondi. Das Postpliocn weist eine Art fr Asien auf, die erst zu Anfang dieses Jahrhunderts ausgerottet ist: Rhytina gigas Zimm. Zum Genus Manatus gehrt: Manatus americanus Albers an der Ostkste Amerikas von Florida sdlich und auch um die Inseln Mittelamerikas. Manatus inunguis Natterer im Stromsystem des Amazonas, des San Francisco und Orinoco. Manatus senegalensis Desm. an der Westafrikanischen Kste vom Senegal bis zum Guinea- busen und in allen dortigen Flssen Die Manati des Tshadsee-Gebietes wurden als M. vogeli beschrieben. M. simia existierte nur in der Einbildungskraft Illiger's. Zum Genus Hacore Illig. gehrt: IL dugong von Ceylon an stlich an den Ge- staden bis nach den Carolinen und Philippinen. Var. 1, H. tabernaculi Ruepp. an der nrdlichen Ostkste Afrikas und im Roten Meere. Var. 2, II. australis Owen an den stlichen und sdlichen Ksten Australiens. Zum Genus Rhytina gehrt Rh. gigas\ einst bei den Beringsinsein. B. Langkavel (Hamburg). Nr. 179-180. Zoologisches Centralblatt unter Mitwirkung von Professor Dr. O. Btschli und Professor Dr. B. Hatschek iQ Heidelberg ._. 8 , in Wien herausgegeben von Dr. A. Schuberg a. o. Professor in Heidelberg. Verlag- von Wilhelm Engelmann in Leipzig. VI. Jahrg. ^Mrz 1899. ~l$ nach dem Ausland. Referate. Vergleichende Morphologie, Physiologie und Biologie. Ackermann, K., Thierbastarde. Zusammenstellung der bis- herigen Beobachtungen ber Bastardirung im Thierreich nebstLitteraturnachweisen. I.Theil: Die wirbellosen Thiere; IL Theil: Die Wirbel thiere. Kassel. (Selbstverlag). 1898. 8. Theil I/II Mk. 3.20. 22 p. und 80 p. Der Verf., welcher selbst ausgedehnte Kreuzungszuchtversuche bei Vgeln angestellt hat, beabsichtigt, eine mglichst vollstndige Zu- sammenstellung aller bisher bekannt gewordenen Bastarde mit genauer Quellenangabe zu liefern; auch die bekannten fabelhaften Produkte (wie zwischen Kaninchen und Haushuhn, Kater und Hsin) finden Erwhnung. Das nach systematischen Gruppen (bei den Echinodermen beginnend) angeordnete Verzeichnis drfte fr den Zchter von Bastardierungen ein beraus wertvoller und angenehmer Wegweiser durch die betreffende Litteratur sein. Auf p. 11, I. Teil muss es heissen: IV. Crustacea. B. Nldeke (Strassburg i. K). Babor, J. Fl., Ein Beitrag zur Geschlechtsmetamorphose. In: Verh. k. k. zool. bot. Ges. Wien. 1898. 3 p. Die von Babor 1894 als Cyklus der Geschlechtsentwickelung" bezeichnete Erscheinung ist bis jetzt in folgenden Fllen beobachtet worden : bei den Cymothoiden, Apus, Stichostemma, Myzostomen und Myxine ; wir haben bei diesen Tieren eine ber das hermaphroditische Stadium hinausgehende Succession der Geschlechter, d. h. zuerst eine Eingeschlechtlichkeit, dann eine Zwittrigkeit, darauf eine zweite (andersgeschlechtliche) Eingeschlechtlichkeit. Diese Succession kann sich aber noch weiter fortsetzen, indem nach einer zweiten Zwittrig- Zoolog. Centi-albl. VI. Jahrg. _ aj,. 101 igg 10 114 keit die erste Eingeschlechtlichkeit wieder auftritt, ein Fall den Babor bei Limax maximus beobachtete. Babor nimmt fr diesen successiven Hermaphroditismus unter Aufgabe seines Ausdrucks Cyklus" die Wheeler'sche Bezeichnung Dichogamie" an. Da nun auch aus- nahmsweise bei getrennt geschlechtlichen Tieren in der Gonade ver- einzelte Elemente des anderen Geschlechts gefunden werden sei es als Beginn, sei es als Reminiscenz eines echten Hermaphroditis- mus , so kann man ganz allgemein dem indifferenten Keimepithel die Fhigkeit zuschreiben, beiderlei Geschlechtszellen nach einander zu liefern. Auch fr den Menschen glaubt Babor im Alter eine erneute Keimperiode in den Geschlechtsorganen annehmen zu drfen, denn er giebt an, in den Hoden eines 63jhrigen Mannes neben De- generation im Epithel der Samenkanlchen reife Spermatozoen sowie eine Wucherung und Neubildung des indifferenten Keimepithels ge- funden zu haben, die an die Pflger- Valentin'schen Schluche erinnert, Zellstrnge wie im ftalen Ovarium aufweist und in der That auch hie und da, mitunter gruppenweise, Primordialeier mit Primitivfollikeln enthlt. Hierin knnte nun nach Babor bei der Abhngigkeit der accessorischen Geschlechtsdrsen vom jeweiligen Zustand der Gonade eine Erklrung der senilen Prostatahypertrophie gefunden werden. B. Nldeke (Strassburg i. E.). 183 Brandes, G., Giebt es im Thierreich assimilirende Gewebe? In: Leopoldina, Heft XXXIV. No. 6. 1898. p. 102106. Bekanntlich kommen bei einer Reibe von Tieren parasitische Algen im Inneren der Gewebe vor, welche in manchen Fllen ganz ausschliesslich die Ernhrung der betreffenden Wirte vermitteln (K. Brandt, Habe rl an dt). Brandes wirft nun die Frage auf, ob die rtselhaften grnen, roten, gelben, braunen und blauschwarzen Pigmente, welche bei Polychaeten, Hirudineen, Gephyreen und Ascidien so hufig im Zusammenhang mit dem Darmepithel oder mit den Blut- gefssen auftreten und die keinesfalls etwas mit den gewhnlichen Pigmentzellen des Tierkrpers zu thun haben", nicht als die wirksamen Bestandteile eines Assimilationsgewebes aufzufassen seien. Seiner Ansicht nach wird es sich wohl durch geeignete Untersuchungen wahrscheinlich machen lassen, dass diese Krper, welche jetzt viel- leicht integrierende Bestandteile der betreffenden Tierzellen geworden sind, stammesgeschichtlich auf einzellige Algen zurckgefhrt werden knnen''. Auch die Ernhrung der reichen Tierwelt auf dem Boden des Oceans soll dadurch der Erklrung nher gerckt werden, dass wir den niederen Tieren der Tiefsee ein auf Algen zurck- zufhrendes Assimilationsgewebe zukommen lassen, welches aus der Nr. 182183. 115 Kohlensure Sauerstoff' und Kohlenhydrate und aus letzteren durch Aufnahme der ntigen Salze wiederum stickstoffhaltige Verbindungen bildet. Nach Brandes soll diese Hypothese der Prfung wrdig sein. B. Nldeke (Strassburg i. E.) u Thilo, O., I. Die Krp erf o r men der Fische und Seesugeth iere. II. Die Grssenverhltnisse zwischen Mnnchen und Weibchen im Thierreiche. In: Sammlung gemeinverstndl. wissenschaftl. Vortrge, herausgeg. v. R Vi r cho w. Heft 301. Hamburg. (Verlagsanstalt und Druckerei). 1898. 20 p. 1 Taf. Mk. .75. Verf. weist im ersten Aufsatz darauf hin, wie zwischen usserer Krperform und der Lebensweise im Tierreiche hufig ein urschlicher Zusammenhang besteht, und sucht im zweiten einige Grnde dafr anzugeben, dass bei den einen Tier- gruppen die in der Regel grsser, bei den anderen kleiner als die rf seien. Die Vortrge, die in leichtem Causerieton gehalten sind, verlangen keine ein- gehendere Besprechung. B. Nldeke (Strassburg i. E.). Trouessart, E., Sur la cause de l'arret des fonctions geni- tales que presentent certains animaux pendant l'hiver. In: Compt. rend. Soc. Biol. Paris. (10). T. V. 1898. p. 5759. Bei manchen Tieren (Reh, Fledermusen, Nattern) beginnt be- kanntlich die Ovulation trotz sptherbstlicher Begattung erst im Frh- jahr. Wie Trouessart nun annehmen zu drfen glaubt, htten diese Tiere, welche alle bereits unserer Tertirfauna angehrt haben, in dem milden Klima des Tertirs zweimal im Jahre geworfen, und jene Thatsache liesse sich daher als ein Zeichen unvollkommener Acclimatisation an den Wechsel der Jahreszeiten, welcher jetzt im mittleren Europa herrscht, auffassen. B. Nldeke (Strassburg i. E.). Faunistik und Tiergeographie. Blane, H., Le Plankton nocturne du lac Lern an. In: Bull. Soc. vaud. sc, nat. Vol. XXXIV. 1898. p. 225-230. pl. II. Eine Reihe von Fngen ergab, dass das Plankton im Genfersee Nachts sehr viel massenhafter an der Oberflche auftritt, als whrend des Tages. Aber auch die Gesamtquantitt des Nachtplanktons soll bedeutend betrchtlicher sein. Diese Verhltnisse sollen, nach Blanc, bedingt werden durch vertikale Wanderungen, durch aus- giebige nchtliche Vermehrung gewisser Organismen, wie Ceratium hirundinella. und durch die hauptschlich Nachts stattfindende Ver- wandlung der Copepodennauplii in ausgewachsene Tiere. Im Genfer- see erscheinen zuerst die Copepoden und erst spter die Cladoceren an der Oberflche, welche von 11 Uhr Nachts an die strkste Be- vlkerung aufweist. F. Zschokke (Basel). Nr. 183-186. 10* 116 Coelenterata. 187 Hicksou, S. J., On tbe species of the genus Mlepora. In: Proc. Zool. Soc. London 1898. p. 246257. Die Unzulnglichkeit der Speciesbestimmung wird bei den Madreporariern, wie berhaupt bei den Coelenteraten, um so drcken- der, je mehr Formen bekannt und je besser dieselben untersucht werden. Wrde die Entwickelungsgeschichte zeigen, dass der Embryo einer Art A sich in eine Form umwandelt, welche bisher als Art B bekannt war, so wrde man mit Recht annehmen, dass A und B ein und dieselbe Species darstellen ; da uns jedoch derartige Erfahrungen fehlen, sind wir darauf verwiesen, die Weichteile und das Skelet eines Madreporariers grndlich zu studieren, um daraus den Schluss zu ziehen, ob in der Natur solche Umwandlungen einer Art in die andere thatschlich vorkommen. Findet man Polypen oder Geschlechts- organe einer Korallenspecies von einer Wachstumsart wesentlich verschieden von der einer anderen Species, so hat man es mit keiner Umwandlung zu thun und die beiden, auf den Bau des Skelets be- grndeten Formen sind sicher gute Species ; zwei im Skelet ver- schiedene Arten sind aber nicht als gut zu betrachten, wenn die Polypen, Geschlechtsorgane oder andere Merkmale bei ihnen gleich gestaltet sind. Die Gatt. Mlepora steht unter den lebenden Korallen ganz isoliert. Sie ist auf der Erde weit verbreitet und hat ungemein wechselnde Formen; die Schwierigkeit, ihre Species zu defi- nieren und zu beschreiben, hat sich sehr bald geltend gemacht. Mit Ausschluss der von frheren Autoren irrtmlich als M. beschriebenen Formen sind jetzt 39 Jf.-Species bekannt, zu deren Definierimg als Merkmale bentzt werden: die Gestalt des Skelets, die Grsse der Poren, der Grad der Isolierung der Polypenkreise, die An- oder Ab- wesenheit der Ampullen und die Textur der Skeletoberflche. Die Gestalt des Skelets hngt sehr stark von dem Orte des Ansatzes ab. Auf einem breiten Stcke eines toten Korallenskelets wird ein M.- Fmbryo zu einem blttrigen Stocke mit breiter Basis anwachsen, auf einem kleinen Steine dagegen zu einem verzweigten Stocke; der durch benachbarte Korallen beschrnkte Raum, die Nahrungszufuhr, die Tiefe und Beschaffenheit des Wassers werden die Wachstums- weise der M. stark beeinflussen. Die Grsse der Poren variiert zwischen 0,3 und 0,2 mm, die grsseren finden sich fast immer bei Formen mit dicken Lamellen, die kleineren bei mehr schlanken Stcken, ihre Unverwendbarkeit fr die Speciesunterscheidung erhellt aber schon daraus, dass die Porengrsse an einem Stocke selbst wechselt je nach der Lage eines Zweiges oder einer Platte. Die Polypenkreise werden an jenen Stcken deutlich, welche sich in un- Nr. 187. 117 gnstigen Lebensverhltnissen befinden; in gnstigen Verhltnissen entstehen die Polypen so zahlreich, dass ihre Kreise verwischt werden. Die Ampullen linden sich wahrscheinlich bei jeder 31., im Zustande geschlechtlicher Thtigkeit. Die Obernchenzeiehnung, wie Warzen. Hcker, Kmme u. s. w. werden sehr wahrscheinlich nur von ver- schiedenen Parasiten oder anderen Reizen zuflliger Art hervorge- bracht und knnen schwer specifischen Wert haben; hufig zeigt eine Seite einer Lamelle eine Textur, die sich auf der anderen nicht findet. Auch die durchschnittliche Zahl der je eine Gastropore um- gebenden Dactyloporen kann kein specifisches Merkmal abgeben, weil sie bei allen M. -Arten ungefhr sechs betrgt. Die Weich- teile der ilf.-Arten es wurden deren vom Verf. viele untersucht haben berall den gleichen Bau. Die Gastro- und Dactylozooide differieren wohl etwas in der Grsse, indem sie an den wachsenden Pindern kleiner sind, wie an der Basis, dies gilt jedoch fr alle Arten ; das Kanalsystem hat berall denselben Bau : zahlreiche 31. sind bekannt wegen ihrer nesselnden Eigenschaften, bei allen finden sich die bekannten zwei, durch ihre Grsse unterschiedenen Nessel- zellenarten. Von grosser Wichtigkeit wre die Kenntnis der Ge- schlechtsorgane als Merkmale fr die Speciesunterscheidung, welche indes noch sehr mangelhaft ist; die wenigen, bisher vorliegenden Befunde zeigen, dass die, nach der Einwanderung von mnnlichen Geschlechtszellen zu Medusen sich umwandelnden Dactylozooide und die Ampullen, in welchen jene entstehen, bei verschiedenen Jf.-Formen ganz gleich gestaltet sind; die Medusen scheinen sehr selten zur Ausbildung zu kommen, weshalb man so wenig ilf.-Stcke mit Am- pullen findet. Aus seinen L^ntersuchungen glaubt Verf. schliessen zu mssen, dass es nur eine Species von 31. gibt und diese muss aus Priorittsgrnden 31. alcicornis heissen. Es ist abzuwarten, ob nicht noch Merkmale entdeckt werden, welche uns in den Stand setzen, mehr als eine Species zu unterscheiden; der Embryo einer Form a wird, unter Voraussetzung einer gewissen Plasticitt, bei verschiedenen usseren Bedingungen sich in eine Koralle umwandeln, welche den Formen b, c oder d vollkommen gleicht ; das Vorhanden- sein einer solchen Plasticitt ward aber immer wahrscheinlicher, je umfangreicher die Jtf.-Sammlungen werden. Nach den heutigen An- schauungen ist es unrichtig, verschiedene Wachstumsformen und ver- schiedene Typen als Species zu gruppieren. Es wre allerdings ver- frht, diese Beobachtungen auch schon auf andere Korallengattungen auszudehnen; indes hat Verf. doch schon die Vermutung ausge- sprochen, dass auch die Alcyonarie Tubipora und die Hydrokoralle Distichopora nur je eine einzige Species darstellen. Die Kenntnis Nr. 187. 118 - der Weichteile von Madrepora und anderer Genera der Zoantharier ist noch sehr unvollstndig und es wre nicht unmglich, dass ein- mal eine betrchtliche Reduktion der Species von Madrepora ntig wird ; diese hat, wie Millepora, eine weite Verbreitung in den tropischen Seichtwssern und auch ihre Skelete zeigen ausserordentliche Varia- bilitt, ihre Species sind derzeit ausschliesslich auf Skeletmerkmalen basiert. Die Klassifikation dieser Gattung muss solange als unzu- reichend betrachtet werden, bis die Anatomie der Polypen der einzelnen Varietten bedeutend besser bekannt wird. A. von Heider (Graz). 188 Agassiz, A., The tertiary elevated limestone reefs ofFiji. In: Amer. Journ. Science (5) Vol. 6. 1898. p. 165-167. Die auf der Insel Wailangilala veranstaltete Bohrung erreichte eine Tiefe von nur 85 Fuss (26 m) ; die ersten 40 Fuss (12 m) gingen durch Korallensand, dann folgte jener Kalkstein, wie er auf zahl- reichen Inseln in ganz gleicher Weise fr die gehobenen Riffe charak- teristisch ist. Diese erreichen an verschiedenen Stellen eine Hhe von ber 1000 Fuss (300 m) und haben vulkanischen Fels als Unter- lage. Die tertiren Korallenkalke der Fidschi-Inseln spielen in keiner Weise eine Rolle bei der Bildung der jetzigen, von Korallenriffen umgebenen Atolle oder Inseln, es sei denn, dass sie ebenso, wie vulkanisches Gestein, fr die in dnner Kruste sich darauf ansiedeln- den recenten Korallen eine Unterlage bilden. Die jetzigen Riffe und ihre tertire Unterlage wurden bisher immer als uniforme Riffe von grosser Dicke betrachtet und die Mglichkeit eines Altersunterschiedes zwischen der oberen und unteren Schichte gar nicht in Rechnung gezogen; Bohrungen auf Honolulu zeigten bis zu einer Tiefe von 80 Fuss (24,4 m) allerdings nur recente Korallen, dann aber bis ber 3000 Fuss (915 m) Tiefe einen, zum grssten Teile aus Mollusken- schalen und nur wenig Korallen bestehenden Kalkstein. Sein Alter konnte nicht bestimmt werden, jedenfalls gehrt er nicht der gegen- wrtigen Periode an. Die Schwierigkeit der Bestimmung des Alters der Unterlage und der Grenze zwischen dieser und den darauf ge- bauten recenten Korallen fhrt zu Trugschlssen; Bohrungen auf Koralleninseln werden die Lsung der Frage ber die Bildung von Atollen nicht frdern und immer nur ber die Dicke des Unter- grundes Aufschluss geben. Unter welchen Umstnden dieser im Tertir abgelagert wurde und ob die Atolle in der Gegenwart infolge von Senkung des Grundes und Aufwrtswachsen der Korallen gebildet wurden, das sind zwei ganz verschiedene Fragen. A. von Heider (Graz). Nr. 187-188. 119 Ashworth, J. H., The Stomodaeura, M es enteric Filaments and Endoderm of Xenia. In: Proc. R. Soc. London. 1898. Vol. 63. p. 443440. Figg. Die Polypen einer Xenia sp.? von Celebes zeigten, bei sonst unverndertem Alcyonarienbau, Abwesenheit der Filamente an den vier lateralen und zwei ventralen Mesenterien, dagegen im ganzen Bereiche des Schlundrohres, mit Ausnahme der Siphonoglyphe, becher- frmige Drsenzellen; die Filamente der beiden dorsalen Mesenterien waren gebaut wie bei Alcyonium. Hier sind die mit den Filamenten den Mesenterien fehlenden Drsenzellen, welche die Verdauungs- tlssigkeit abzusondern haben, durch die Drsenzellen im Stomodaeum ersetzt. Whrend sonst die Siphonozooide der Pennatuliden, welchen regelmig die lateralen und ventralen Filamente fehlen, durch die Autozooide (Nhrpolypen) ernhrt werden, wird bei dieser X. das Verdauungssecret von Zellen geliefert, welche im Ectoderm des Schlund- rohres liegen, resp. von diesem abstammen, wogegen normalerweise das Entoderm ausschliesslich die verdauenden Zellen erzeugt. Die die Leibeshhle und die Tentakel auskleidenden Entodermzellen haben ein netzartiges Protoplasma und zeigen hufig an ihrem freien Ende einen schlanken, feingranulierten pseudopodiumartigen Fortsatz, der die Zelle selbst um das 4 8fache an Lnge bertrifft und frei in die Leibeshhle des Polypen ragt. A. von Heider (Graz). Gardiner, J. St., Collections of Corals of the family Pocilloporidae from the S. W. Pacific Ocean. In: Proc. Zool. Soc. London. 1897. p. 941953. Taf. 56-57. Die gesammelten Korallen stammen von den Elice-, Fidschi- und Loyality- Inseln; es sind 20 Pocillopora-Arten, darunter fnf neue, und vier Seriatopora' Arten. Die zum Vergleich herangezogenen zahlreichen Arten von P. des British Museum zeigen wohl eine geschlossene Reihe von /'. acuta bis P madreporacea, indes erscheint eine Abteilung in Subgenera auf Grund von besonderen Merk- malen unthunlich; ferner hat die mikroskopische Untersuchung von, in der jetzigen Einteilung so weit von einander entfernten Arten , wie F. suffrulicosa, P. favosa und P. grandis keine wesentlichen Unterschiede ergehen und Verf. ist geneigt, alle sog. Species als Varietten einer einzigen Art mit den Merkmalen der ganzen Gattung anzusehen. Die Stcke von P. wachsen stark dem Lichte zu und die Unterseite vieler Kolonien ist vllig frei von Warzen; letztere fehlen auch bei Formen, wie P. grandis , an den Zweigspitzen, was daher rhrt, dass dieselben zur Ebbezeit in die Luft ragen und infolge dessen nicht weiter wachsen, sondern sich nur verdicken. Neu sind P. septata, P. rugom, P. glomerata von Funafuti, P. obtusata von den Loyalityinseln und P. coronata von Rotuma. P. favosa Klunz. drfte eine andere Species sein, wie P. favosa Ehrenb. P. aspera, 1\ danae, P. ligulata und P. plicata weisen so wenig specifische Unterschiede auf dass sie zu einer Art mit drei Varietten vereint werden, P. nobilis Verr. drfte aus dem gleichen Grunde in P. verrucosa E. und S. aufgehen. Auch P. elongata, P. elegans und P. eydouxi mssen als Arten verschwinden und sind Varietten Nr. 189190 1 20 von P. grandis Dana. P. r/lomerata n. sp. scheint die Verbindung mit der miocnen /'. madreporacea Lamark herzustellen. Auf einer, vor 22 Monaten im Hafen von Levuka versenkten Kette waren zwei Kolonien von P. aspera, var. danae gewachsen, eine wog 41, die andere 13 gr. A. von Hei der (Graz). 191 Grardiner, J. St., On the per f orate Corals collected by the author in tbeSouthPacific. In: Proc. Zool. Soc. London. 1898. p. 257 276. Taf. 23, 24. Verf. beschreibt 51 Perforaten-Arten aus dem sdlichen stillen Ocean ; hier- von sind 15 neu, deren drei schon von Bern ard ausfhrlich beschrieben wurden. Madrepora crateriformis n. sp. hnelt Turbinaria und scheint jener Form nahe zu stehen, von welcher aus sich T. und M. entwickelt haben. M. rotumana n. sp. ist auf den Riffen von Rotuma ungemein hufig und nimmt mit ihren Stcken zuweilen ein Viertel der Oberflche eines Riffes fr sich ein. M. profunda n. sp. zeichnet sich durch sehr tief in das Coenenchym versenkte Kelche aus. 22 weiter angefhrte jl/.-Species sind schon bekannt. Von vier Arten Turbinaria ist eine, /'. schistica, n. sp.; ferner erscheinen vier Astraeopora mit A. tabulata n. sp., neun Montipora mit M. columnaris n. sp., endlich neun Porites, wovon sechs neu sind : i iridis, pi/rpurea, trimurata, umbellifera, superfusa und exilis. A. von Heider (Graz). 192 Gardiner, J. St., On the Fungid Corals collected by the author in the South Pacific. In: Proc. Zool. Soc. London. 1898. p. 525539. Taf. 43-45. Es werden 21 Fungidenspecies beschrieben, 6 davon sind neu: Halomiira irregidaris, Pavonia intermedia, P. calicifcra, Psammocora superficialis, Ps. profundacella und Ps. savignensis. Da in der Ab- grenzung der Kelche untereinander, in der Verbindung der Septen, der Entwicklung der Columella und der Synaptikel Tichoseris nur einen bergang zwischen Pavonia-Arten darstellt, muss die Gattung T. in P. aufgehen. Die grosse hnlichkeit der zur Untersuchung vorgelegenen Exemplare von Maeandroseris, Plesioseris und Coscinaraea untereinander und mit verschiedenen Arten von Psammocora zwingt zu einem Aufgehenlassen dieser drei Gattungen in die Gattung Ps. Bei Ps. bilden sich die Knospen aus dem Mauerblatte des Polypen ber den Septen und erzeugen hier neue Kelchcentren; die Septen sind dann zwischen den neuen und den alten Fossae aufgebaut und durch Synaptikel verbunden, wodurch eine deutliche, schwach per- forierte Mauer gebildet wird. So entstehen durch fortwhrende Knospimg aus dem Mutterpolypen hgelige Erhebungen (ridges), bevor die Mauer Zeit gewinnt, nach aufwrts zu wachsen. A. von Hei der (Graz). Echinodermata. 193 Spandel, Erich, Die Echinodermen des deutschen Zech- Abhandl. naturhist. Gesellsch. Nrnberg. XL Bd. Taf. Nr. 190193. Spandel, Erich, steines. In: 1898. 34 p. 2 - 121 Ausser dem Cyathocrinus ramosus Sehloth. fand Verf. im Zech- stein noch Beste einer zweiten damit verwandten neuen Art, C jischeri, und kommt durch eine nhere Untersuchung beider Formen zu der Ansicht, dass sie aus der Familie der Cyathocriniden entfernt und in die Nhe der Poteriocriniden gestellt werden mssen. In Be- treff des Seeigels Eocidaris heyserlingi Geinitz macht er einige er- gnzende und berichtigende Bemerkungen zu den Angaben von Kolesch, insbesondere ber die Form des Tieres, ber Zahl und Gestalt der Interambulacralplatten, ber die Gestalt der Stacheln und der Stachelwarzen, und glaubt mikroskopisch kleine, von ihm auf- gefundene Skeletstckchen als Teile von Pedicellarien ansprechen zu knnen. Fr die von Etheridge als Holothurien-Kalkkrper gedeuteten und zur Aufstellung des Genus Achistrum bentzten hakenfrmigen Gebilde (vergl. darber meine Bearbeitung der Seewalzen in Bronn's Klassen und Ordnungen, p. 441 442) neigt Verf. mehr zu der An- sicht Ter quem 's, dass es sich in diesen rtselhaften Resten um Astrqphyton-Hakeri handle; er stellt dafr vorlufig die neue Art Astrophyton (?) permianum auf. Ferner hat er anker"- und rdchen- frmige Krperchen im Zechstein angetroffen, die er fr Reste von Synapta- und Chiridota- Arten hlt. Fr die Rdchen errichtet er die neue Art Chiridota geinziana und fr die Anker" die neue Art Prosynapta eiseliana. Die Zahl der Speichen (1014) spricht aber schon gegen die Einordnung in die Gattung Chiridota. Und was die Anker" angeht, so sehen sie doch wesentlich anders aus als wirkliche Syn apta- Anker ; denn sie stellen eine von zwei sym- metrischen Lchern durchbrochene, kurzgestielte Platte dar. Die neueste Litteratur ber fossile Holothurien-Reste scheint brigens dem Verf. unbekannt geblieben zu sein ; namentlich vermisse ich eine Bezugnahme auf die bemerkenswerten Arbeiten von Schlumberger. H. Ludwig (Bonn). Clark, Hubert Lyman, The Ecliinoids and Asteroids of Ja^naica. In: Johns Hopkins Univers. Circulars. Baltimore. Vol. XVIII. No. 137. 1898. p. 46. Grave, Caswell, Notes on theOphiurids collected in Jamaica during June and Juli 1897. Ibid. p. 7-8. Clark giebt auf Grund seiner eigenen Sammlungen eine revidierte Liste det- ail der Kste von Jamaica lebenden Seeigel (13 Arten) und Seesterne (14 Arten). Neue Arten sind nicht darunter. Den kurzen Beschreibungen sind Angaben ber das Vorkommen und z. T. auch ber die Fortpflanzungszeit beigefgt. In hnlicher Weise berichtet Grave ber die daselbst lebenden Ophiuren (14 Arten). H. Ludwig (Bonn). ;96 Cuenot, L., Notes sur les Echinodermes. III. L'herma- Nr. 193196. 122 phrodi tisme pro tan dr ique d' Asterina gibbosa Penn, et ses variations suivant les localites. In: Zool. Anzeig'. 21. Bd. No. 557. 1898. p. 273-279. 3 Textfig. Cuenot besttigt durch neue Beobachtungen die von mir auf Grund meiner Neapeler Befunde bezweifelte Zwitterigkeit der Aderina gibbosa. Der Widerspruch unserer Angaben klrt sich wesentlich dadurch auf, dass die Asterina sich je nach der Lokalitt ihres Vor- kommens in ihrer Geschlechtsfunktion verschieden verhlt. Bei Roseoff produzieren die Tiere bei halbwchsiger Grsse nur Samen und zwar, wie es scheint, nur in einer einzigen Brutperiode, um dann bei weiterem Wachstum nur noch als Weibchen zu funktionieren. Bei Banyuls zieht sich die Produktion mnnlicher Geschlechtspro- dukte seitens der jngeren Individuen durch mehrere Brutperioden hindurch, um dann erst der nun fr das ganze sptere Leben des Tieres platzgreifenden Produktion von Eiern zu weichen. Bei Neapel aber ist es zur Regel geworden, dass in der Jugend wie im Alter die einen Individuen nur Samen, die anderen nur Eier liefern, sich also thatschlich eine Getrenntgeschlechtlichkeit ausgebildet hat. In- dessen fand Cuenot doch auch unter seinen Exemplaren von Neapel einzelne Zwitter, bei denen die Geschlechtsschluche beiderlei Ge- schlechtsprodukte enthielten, und schliesst daraus, dass die neapoli- tanische Asterina-llsisse von einer protandrisch-zwitterigen Form abstamme. Die von Mac Bride behauptete Parthenogenese der Asterina wird von Cuenot auf Selbstbefruchtung zwitterig funktio- nierender Individuen zurckgefhrt, wie er solche, wenn auch selten r bei Banyuls und Neapel gefunden hat. H. Ludwig (Bonn). 197 Grave, Caswell, Embryolog y of Ophiocoma echinaia Agassiz; preliminary note. In: Johns Hopkins Univers. Circulars. Bal- timore. Vol. XVIII. No. 137. 1898. p. 67. 6 Textfig. Verf. hat die Embryonalentwicklung von Ophiocoma echinata (von Jamaica) bis zur Ausbildung des Pluteus studiert. Die Blastula schlpft bei Beginn der Mesenchymbildung aus und wird dann durch Invagination zu einer Gastrula, an welcher die Ectodermzellen sich zu einer verdickten Scheitelplatte und zu verdickten Seitenfeldern differenzieren ; unter den letzteren hufen sich Mesenchymzellen an, die mit der Bildung des Larvenskelettes beginnen. Vom Urdarme schnrt sich ein Blasenpaar ab, das durch Teilung zwei rechte und zwei linke Blschen liefert. Das rechte hintere Blschen wird aber rckgebildet und verschwindet, whrend das linke sich weiter ent- Avickelt. Jedes der beiden vorderen Blschen setzt sich durch einen dorsalen Porenkanal mit der Aussenwelt in Verbindung, jedoch geht der rechte Porenkanal spter zu Grunde. H. Ludwig (Bonn). Nr. 196197. - 123 - Vermes. Plathelminthes. Colin, L., Untersuchungen ber das central e Nervensystem der Cestoden. In: Zool. Jahrb. Abtlg. Anat. Ontog. Bd. XII. 1898. p. 89160. Taf. 69. 9 Abbild, im Text, (Siehe Zool. C- Bl. IV. p. 350.) Als centrales Nervensystem der Cestoden betrachtet Verf., im Gegensatz zu Niemec, alle diejenigen Abschnitte, welche die nervse Einheitlichkeit des Bandwurmkrpers bedingen und selbst keine direkten Beziehungen zu irgendwelchen Organen eingehen. Dazu mssen gerechnet werden alle Lngsstmme in Scolex und Strobila. mit den sie verknpfenden Commissuren und dem sie verbindenden unregelmfsigen Netzwerk. Im ersten Abschnitt der Arbeit bespricht Verf. einlsslich den anatomischen Bau des Nervensystems derTaenien, der Bothriocephalen. von SoJenophorus und endlich von Ligula und Schistocephalus. An verschiedenen Beispielen aus der Gruppe der Taenien Cystotaenien. Anoplocephalinen, Davainea, Bipylidium zeigt er, wie die Gestalt und der Bau von Scolex und Proglottiden, sowie die Muskelverteilung den Aufbau des Nervensystems beeintlusst. Von Bothriocephalen standen B. Juans und B. rugosus zur Verfgung. Der zweite Teil der Abhandlung ist der histologischen Betrachtung der Cestodennerven unter vergleichenden Ausblicken nach den Hiru- dineen und Lumbriciden gewidmet, Die Ansichten von Lang und Apthy finden im allgemeinen Besttigung. Nach Cohn 's Angaben setzen sich die Nerven der Cestoden aus folgenden Elementen zu- sammen : 1. Aus einem Werk maschenartig verlaufender Fasern Glia- fasern , die dem allgemeinen Grundgewebe entstammen und ein sttzendes Gerst fr die leitenden Teile des Nerven bilden, 2. aus heller, homogener Substanz, welche die Maschenrume ausfllt, 3. aus den feinen, leitenden, in der Lngsrichtung verlaufenden Primitiv- fasern, welche in die homogene Substanz eingebettet sind. Dazu kommen 4. Ganglienzellen, die in ein- und derselben Species immer ungefhr dieselben Dimensionen besitzen und welche mit den Primitiv- fasern in direktem Zusammenhang stehen und endlich 5. Parenchym- zellen, die sich am Aufbau des maschigen Sttzgewebes beteiligen. Eine Scheide geht den Nerven ab. Im Schlussabschnitt werden die gewonnenen Beobachtungsresultate vergleichend anatomisch verwertet. Fr alle Cestoden lsst sich eine gemeinsame Grundform des centralen Nervensystems nachweisen. Doch findet sich die primitive Nr. 198. 124 Form der Nervenanordnung, welche den Vorfahren aller Bandwrmer eigen war, heute nirgends mehr in reiner Gestalt. Als berrest des ursprnglichen Verhaltens muss das den ganzen Cestodenkrper durch- ziehende nervse Netzwerk betrachtet werden. berall haben sich aus demselben bereits die zwei Hauptlngsnerven, die sich im Scolex vereinigen, herausentwickelt. Das unregelmfsige Netzwerk und die beiden Lngsstmme boten das gemeinsame Material, aus dem inner- halb der Gruppe der Cestoden mehrere Typen des Nervensystems von einander unabhngig entstanden. Die einfachste Differenzierungs- form weist dabei Ligula und SchistocephaJus auf, whrend gewisse Taenien den hchsten Grad der Komplikation erreichen. berall aber haben sich, neben den Hauptlngsstmmen, noch andere Longi- tudinalnerven herausgebildet. Ligula und Schistocephalns nehmen eine vllig isolierte Stellung ein. Ihr Nervensystem ist noch sehr diffus : die Lngsstmme treten in grsserer Zahl als bei anderen Cestoden auf, ohne indessen eine sekundre Differenzierung einzugehen. Bei den bereits hher stehenden Bothriocephalen schrnkt sich die Zahl der Lngsnerven ein. Ausser den beiden Hauptstmmen treten noch vier Paare von Longitudinalnerven auf, welche indessen mit denjenigen der Taenien nicht ohne weiteres homologisiert werden knnen. Die Taenien besitzen ebenfalls zehn Lngsnerven, nmlich: Hauptnerven. Begleitnerven und mediane Stmme. Alle zehn werden von Bingcommissuren umschlossen. Bei den Bothrio- cephalen dagegen bleiben die acht Nebennerven unter sich und, wenigstens dem Ursprung nach, auch den Hauptstmmen gleich- wertig. Solenophorus megalocephalus schliesst sich im Bau des Nerven- systems an die Bothriocephalen an ; die Verwachsung der Sauggruben bedingt indessen in der Nervenanordnung ziemlich weitgehende Modi- fikationen. Am hchsten differenziert sich das Nervensystem der Taenien ; sein allgemeiner Typus erfhrt in den einzelnen Untergruppen Cystotaenien, Anoplocephalinen eine Reihe wichtiger Umbildungen. Die Zehnzahl der nicht mehr gleichwertigen Lngsnerven in Scolex und I'roglottiden ist konstant. Im Scolex verbinden sich die Stmme durch Haupt- und Kreuzungscommissur. Das Collum und die Segmente besitzen das unregelmige Netzwerk oder dessen Derivate; endlich kommen noch Apikaizweige der Hauptnerven und der Median- stmme dazu. Auf die Hauptcommissur, deren verschiedener Bau phylogenetisch Nr. 198. 125 - und durch ungleich weitgehende Anpassung an den Parasitismus erklrt werden kann, folgen zunchst polygonale, aus dem Netzwerk herausgebildete Commissuren. Daran schliesst sich entweder eine kontinuierliche Reihe von Ringcommissuren, welche die zehn Lngs- nerven im Collum und in den Proglottiden verbinden, oder es ent- wickeln sich nur noch wenige Commissuren, die bald durch das unver- nderte, unregelmfsige Netzwerk ersetzt werden. Immer aber gilt der Satz, dass das Nervensystem von Scolex und von Proglottiden denselben Ursprung hat, nmlich das Netzwerk, und dass alle Com- missuren gleichwertig sind, wenn sie sich auch in Folge von An- passung different ausbildeten. Auch die Kreuzcommissur tritt in zwei Formen auf, wovon die ltere den Anoplocephalinen zukommt, welche gleichzeitig durch den phylogenetisch alten Typus der Hauptcommissur gekennzeichnet werden. Oberhalb der Hauptcommissur besitzen alle Taenien, wie auch die tiefer stehenden Cestoden, typische Apikaizweige. Je zwei derselben gehen aus einem Hauptlngsstamm hervor, whrend jeder Medianstrang sich in einen Apikainerv verlngert. Auch die Apikalnerven sind als Differenzierungen des Netzwerkes zu be- trachten. Zu Gunsten des Rostellums bildet sich bei Haken tragenden Taenien ein Rostellarring aus. Dieser sendet nach oben Apikalfasem, welche sich endlich zum Apikalring vereinigen. Den Anoplocephalinen fehlt die eben geschilderte Einrichtung, ihre Apikaizweige endigen nach oben frei. Wie das Verhalten des Nervensystems zeigt, vertritt Anoplocephala perfoliata den primren Zustand von Taenien ohne Rostellum, whrend Taenia saginata das Rostellum sekundr ein- gebsst hat. Taenia strutJiionis nhert sich in Bezug auf die Kreuz- commissur merkwrdigerweise dem Typus der Anoplocephalinen. ber das Nervensystem in den Proglottiden wurde schon frher nach einer vorlufigen Mitteilung referiert (Z. C.-Bl. IV. p. 350). F. Zschokke (Basel). )9 Luhe, M., Oochortica nov. gen. Taeniadarum. In: Zool. Anz. Bd. 21. 1898. p. 650-652. An der Hand eines umfangreichen Materials kommt Verf. zum Schluss, dass die verschiedenen in Eidechsen schmarotzenden Tnien, trotz Unterschieden in Grsse und Habitus, nach ihrem Bau eine einheitliche Gruppe engverwandter Formen darstellen. Besonders weitgehende bereinstimmung spricht sich in Morphologie und Anatomie der Geschlechtsorgane aus. Alle diese Tnien knnen zum neuen Genus Oochoristica zusammengefasst werden, als dessen Typus 0. tuberculata Rud. aus Lacerta spec. zu gelten hat, und das nahe mit der Gattung Panceria Sons, verwandt ist. Generelle Merkmale finden sich im Bau des Scolex, der weder Haken noch ein rudimentres Rostellum, oder einen axialen Muskel- zapfen besitzt, in der randstndigen, unregelmig alternierenden Lage der Nr. 198-199. 12(3 Genitalffnungen und in der sehr rasch eintretenden Rckbildung des Uterus. In den reifen Proglottiden liegen die Eier einzeln im Parenchym zerstreut. Von den in Schlangen parasitierenden Cestoden gehren die meisten dem Genus Ichthyotaenia an. F. Zschokke (Baselj. 200 Massari. G., La Tenia nana. In: Policlinico. Anno V. 1898. p. 8 14. Whrend von Li n stow (Zool. C.-Bl. III. p. 720) die Ansicht aussprach, dass Taenia nana und T. murina specifisch zu trennen seien, kommt Verf. zum Schluss. dass die Verschiedenheiten in Dimensionen und Bau des Krpers, in Struktur und Form der Eier, sowie in der geographischen Verbreitung einer ernsthaften Kritik nicht Stand halten. Beide Formen sind identisch, oder stellen hchstens verschiedene Varietten derselben Species dar. Demgemss wird fr T. nana Entwickelung ohne Zwischenwjrt, wie fr T. murina, angenommen werden mssen. Fr eine solche Auffassung sprechen, ausser dem massenhaften Vor- kommen des Parasiten in ein und demselben Wirt, zahlreiche klinische Befunde. Trotz specieller Nachforschungen konnte bis heute kein Zwischenwirt entdeckt werden. F. Zschokke (Basel). 201 Riggenbach, E.. Cyathocephalus catinatus nov. spec. In: Zool. Anz. Bd. 21. 1898. p. 639. Von der Gattung Cyathocephalus, die durch einen becherfrmigen Scolex sich auszeichnet, fand Riggenbach einen neuen Vertreter, C. catinatus. Er stammt aus Solea vulgaris, whrend die bis jetzt einzig bekannte Art, C. truncatus Kessler, Ssswasserfische bewohnt. Beide Species unterscheiden sich durch die ussere Gestaltung von Scolex und Strobila, durch die Muskulatur des Scolex und durch die Verteilung der Dotterfollikel. F. Zschokke (Basel). 202 Arnold, G., Zur Entwicklungsgeschichte des Lineas gesse- rensis (). F. Mller. (L. obscurus Barrois). In: Trav. Soc. Imp. Nat. St. Petersburg. Vol. 28. Livr. 4. 1898. p. 130. Tat. 1. (Ein- gehende Darstellung russisch, daneben ein ausfhrliches Resume.) Die Desor'sche Larve besitzt, was Arnold zum ersten mal nach- weist, vier Amnionteile, welche denjenigen des Pilidiums entsprechen. Indessen findet keine Verwachsung derselben zu einem Gesamtamnion statt. Die Desorsche Larve zeigt also wohl die Anlagen zu einem Amnion, aber es gelangt nicht zur Ausbildung. Die Anlagen des Amnions verbleiben, nachdem sich die vier Keimscheiben in die Tiefe gesenkt haben, vorerst noch in innigem Zusammenhange mit dem primren Ectoderm ; sobald sie sich von diesem losgelst haben, zerfallen sie auch. Der Verf. besttigt, auf die Genese der Rckenplatte und des Rssels eingehend, H u b r e c h t ' s J ) Resultate. Die Rckenplatte, sowie auch die Anlage des Rssels nehmen durch Delamination vom primren Ectoderm ihren Ursprung. Auch beim Pilidium geht bekanntlich die Anlage *) Hubrecht, A. A. W., Proeve eener Ontwikkelingsgeschiedenis van Lineus obscurus Barr. Utrecht 1885. Nr. 199202. 127 des Rssels aus einer unpaaren Keimplatte hervor. Dieselbe verhlt sich aber ebenso wie die paarigen Keimplatten. Nach Hubrecht soll der Vorderdarm entodermaler Natur sein und der Blastoporus in den Mund der Nemertine bergehen. Arnold gelangte dagegen zu der berzeugung, dass, wie bei der Entvvickelung durch das Pilidium, nur der Mitteldarm (Hinterdarm) vom Entoderm abstammt, der Vorderdarm indessen vom Ectoderm gebildet wird. Der Blastoporus wird durch eine Einstlpung des sekundren Ecto- derms, welche zur Bildung des Vorderdarms fhrt, ins Innere gerckt, schliesst sich vorbergehend in der Desor"schen Larve, bleibt dagegen beim Pilidium stets offen und entspricht in beiden Fllen jener Stelle, wo Vorder- und Mitteldarm aneinander stossen. Der Vorderdarm wird nach Arnold' s Befunden vom sekundren Ectoderm gebildet, indem dasselbe den primren Vorderdarm, d. h. den Oesophagus der Desor'schen Larve umwchst, Arnold ist in seinen Ausfhrungen in diesem Punkte nicht ganz klar, aber da er sagt, dass Barrois im vollen Recht ist, zu behaupten, dass der primre Oesophagus gleich- zeitig mit der Mundverdickung und dem primren Ectoderm abfalle, so kann wohl nur ein Umwachsen und nicht ein Hineinwachsen des sekundren Ectoderms in den primren Oesophagus stattfinden. Die Anlage des Vorderdarms wird zu einer Tasche, welche an ihrem inneren geschlossenen Ende in zwei kleine Scke ausluft. Arnold hegt die Vermutung, dass sie die Anlagen der Nephridien vorstellen. Jene Ausstlpungen des primren Oesophagus, welche Hub recht bei der Desor'schen Larve beschrieb und als Anlagen der Nephridien deutete, hat Arnold vllig vermisst. Bekanntlich sind sie aber beim Pilidium am entsprechenden Orte vorhanden 1 ) und soweit in ihrer Entvvickelung verfolgt worden, dass ihre Deutung als Nephridienanlagen gerechtfertigt erscheint. Whrend nach Hu brecht das Mesoderm an den verschiedensten Orten aus Ectoblast und Entoblast seinen Ursprung nimmt, ist der Bildungsherd desselben nach Arnold ein beschrnkter. Er befindet sich ausschliesslich zu beiden Seiten des Blastoporus dort, wo Ecto- und Entoblast aneinander stossen. Vielleicht tritt innerhalb der beiden Mesodermzellmassen , welche in die Furchungshhle hinein- wuchern, ein Spalt auf, die Anlage einer sekundren Leibeshhle. Der Verf. vermochte diesen Vorgang nicht genau zu verfolgen. Spter bekleideten die Mesodermzellen als einschichtiges Lager den Darm und die Keimscheiben , und es kommt eine derartige voll- ') Brger, 0., Studien zu einer Revision der Entwicklungsgeschichte der Neraertinen. In: Ber. Naturf. Ges. Freiburg. Bd. 8. 1894. Nr. 202. - J 28 stndige Verschmelzung der verschiedenen Mesodermkomplexe zu- stande, dass man von einem somatischen und splanchnischen Blatte reden kann. Die nunmehr berall von einem mesodermalen Epithel ausgekleidete Hhle, aller Wahrscheinlichkeit nach ist es die Furchungshhle, wird namentlich infolge der zunehmenden Ausdeh- nung des Darmes reduziert. Gegen Hubrecht hlt Arnold das Rhynchoclom fr eine sekundre Leibeshhle, welche durch Spaltung jenes Mesodermlagers entstanden ist, das sich der jungen Rsselein- stlpung anlegte. Dieser Prozess verluft ganz so wie beim Pilidium. 0. Brger (Gttingen). Arthropoda. Cmstacea. "203 Hartwig, W., In Candona fabaeformis Vavra stecken drei verschiedene Arten. In: Zool. Anz. 21. Bd. 1898. p. 566567. Die von Vvra, S. Fischer, sowie Brady und Norman als Candona fabaeformis beschriebenen Ostracoden unterscheiden sich durch Dimensionen und Gestalt der Schale und durch den Bau des linken mnnlichen Greiforgans. C. fabaeformis S. Fischer hat den alten Namen beizubehalten, die beiden anderen Formen sind als C. vvrai und C. brady i zu betiteln. F. Zschokke (Basel). 204 Vavra, W., Ssswasser-Ostracoden. In : Hamburger Magalhaens. Sammelreise. Hamburg 1898. 26 p. 5 Abbildg. Ostracoden sammelte die Hamburger Expedition in der Umgebung von Montevideo, an einigen Lokalitten des magalhaensischen Gebiets und in Chile bei Valdivia und Valparaiso. Die Gesamtausbeute betrug acht Arten: die drei Kosmopoliten Cypridopsis vidua 0. F. M., Candonella viosa Jurine, Herpetocypris reptans Baird und fnf neue Formen, die anatomisch, systematisch und geographisch ein- gehend geschildert werden. Es sind dies Notodromas patagonica, Gandonopsis falhlandica, Candonella paradisea, C. montevidea und Ghlamydotheca symmetrica. Die Gypridopsis-Grupie hat in folgende Subgenera zu zerfallen: Potamocypris Brady, Cypridopsis Brady, Candonella Claus, Cypretta Vvra, Cypridella Vvra, Pionocypris Brady und Norman. Aus einer bersicht am Schluss der Arbeit geht hervor, dass aus dem Sss- wasser Sdamerikas 23 Ostracoden bekannt sind. Darunter befinden sich mehrere Kosmopoliten. Bezeichnend fr das Gebiet ist das die sdliche Halbkugel charakterisierende Genus Ghlamydotheca. Noto- dromas patagonica besitzt seinen nchsten Verwandten in Sdaus- tralien. F. Zschokke (Basel). 205 Beer, Th., Vergleichend physiologische Studien zur Stato- Nr. 203-206. 129 cystenfunktion. I. ber den angeblichen Gehrsinn und das angebliche Gehrorgan der Crustaceen. In- I flger s Arch. f. d. ges. Physich Band 73. 1898 p 141 Der Verf. unterwirft die bisher vorliegenden Angaben ber das Hren der Krebse einer Kritik und kommt zu dem Schlsse dass ein Gehrsinn bei diesen Tieren noch nicht mit Sicherheit nachge- wiesen ist weil alle die Reaktionen auf Schall, welche man an den Tieren beobachtet hat, auch als tactile durch die mit Schall ver- bundene Erschtterung hervorgerufene - Reflexe aufgefasst werden knnen. Er selbst hat auf der zoologischen Station in Neapel an den dort zur Verfgung stehenden Krebsarten Versuche angestellt deren Ergebnisse er in folgende Stze zusammenfasse Die* unter- suchten Crustaceen zeigten keine Art von Reaktion, welche zur An- nahme eines Gehrsinnes bei diesen Tieren berechtigen oder ntigen wurde. Auf Schall aus der Luft - Tne, Gerusche, Knall, Schuss - reagierten die untersuchten, im Wasser lebenden Krebse berhaupt nicht. Auch auf Schall, welcher im Wasser hervorgerufen oder diesem wirksam zugeleitet wurde, reagierten viele Crustaceen nicht in erkenn- barer Weise. Die wenigen Arten, welche berhaupt reagieren, thun dies m einer Weise, welche nicht anzunehmen gestattet, dass die liere nahen und fernen, starken und schwachen Schall, oder ver- schiedene Tonhohen unterscheiden, sondern die Reaktion besteht in einem schablonenhaften Fluchtreflex. Auch diese Reaktion kommt nur bei so geringer oder ganz wenig grsserer, nach Decimetem mess- barer Entfernung von der Schallquelle oder einem Schallreflex zu stnde, als auch ein Mensch mit der ins Wasser getauchten Hand - also mit Hilfe des Tastsinnes - die mit der Schallproduktion verbundene Erschtterung oder Vibration wahrnehmen kann Die bei manchen Crustaceen (Decapoden, Mysiden) durch vermeintliche .Schall -Reize auslsbaren heftigen Bewegungen (Schwanzschlag- Sprung) sind als Tangoreflexe vollkommen erklrbar und daher vor- laufig als solche, nicht als Hrreflexe aufzufassen. Die in einem Schwanzschlag bestehenden Vibrations- oder Erschtterungs- Tango- reflexe fielen bei den Krebsen, deren Statocysten im Schwanzanhang liegen - den vom Verf. untersuchten Mysiden (bei den Nordsee- mysiden scheint dies anders zu sein) - - nach Exstirpation des Stato- cystenorgans aus. Dieser Ausfall ist vielleicht dahin zu erklren, dass bei Vibrationen die allerdings normaler Weise das Tier kaum treffen auch von den Hrchen der Statocyste der Flucht- reflex ausgelst werden kann, ausserdem kommt bei den operierten Tieren die mechanische Behinderung des Schwanzschlags, der Ausfall der statischen Organe, eine Reflexhemmung in Betracht denn Zoolog. Centralbl. VI. Jahrg. j^. 205 i 130 bei solchen Tieren fallen auch andere Tangorellexe und sogar Photo- reflexe aus. Nach Zerstrung der Statocysten zeigen auch solche Krebse, bei welchen diese Organe nicht im Schwanzanhang, sondern in den Basalgliedern der Antennen liegen, durch den Eingriff und den Verlust des statischen Sinnes eine gewisse Reflexhernmung. Doch tritt auf Schalle-Reize unter geeigneten Bedingungen z. B. wenn sie strychninisiert sind der bisher als Hrreflex gedeutete Tango- reflex auch bei solchen Tieren ein, welche vor oder nach der Strych- ninisierung der Statocysten beraubt wurden. Es liegt kein zwingen- der Grund vor, den Statocysten der Krebse, mgen sie nun Stato- lithen enthalten oder nicht, irgend welche Hrfunktion zuzuschreiben. In Anbetracht der sicher nachgewiesenen statischen Funktion jener Organe sind in Zukunft die Ausdrcke Otocyste" und Otolith" zu vermeiden und durch Statoeyste" und Statolith" zu ersetzen. F. Schenck (Wrzburg). 206 Adensamer, Th., Revision der Pinnotheri den in der Samm- lung des k. k. Naturhist. Hofmuseums in Wien. In: Annal. k. k. Naturinst. Hofmus. Wien. Bd. XII. 1897. p. 105110. Obgleich die kleine Arbeit nur eine unerwartet geringe Zahl von Arten (es sind nur 13) behandelt, ist sie dennoch von allgemeinerem Interesse. Gleich bei der ersten Art, P. pisum L., wird deren weite Verbreitung, auf Grund der vorliegenden zahlreichen Exemplare von sicheren Fundsttten nachgewiesen und dargethan, dass das von Ort- mann (Zool. Jahrb. VII, 1895, p. 699) bezweifelte Vorkommen dieser Art bei Punipet, Auckland und Neu-Seeland richtig ist. Als Synonym von P. veterum Bosc wird P montagni Leach angesehen; ferner wird P fischeri A. M. Edw. = Pinnixa fischeri A. M. Edw. zur Ortmann- schen Gattung Pseudopinnixia gezogen. Bei Pinnaxodes chilensis J. Sm. wird auf dessen Aufenthalt im Enddarm von Strongylocentrotus gibbosus Vol. hingewiesen, wo er sich zugleich auf Kosten seines Wirtes ernhrt. Da die Analffnung des letzteren sehr klein ist, so ist die Krabbe nicht im stnde, ihren Wirt zu verlassen [die Einwanderung in den Seeigel muss daher auch schon whrend eines Jugendstadiums von Pinnaxodes chilensis erfolgt sein] und auf Raub auszugehen; sie muss sich daher vom vege- tabilischen Darminhalt des Seeigels ernhren. So haben wir, fgt Verf. hinzu, in der Familie der Pinnotheri den einen echten Para- siten, den einzigen innerhalb der Brachyuren. Wertvoll ist auch die am Schlsse gegebene recht vollstndige Litteratur-Zusammenstellung. H. Lenz (Lbeck). 207 Bouvier, E. L., Sur la famille des Cbirosty lidae Ortm. et sur la Nr. 205207. 131 - Classification des Galatheidea. Iu : Bull. Soc. Entomol. France 1896. p. 307-312. Verf. wendet sich gegen die von Ortmann (Zool. Jahrb. Syst, IX. p. 433] vorgenommene Aufstellung einer neuen Familie: Chir o sty lidae der Galatheidea und versucht nachzuweisen, dass der von Ort mann als Typus dieser neuen Familie benutzte Chirostylus dolichopus Ortm. ein echter Ptycho- gasler ist, dessen Ortmann nirgends Erwhnung thut. Zu derselben Gruppe gehrt gleichfalls Uroptychus Ortm. Diptychus A. M. Edw. mit ZT. japonicus Ortm., whrend Ortmann ihn neben Munida und Galathea stehen lsst. Nach Ort mann 's Princip wrde sich die Einteilung der Galatheidea in drei Familien: Agleidae, Galatheidae (incl. Diptychus und Ptychogaster) und Porcellanidae ergeben. Nach diesen Ausfhrungen, denen Ref. seine Zustimmung nicht versagen kann, kommt Verf. alsdann auf die von A. Milne-Edwards und ihm bereits frher (Consideraiions generales s. la. fam. des Galatheides, Ann. sc. nat. Zool. Tome XVI, p. 191 327, 1894) gegebene Einteilung der Galatheidea zurck, welcher er auch jetzt noch den Vorzug giebt. Nach A. Milne-Edwards und Bouvier zerfallen die Galatheidea in 1. Galatheinae mit Galatheidae und Porcella?ddae, 2. Diptycinae mit den Gattungen: Ptychogaster (zu dem auch l't. (Cherostylus) dolichopus Ortm. gehren wrde), Diptychus und Eumicnida, sowie 3. Aegleinae. H. Lenz (Lbeck). 208 Nobili, Giuseppe. Crostacei Decapodi. Viaggio del Dott. A. Borelli nella Repub. Argentina e nel Paraguay. In: Boll. Mus. Zool. ed Anat. comp. Torino. Vol XI. 1896. No. 222. 4 v . 209 -- Di un nuovo euere di Crostacei decapodi racc. nel Darien dal Dott, E. Festa. Ibid. Vol. XI. 1896 No. 238. 2 p. 210 -- Di una nuova variet della Thelphusa dubia B. Capp. racc. dal Rev. Luigi lalla a Kazungula (Westafr.) Ibid. Vol. XI. 1896. No. 262. 2 p. 211 -- Crostacei decapodi. Viaggio del Dott. Alfr. Borelli nel Chaco Boliviano e nella Ropub. Argentina. Ibid. Vol. XL 1896. No. 265. 3 p. 212 Decapodi terrestri e d'acquadolce. Viaggio de Dr. Enrico Festa nella Republ. dell' Ecuador e regioni vicini. Ibid.: Vol. XII. Nr. 275. 1897. 5 p. 213 Decapodi eStomatopodi racc dal Dr. Enrico Festa nel Darien, a Curacao, La Guayra, Porto Cabello, Colon, Panama, ecc. Ibid. Vol. XII. Nr. 280. 1897.8p. 214 Crostacei Decapodi e Stomatopodi di St, Thomas (Antille). Ibid. Vol. XIII. 1898. 215 Sopra alcuni Decapodi terrestri e d'acqua dolce del l'America meridionale. Iu : Ann. Mus. Civ. Str. Nat, Genova Ser. 2a, Vol. XIX. 1898. 6 p. In obiger Reihe kleiner Abhandlungen, welche sich mit Ausnahme der No. 210 mit der Crustaceent'auna Mittel- und Sdamerikas beschftigen, giebt Verf. nicht uninteressante Mitteilungen und Ergnzungen zur Kenntnis jener Faunen. In No. 208 wird ausser den drei bekannten Arten von Dilocarcinus (pictus, pardalinus und septemdcntatus) ein neuer Sylviocarcinus camerani beschrieben, welcher sich durch eine querverlaufende Crista auf der Schale auszeichnet. Ort- mann vereinigt (Carcinol. Studien, Zool. Jahrb. Syst. X. 1897. p. 324), nach Ver- gleichung Rand all'scher Originale der Gattung Orthostoma, beide obengenannten Gattungen mit dieser. In der letzten der erwhnten Abbandlungen schliesst sich Verf. der Auffassung Ortmann's an und zieht den soeben genannten Sylviocarcinus camerani ebenfalls mit O. septemdentatum und pichim zu Orthostoma. Nr. 207215. 11* 132 Die Gattung Trichodactylus wird um borellianus, dem quinquedenttus Rathb. nahe stehend, bereichert. Von Palaemon werden P. amazonus Hell, und bras Mensis Hell, erwhnt, denen in No. 211 P. borelli, dem brasiliensis Hell, nahe stellend, als neu hinzugefgt wird. In No. 209 wird eine neue Gattung der Pseudothelphusiden mit einer neuen Art, Bathbunia festae, aus der Lagune von Pita in Darien (Westkste Central- amerikas) beschrieben, denen in No. 212 aus den sssen Gewssern Ecuadors noch zwei weitere Arten, Pseudothelphusa henrici und conradi, als neu hinzugefgt werden. Wertvoll ist die vom Verf. am Schlsse gegebene bersicht ber die geographische Verbreitung der ausschliesslich mittel- und sdamerikanischen Familie der Pseudothelphusiden mit fnf Gattungen und 31 Arten. No. 213 enthlt eine Aufzhlung von 45 Crustaceenarten, welche der Kste von Darien angehren, whrend die pelagisch und in grsseren Tiefen lebenden Crustaceen der benachbarten Meeresteile durch die Untersuchungen des Albatross" genauer bekannt geworden sind. Die Gattung l'alinurus wird um eine neue Art, P. martensii, bereichert. Ref. mchte annehmen , dass es sich um P. polyphagus Herbst in der Ortmann und de Man'schen Umgrenzung handelt, (cf. Zool. Jahrb. Syst. X. 1897. p. 266). H. Lenz (Lbeck). Protraeheata. 216 Camerano, L., Sulla striatura trasversale dei muscoli delle mandi- bole negli Onicofori. In: Atti R. Acc. Sc. Torino. Vol. 33. 1898. 5 pp. Nach einer Angabe Balfour's sollen bei Peripatus im Gegensatz zur gesamten brigen Krpermuskulatur die Kiefermuskeln Querstreifung zeigen. Verf. konnte jedoch bei Untersuchung von vier neotropischen Peripatus- Arten keine Querstreifung an der Kiefermuskulatur finden , auch nicht bei Untersuchung im polarisirten Licht. R. Hesse (Tbingen). Mollusca. Gastropoda. 217 Biedermann, W., und Moritz, P., Beitrge zur vergleichenden Physiologie der Verdauung. II. ber ein Celluloselsen- des Enzym im Lebersecret der Schnecke (Helix pomatia). In: Pflger's Arch. ges. Physiol. Bd. 73. 1898. p. 219288. Das Hauptergebnis der vorliegenden Untersuchung ist der Nach- weis, dass im Secret der als Leber" bezeichneten Mitteldarmdrse von Helix pomatia ausser dem schon bekannten amylolytischen Ferment noch ein solches vorhanden ist, weiches die verschiedenen Cellulosearten, ausser den verholzten Pflanzenzellwnden, lst und daher Cytase"' genannt wird. Verdauungsversuche mit Cytase sind an verschiedenartigen Pflanzenteilen vorgenommen; das Aussehen, das die Pflanzenteile infolge der Celluloseverdauung erhalten, wird ausfhrlich beschrieben. Die Cytase wirkt in neutraler und sauerer Lsung, weniger gut in alkalischer; ihre Wirkung hngt im Gegen- satz zu der von anderen Verdauungsfermenten, in hohem Grade von der Konzentration ihrer Lsung ab. Die Cellulosearten werden Nr. 208217. 133 durch die Cytase in ganz analoger Weise hydrolytisch gespalten, wie durch Kochen mit verdnnten Mineralsuren. Ein eiweissverdauendes Ferment findet sich nicht im Lebersecret der Schnecke. Das Leber- extrakt enthlt die Cytase noch nicht; die Bildung der Cytase scheint also erst im Augenblick der Absonderung zu erfolgen. F. Schenck (Wrzburg). 218 Boutan, Louis, Sur le developpement de YAcmaea virginea. In: Compt. rend. Ac. Sc. Paris. T. 126. 1898. p. 18871889. Von der bisher unbekannten Entwickelung einer Acmaea teilt der Verf. folgende Punkte mit. Die Eiablage erfolgt im April und Mai. Eier und Sperma werden in's Wasser entleert, wo die Befruch- tung erfolgt. Da die Eier nicht von einer schtzenden Masse um- geben sind, so zerstreuen sie sich bald. In kleineren Aquarien ent- wickeln sie sich nicht weiter, dagegen gelang es in grossen, gut durch- lfteten Aquarien die ganze Entwickelung zu verfolgen, die der Verf. bei anderer Gelegenheit zu beschreiben gedenkt. Zunchst bespricht er das Zustandekommen der Asymmetrie. Obwohl Acmaea als Larve wie im ausgebildeten Zustande chiastoneur ist, besitzt sie doch eine ungewundene und vllig symmetrische Schale. Die Einrollung des Eingeweidesackes bezw. des Nervensystems ist also unabhngig von der Schalenform und ist auf die Entwickelung des Fusses zurck- zufhren. Bezglich der vom Verf. nur kurz geschilderten Stellung und Lagevernderung des Fusses, sowie der dadurch hervorgebrachten Drehung der unteren Partien muss die ausfhrliche Darstellung des Verf.'s abgewartet werden, der noch ausdrcklich betont, dass die Drehung der Visceralmasse und der entsprechenden Teile des Nerven- systems unabhngig von der ihre symmetrische Form bewahrenden Schale vor sich geht. Ein weiterer Punkt betrifft den Scbalenhaken, der bei Acmaea nach vorn, bei anderen Schnecken mit derartig platter Schale [Emar- ginula) nach hinten gerichtet ist, sodass der Gedanke an eine ent- sprechende Umlagerung nahe liegt. Das Studium der Entwickelung zeigt, dass dies nicht der Fall ist, indem der Endhaken anfangs auch bei der Larve von Acmaea vorhanden ist, aber mit der Larvenschale verloren geht, worauf der bleibende vordere Haken zur Ausbildung kommt. E. Korscheit (Marburg). 219 Mazzarelli, Gr., Bemerkungen ber die Analniere der frei- lebenden Larven der Opisthobranchier. In: Biol. Central- blatt. 18. Bd. 1898. p. 767-774. Im Anschluss an Meisenheim er's Entwickelungsgeschichte von Nr. 217219. 134 Limax maximus errtert der Verf. die Natur jenes viel besprochenen Organs, welches sich bei den Larven der Opisthobranchier als ein kleines Sckchen, ungefrbt oder pigmentiert, an der rechten Seite neben dem Enddarm rindet und mittelst einer links vom After gelegenen engen ffnung in die Mantelhhle mndet. Von Meisenheimer war das Organ, wohl hauptschlich deshalb, weil es frh wieder atrophiere, als Urniere angesprochen worden. Nachdem Mazzarelli ausfhrlich die verschiedenen Deutungen errtert, welche das Organ erfuhr, betont er nach seinen frheren, jetzt wieder erneuten Unter- suchungen an einer ganzen Reihe von Opisthobranchierlarven, dass es die Anlage der bleibenden Niere sei, wie besonders aus den Be- ziehungen zum Pericard hervorginge, sowie daraus, dass es nicht schwindet, sondern vielmehr erhalten bleibt. Die Analniere knne somit nicht als Urniere, sondern msse als bleibende Niere angesehen werden. E. Korscheit (Marburg). 220 Viguier, C, Sur la segmentation de Toeuf de la Tethys fim- briata. In : Compt. rend. Acad. Sc. Paris. T. 125. 1897. p.544 546. Die Untersuchung erstreckte sich von der Eifurchung bis zur Ausbildung der Veligerlarve. Es werden sehr zahlreiche Eier abge- legt, die gelbrot gefrbt sind und alle auf dem gleichen Entwickelungs- stadium stehen. Nach der Abgabe der Richtungskrper plattet sich das Ei ab und wird nierenfrmig. Die erste Furchungsspindel liegt in der Nhe des animalen Pols, der infolge der Ansammlung von Protoplasma hell erscheint. Die beiden ersten Blastomeren sind gleich gross; in ihnen vollzieht sich die Teilung nicht gleichzeitig, doch folgt darauf ein vierzelliges Stadium von der gewhnlichen Beschaffenheit im Hinblick auf Form und Verhalten der vier Zellen zu einander, sowie ihren Beziehungen zur Gestalt der Larve. Von den vier Blasto- meren schnren sich zu gleicher Zeit durch die dritte (quatoriale) Teilung vier Mikromeren ab; eine zweite Generation von Mikromeren folgt, worauf sich die erste Mikromerengeneration wieder teilt und zwar so, dass vier von ihnen wie vorher am animalen Pol liegen bleiben (centrale Rosette"). Hierauf teilt sich die zweite Mikro- merengeneration (16 Mikromeren). Unterdessen geben auch die Makro- meren eine neue Mikromerengeneration ab. Diese 20 Mikromeren sind nach dem bekannten spiraligen Typus gelagert. Die acht Mikro- meren der zweiten Generation bilden ein sehr regelmiges Kreuz, dessen Arme von zwei Schwesterzellen" gebildet sind, whrend in den Winkeln zwischen den Armen die Mikromeren der dritten Gene- ration liegen. Direkt am animalen Pol befinden sich die Zellen der Nr. 219220. 135 ersten Generation. Alle Mikromeren zusammen bilden eine die vier Makromeren berdeckende Kappe. Nach den geschilderten Teillingsvorgngen am animalen Pol geben die Makromeren je eine kleine Zelle ab ; diese vier Zellen ordnen sich am vegetativen Pol an. Von diesem Augenblick zeigen die Makro- meren ein ganz verndertes Aussehen. Whrend drei von ihnen dunkel bleiben, wird eine und zwar die hintere auffallend hell ; ihr Kern nimmt an Umfang zu und sie selbst dehnt sich in der Quer- richtung aus, um sich alsbald in zwei Zellen zu teilen, whrend die brigen Makromeren noch lngere Zeit ungeteilt bleiben. Die beiden neugebildeten Zellen sind die Urmesodermzellen und ihre Teilungs- ebene entspricht der spteren Medianebene. Somit hat die bilaterale Symmetrie die bisherige radire Gestaltung des Keimes verdrngt. Vom animalen Pol sieht man die centrale Ectodermrosette'' nach hinten verschoben, whrend welches Wachstumsvorgangs weitere Zell- teilungen erfolgen. Zuletzt entsteht eine epibolische Gastrula, an deren Blastoporus noch die Urmesodermzellen sichtbar sind. E. Korscheit (Marburg). Cephalopoda. Jatta, G., Sopra alcuni Cefalopodi dellaVettor Pisani. In: Boll. Soc. Nat. Napoli. Vol. XII. 1898. p. 1732. 1 Doppeltaf. Verf. giebt in dieser Arbeit Beschreibungen oder Notizen von sechs Arten unter den 18, die, wie schon 1889 von ihm mitgeteilt, von der Expedition ge- sammelt wurden. Diese Arten sind Octopus ( Schi zoct opus) granulatus Lam., 0. chierchiae Jatta, Sepiola stenodactyla Grant, Illex illecebrosus (Les.) Stp., Taonius suhmi (Lank.) Hoyle nebst einem Decapoden incertae sedis. 0. chierchia ist durcli seine Frbung braune Bnder ber den ganzen Krper und auf den Armen und durch seine Hektokotylisation ausgezeichnet. Letztere findet in gewhnlicher Weise auf dem dritten, rechten Arm statt, ausser- dem aber ist der ussere Teil der brigen Arme in der Weise modifiziert, dass anstatt Saugwarzen hier cylindrisehe Papillen auftreten; eine entsprechende Um- wandlung findet sich in der Gattung Eledone. Sepiola stenodactyla Grant (aus Singapore) wird ausfhrlich beschrieben. Die Saugnpfe der Arme sind vieh eihig , die Reihenzahl aber oft schwer anzugeben ; es sollen bis zu acht Reihen vorkommen knnen 1 ). Der kleine Decapode incertae sedis ist mit demjenigen, welchen Eydoux und Souleyet aus den Sammlungen der ,,Bonite"-Expedition als einen kleinen Octopus beschrieben haben, identisch. Die am meisten auffallende Eigentmlich- keit dieses Tieres ist eine lange cylindrische Proboscis", welche auf der ventralen Seite zwischen dem dritten und vierten Armpaare (sie ist so breit, dass sie sich quer von dem Zwischenraum der einen Seite zu derjenigen der anderen erstreckt) ] ) Verf. scheint nicht beachtet zu haben, dass mehrere Charaktere (Hekto- kotylisation, Kleinheit der Tentakelsaugnpfe etc., wozu wahrscheinlich, obschon vom Verf. nicht erwhnt, auch das Fehlen einer Schale kommt) auf eine Zuge- hrigkeit dieser Form zur der Gattung Inioteuthis Verrill hinweisen. Ref. Nr. 220221. 136 entspringt; an der Spitze trgt sie sechs kleine Saugwarzen. Schnitte durch die Proboscis" zeigen einen den Armen hnlichen Bau; Verf. schliesst sowohl hieraus, wie aus der Lage der Proboscis", dass sie die Tentakeln reprsentieren. Kleine Flossen sind am Hinterende des Krpers vorhanden , aber kein Nackenknorpel. Augen offen, ohne Sinus lacrymalis". Innere Schale vorhanden. Verf. vermutet, dass dieser Cephalopode, welcher noch auf einem sehr jungen Stadium sich befindet, zu den Taonoteuthen gehrt 1 ). A. Appellf (Bergen). 222 Jonbin, L., Observations sur divers Gephalopodes. Deuxieme note. Octopus punctatus Gabb. In: Mem. Soc. Zool. de France T. 10. 1897. p. 110113. 1 Doppeltaf. Das vom Verf. beschriebene Exemplar stammt aus Kamschatka. Es hat Charaktere sowohl von 0. puncialus wie von 0. hongkongensis Hoyle (welch' letztere Art indessen von Hoyle selbst spter mit der erstgenannten vereinigt wurde), ohne doch mit irgend einer von diesen vollstndig bereinzustimmen. Verf. bleibt deshalb in Zweifel , ob das Exemplar wirklich 0. punctatus ist. Besonders charakteristisch ist die grosse Lnge des hektokotylisierten Abschnittes des dritten rechten Seitenarmes: sie betrgt mehr als 1 .' s der ganzen Lnge des Armes. 0. punctatus ist frher von der pacifischen Kste Nordamerikas von San Francisco bis Alaska und von China und Japan bekannt. A. Appellf (Bergen). 223 Joiihiii, L., Observations sur divers Cephalopodes. Troisieme note. Cephalopodes du Musee Polytechnique de Moscou 2 ). In: Bull. Soc, Zool. de France T. 22. 1897. p. 98104. In diesem Aufsatz sind keine neue Arten beschrieben . dagegen sind fr einige neue Lokalitten angegeben; so fr Inioteuthis morsei, Sepiola rossiaformis Sepia papuensis (Philippinen), Sepiella inermis (Japan). A. Appellf (Bergen). 224 Jonbin, L., Observations sur divers Cephalopodes. Quatrieme note' Grimalditeuthis Richardi. In: Bull. Soc. Zool. de France. T. 23. 1898. p. 101113" 2 Textfig. Das einzige Exemplar dieser interessanten Gattung 3 ) wurde im Jahre 1896 von der Princesse Alice-Expedition auf Station 750 (23 39' . L. 38 55' n. B.) an der Oberflche gefangen. Das Tier ist im Leben wahrscheinlich ganz durchsichtig und zeichnet sich brigens durch mehrere eigentmliche Charaktere aus. Die Tentakeln fehlen vollstndig: anstatt eines knorpeligen Trichterschliessapparates ist der Mantel an dieser Stelle mit dem Trichter verwachsen. Sehr eigentmlich ist auch das Vorkommen einer zweiten herzfrmigen Flosse hinter den gewhn- ') Dass Verf. unter den Charakteren, welche fr eine Verwandtschaft mit den Taonoteuthen sprechen, auch das Fehlen eines Nackenknorpels aufnimmt, ist wohl als ein Lapsus calami zu betrachten; die Taonoteuthen besitzen alle, soweit wir wissen, einen solchen, dagegen fehlt er bekanntlich bei den Cranchia e form es. Ref. 2 ) Soll nach einer spter vom Verf. gemachten Berichtigung heissen: Musee Zool. de FUniversite imper. de Moscon. 3 ) Nach einer dem Verf. von Dr. Pfeffer gegebenen Mitteilung soll ein zweites Exemplar im Naturhist. Museum zu Hamburg aufbewahrt sein. Nr. 221224. l o< liehen, welche je etwa einen Halbkreis bilden; sie ist zu beiden Seiten des Gladius, der s.cb hinter dem eigentlichen Endteil des Krpers fortsetzt, befestigt Von dieser zweiten Flosse finden wir bei einer anderen Form, Dratopsis vermicularis Andeutungen in Form hautartiger Erweiterungen, welche auch hier, obschon sehr unregelmig, zu beiden Seiten des verlngerten Gladius vorkommen. Verf stellt seine neue Gattung in der Farn. Taonote uthi und Subfam. Ch iroteuthinae. In diese Gattung schlgt er vor, auch Chiroteuthis bomplandi Ver. einzureihen. Es scheint doch Ref. fraglich, ob wir bei unserer jetzigen Kenntnis dieser Form dazu be- rechtigt sind. Zwar fehlen dieser die Tentakeln, dagegen wissen wir nicht ob sie in e.nem anderen wichtigen Charaktere, dem Trichterschliessapparat , mit Grimalditeuthis bereinstimmt. Auch ist bei C. bomplandi keine zweite Flosse beschrieben. A . Appellf (Bergen)/ 25 Joubin, L., Note sur une nouvelle Familie de Cephalop des. In Ann. Sc. Nat. Zool. T. 6. 1898. p. 279-292. 9 Textfig. Verf. beschreibt eine neue Gattung und Art, Oaliteuth armnta, die er als Reprsentant einer neuen Familie, Cranchiony chiae , aufstellt, Oaleuthis hat Charaktere von zwei verschiedenen Formengruppen: wie bei den Cranchiae- formes fehlt ein knorpeliger Trichter- und Nackenschliessapparat und der Mantel ist mit diesen Krperteilen fest verbunden ; die Tentakeln aber sind wie bei den Ouychoteuthen mit starken Haken und sehr kleinen Saugnpfen ver- sehen. Das Tier wurde in der Nhe von Nizza in einem Fischnetz gefangen. A. Appellf (Bergen). !6 Lnnberg;, E., On the Cephalopods collected by the swedish expedition to Tierra del Fuego 189596. In: Svenska Expeditionen tili Magellanslndem. Bd. 2. Xr. 4. Stockholm 1898 p. 4964. 2 Taf. Die Zahl der eingesammelten Arten ist nur vier, davon zwei Octopus {O.fontanianus d'Orb. u. 0. patagonicus n. sp.), ein Gonatus (G. antareticus n. sp.) und ein OnychotetdMs (0. ingens E. A. Smith). Gon. antareticus steht zwar dem nrdlichen G. fabrieii nahe, unter- scheidet sich aber durch verhltnismig kleinere Saugwarzen auf den Armen, durch mehr zusammengedrckte Armhaken und durch eine etwas breitere Schale. Verf. hatte Gelegenheit, zwei beinahe vollstndige Exemplare von Onychoteuthis ingens, von welcher Art bisher nur der Kopfteil bekannt war, zu untersuchen. Die Oberflche des Mantels und des Kopfes hat ein warziges Aussehen, das durch subcutane Papillen hervorge- rufen wird. Diese Papillen bestehen aus einem grobmaschigen Netz- werk von elastischen Fibrillen, welches Blutgefsse und Nerven ent- hlt. Der Zwischenraum zwischen den Papillen wird von einem gallertartig aussehenden Bindegewebe, in dem auch Fett eingelagert ist, eingenommen. Die Papillen und das zwischenliegende Gewebe werden von der Krperhaut berzogen. - - Betreffs der Funktion dieser Papillen vermutet Verf., class sie das Tier befhigen, den hydrostatischen Druck wahrzunehmen, also dieselbe Aufgabe haben, welche er fr die Papille Nr. 224-226. - 138 im Hinterende des Krpers bei Spirula (Zool. C-Bl. V. p. 862) ver- mutungsweise angiebt. Ausserdem knne das zwischenliegende Fett- gewebe als Nahrungsreservoir dienen. Das eine der untersuchten Individuen war ein Mnnchen, das indessen keine Spur eines hekto- kotylisierten Armes zeigte. Verf. erwhnt, dass der Penis so lang ist, dass er durch die Trichterffnung herausgestreckt werden kann, wo- durch ein hektokotvlisierter Arm unntig gemacht wird. Die Untersuchung von Onyclioteuthis ingens bekommt ein be- sonderes Interesse, weil dadurch eine bisher etwas rtselhafte Cephalopoden-Gattung, LepidoteutMs grimaldi Joubin (Compt. Rend. T. 121. 1895), aufgeklrt wird. Diese Gattung wurde auf zwei kopf- lose Exemplare eines grossen Cephalopoden, die dem Magen eines Pottwales entnommen wurden, aufgestellt. Als ihre am meisten auffallende Eigentmlichkeit wurde angegeben, dass der Krper mit dicken, rhomboidalen Schuppen", welche den Anschein eines Panzers hervorrufen, bedeckt war. Jedermann muss wohl jetzt mit dem Verf. einverstanden sein, wenn er hervorhebt, dass diese Schuppen" nur Papillen sein knnen, denjenigen bei Onyclioteuthis hnlich, welche nach dem Verschwinden der Haut infolge Verdauung unbedeckt her- vortraten, und dass deshalb Lepidoleuthis aller Wahrscheinlichkeit nach ein Onychoteuthis ist. Wenigstens muss man annehmen, dass er, wenn auch generisch verschieden, doch mit Onychoteuthis nahe verwandt ist. A. Appell f (Bergen). 227 Verrill, A. E., A gigantic Ceplialopod on the Florida Coast. In: Ann. Nat. Hist, 6. Vol. 19. 1897. p. 240. u. Am. Journ. Sc. (4) Vol. 3. p 79. 228 Additional Information concerning the giant Ceplialopod of Florida. In: Am. Journ. Sc. (4.) Vol. 3. 1897. p. 162163. 229 The Florida Sea-monster. In: Amer. Natural. Vol. 31. 1897. p. 304 307. 2 Tat. 230 The supposed great Octopus of Florida; certainly not a Ceplialopod. In: Amer. Journ. Sc. (4.) Vol. 3. 1897. p. 355356. Nach einer Photographie beschrieb Verrill eine fleischige Masse, welche in Florida vom Meer an das Ufer geworfen war, als e'we neue kolossale Octopus-Art, 0. giganteus. Nachdem er ein Stck der Masse zugeschickt bekommen hatte, stellte sich heraus, dass diese der losgerissene weiche Teil des Kopfes eines Pottwales war. A. Appellf (Bergen). 231 Willey, A., The Pre-ocular and Post-ocular Tentacles and Osphradia of Nautilus. In: Quart. Journ. Micr. Sc. 2. Ser. Vol. 40. 1898. p. 197201. 1 Taf. 232 The Adhesive Tentacles of Nautilus with some Notes on its Pericardium and Sper matophores. Ibid. p. 207 -209. 1 Taf. Nr. 226-232. 139 Vor und hinter jedem Auge sitzt bei Nautilus, wie schon lngst bekannt, je ein isolierter Tentakel, welche zwar in ihrem usseren Aus- sehen den brigen den adhsiven" Tentakeln hnlich sind, in ihrer Funktion und feinerem Bau dagegen von diesen abweichen. Sie haben strker entwickelte Lamellen als die adhsiven und diese Lamellen sind ausserdem mit Cilien versehen. Beim Kriechen des Tieres werden sie nie zum Anheften gebraucht und bei geringster Berhrung ziehen sie sich in ihre Scheide ein, whrend eine solche Wirkung bei den adhsiven Tentakeln nicht immer eintritt. Verf. sieht in diesen Tentakeln accessorische Riechorgane, deren Vorhanden- sein bei Nautilus dadurch noch mehr erklrlich wird, dass dieser beim Aufsuchen seiner Beute hauptschlich durch den Geruchsinn geleitet wird. Die adhsiven Tentakeln werden zum Anheften gebraucht, indem ihre untere und innere, mit Lamellen versehene Flche an der Unter- lage festgesaugt wird. Manchmal haften sie so fest, dass sie abreissen, wenn man versucht, das Tier wegzunehmen. Dass die sogenannte postanale Papille wirklich, wie schon frher vom Verf. angenommen (Nat. Sc. 1895), ein Paar innere Osphradien reprsentiert, findet er durch Untersuchung frischen Materials be- sttigt. Dieses Organ sowohl, wie die usseren von Ray Lankester und Bourne beschriebenen Osphradien sind nmlich mit Cilien ver- sehen und mit einem Sinnesepithel bekleidet. Im zweiten Aufsatz giebt Verf. eine Abbildung eines lebenden Nautilus, um die Stellung der Tentakeln zu zeigen. Ausserdem bildet er bei einem Mnnchen einen Spermatophor in seiner Hlle in situ ab; der letztgenannte liegt an der dorsalen Basis der Mund- masse. A. Appellf (Bergen). Lamellibranchiata. Drew, (xilman A., Notes on the Embryology, Anatomy and Habits of Yldia limatula. In: Johns Hopkins Univ. Circ. Vol. XVH. 1897. p. 11. Die kleinen, aber sehr undurchsichtigen, braungefrbten Eier dieses Lamellibranchiaten werden frei und ohne jegliche Hlle abge- legt , weshalb auch an den frei schwimmenden Eiern die Richtungs- krper bald verloren gehen. Die beiden ersten Furchungskugeln scheinen an Grsse noch nicht allzusehr zu differieren, spter scheinen dagegen die Grssenunterschiede betrchtlicher zu sein und es kommt zur Bildung einer epibolischen Gastrula. Verf. spricht vom Hinein- wandern einiger Ectodermzellen, worauf eine Vermehrung der Ento- Nr. 231233. - 140 dermzellen und die Bildung eines engen Kanals erfolgt, der sich durch den Blastoporus nach aussen ffnet". Diese Verhltnisse mssen erst durch die ausfhrlichere Schilderung geklrt werden. Allmhlich tritt eine Vacuolisation in den Ectodermzellen und eine Bedeckung derselben mit Wimpern ein. Die Larve streckt sich etwas in die Lnge und erhlt am animalen Pol einen langen Wimper- schopf. Am entgegengesetzten Ende der Larve liegt der weite Blastoporus. Die Larve erscheint jetzt usserlich aus fnf polygonaler Zellen zu- und ist von mehreren Bingen grosser, sammenoesetzt Wimperreifen stehende umgrtet, wie die Figur zeigt. bei- Sie besitzt eine recht sonderbare Gestalt, die weit eher an die durch Pruvot von Soleno- ga streu (speziell Dondersia) beschrie- benen Larven als an die der Lamelli- branchiaten erinnert. Whrend des Schwimmens rotiert die Larve um ihre Lngsachse und beschreibt regelmige Linien. Durch ..Einwanderung von Zellen'' entsteht die Schalendrse, welche sich an der Dorsalseite ausbreitet , aber nie- mals eine wirkliche Einstlpung, sondern nur eine seichte Vertiefung bildet. Der jetzt zur Entwickelung kommende Mitteldarm ist unabhngig von jenem frher erwhnten Kanal. Durch Einsenkung einer am vorderen Krperteil gelegenen Zellengruppe, die sich bis zu dem in der Figur mit x bezeichneten Punkt erstreckt, entsteht das Cerebralganglion zunchst in Form zweier dickwandigen Taschen, welche stark an die Cerebraltuben der Gastropoden erinnern, bisher aber bei den Lamellibranchiaten nicht bekannt waren. Die Pedalganglien dagegen bilden sich als Ectodermverdickungen. Zur Zeit, wenn sich die Schalendrse aus- gleicht und in den Mantel bergeht, erfhrt die Larve eine seit- liche Abplattung, der Fuss tritt auf und die Visceraiganglien sind zu unterscheiden. Bald wird auch die Schale abgeschieden, der vordere und hintere Schliessmuskel werden gebildet. Recht eigentmlich sollen nach des Verf.'s Darstellung die Verhltnisse des Blastoporus und dessen Beziehungen zu Mund und After liegen, welche beide sehr naiv; 1 Nr. 233. 141 an einander im Bereich des Blastoporus ausmnden sollen ; in dieser Beziehung muss die ausfhrlichere Bearbeitung abgewartet werden, ebenso bezglich des Cerebralganglions und des von ihm nach aussen ziehenden Kanals, welchen man im Vergleich mit anderen Larven zunchst fr den Vorderdarm ansehen wrde. Nach 105 Stunden giebt die Larve das Herumschwimmen auf und sinkt zu Boden, worauf unter gleichzeitigem Zurcktreten der Bewimperung der Fuss stark auswchst; die Bewegung wird haupt- schlich durch schlanke und starke, an den Seiten des Fusses auf- gestellte Cilien hervorgebracht ; die beim erwachsenen Tier vorhandene Sohle des Fusses wird erst etwas spter gebildet. Am hinteren Krper- teil treten in Form breiter Erhebungen die Kiemen auf. Von den biologischen Angaben des Verf.'s ber Yoldia ist zu erwhnen, dass die Muschel in weichem Grunde lebt, worin sie sich sehr geschickt mit Hilfe des Fusses eingrbt und fortbewegt. Be- trchtliche Verlngerungen der usseren Mundlappen werden, zu einer Rinne gefaltet, aus der Schale vorgestreckt und in diesen Rinnen werden kleinere Nahrungstiere bis in den Mund befrdert. Indem sich die breiten Kiemenplatten an Fuss und Mantel anschmiegen, zerfllt die Mantelhhle in eine dorsale und ventrale Kammer; erstere steht mit dem Anal-, letztere mit dem zufhrenden Sipho in Ver- bindung. An jungen Muscheln konnte Verf. die rhythmischen Pulsa- tionen dieser Kammern sehr gut beobachten. Pelseneer's Angabe vom Endigen des Geschlechtsausfhrungsganges in den excretorischen Gang erklrt Drew fr nicht ganz genau, indem beide Kanle ge- meinsam ausmnden, nicht einer in den anderen sich ffnet. Zwischen Cerebral- und Pleuralganglien besteht keine scharfe Tren- nung. Die Bedeutung der Otocystenkanle, welche deutlich wahr- nehmbar sind, aber nicht nach aussen mnden, wurde dem Verf. nicht klar. Ebensowenig Hess sich die Bedeutung zweier Sinnesregionen am Mantelrand feststellen, die vorn und hinten an diesem liegen und gegen mechanischen Reiz sehr empfindlich sind. E. Korscheit (xMarburg). Vertebrata. 1 (xiacomini, E., Sulla maniera onde i nervi si terminano nei miocommi e nelle estremit delle fibre muscolari dei miomeri negli Anfibii urodeli. In: Monit. Zool. Ital. Anno IX. Nr. 4. 1898. p. 9295. > Sulla maniera onde i nervi si terminano nei tendini e nelle estremit delle fibre muscolari degli arti negli Anfibii urodeli. Ibid. Nr.. 5. 1898. p. 105-110. Nr. 233235. 142 236 Sulla manieraonde i nervi si terminano nei miocommi e nelle estremit delle fibre muscolari deimiomeri nei Teleostei. In: Atti R. Acc. Fisiocrit. Siena. Ser. IV. Vol. X. Nr. 4. 1898. 1 p. 237 Sulla raaniera ondi i nervi si terminano nei mioconiini e nelle estreniita delle fibre muscolari dei miomeri nelle larve degli Anfibii. Ibid. 1 p. An den Muskeln der Myomeren bei Teleosteern, Urodelen und den Larven der Amiren weist Verf. nach, dass jede Muskelfaser an ihren beiden Enden von einer gellecht- oder netzartigen Nerven- endigung umfasst wird, die er als korbartige" Endigung (,,terminazione nervosa a paniere'*) bezeichnet. Von den dorsalen und ventralen Wurzeln der Spinalnerven lsen sich von Stelle zu Stelle Nerven- bndelchen oder einzelne Fasern ab, die sich in die Myocommata be- geben, sich unter wiederholten Teilungen im Myocomma verbreiten, schliesslich ihr Mark verlieren und, an die abgerundeten Enden der Muskelfasern herantretend, dort jene Endigungen bilden. Die End- netze knnen unter einander durch feine Fserchen verbunden sein. Zuweilen trennen sich von dem Endnetz einzelne Fserchen ab, laufen mehr oder weniger weit die Muskelfaser entlang und endigen an der- selben mit rundlichen oder ovalen Anschwellungen. Bei Anuren findet man diese Endigungen nur whrend der Larvenzeit. In den Glied- maen der Urodelen fand Verf. Nerven, die zu den Sehnen gingen und sich dort dendritisch in varicse stchen auflsten; von den Endgeflechten, die in der Nhe des bergangs der Sehne in den Muskel liegen, trennen sich einzelne Fibrillen ab, verlaufen zu den Muskelfasern und bilden dort korbartige Endigungen, die das Ende der Muskelfaser umfassen. Auch kommt es vor, dass eine Nerven- faser sich in zwei Aste spaltet, deren einer an der Sehne, der andere an einer Muskelfaser endigt. Aus diesen letzten Thatsachen ergiebt sich die sensible Natur dieser Endigungen. In allen Fllen finden sich neben den beschriebenen Endigungen auch die gewhnlichen motorischen Endplatten der Muskelfasern. Muskelspindeln konnte Verf. in keinem Falle nachweisen. R. Hesse (Tbingen). 238 (xiacomiiii, E., Sui fusi neuro-muscolari dei sauropsidi. In: Atti R. Acc. Fisiocrit. Siena. Ser. IV. Vol. IX. 1898. 16 p. Der Gegenstand vorliegender Untersuchungen ist die Endigungs- weise der Nerven an den Muskelspindeln der Sauropsiden, die Verf. mit Goldchlorid zur Erscheinung bringt. Bei den Reptilien sind die Muskelspindeln meist einfach, mit nur einer dnnen Muskelfaser: nur bei den Schildkrten finden sich auch zusammengesetzte, die 2 5 Nr. 234238. 143 Muskelfasern enthalten. Die Nervenendigungen knnen von zweierlei Art sein, einfachere oder kompliziertere. Bei der einfacheren Form verliert die an die Mitte der Spindel herantretende doppelrandige Nervenfaser ihr Mark und teilt sich in mehrere divergierende ste, die in ihrem Verlauf und an ihrem Ende kuglige und ovale An- schwellungen tragen. Bei den Ophidiern verliert die Muskelfaser in der Gegend der Nervenendigung ihre Querstreifung und scheint sich in eine fein granulierte Masse umzubilden. Die kompliziertere Form der Nervenendigung dehnt sich weiter ber die Muskelfaser aus; der markhaltige Nerv spaltet sich in zwei Fasern, die nach entgegenge- setzter Richtung verlaufen; diese verlieren ihr Mark und versteln sich an der Muskelfaser, ihre feinen stchen zeigen verschieden ge- staltete Varicositten und endigen schliesslich mit einer knpf chen- frmigen Anschwellung. Sie lassen sich mit den ..blumenartigen Endigungen'' (terminazioni a, fiorami a ) vergleichen, die Ruffini in den Muskelspindeln der Katze fand. Ausser diesen an die Mitte der Muskelspindeln herantretenden Nerven finden sich bei beiden Formen noch andere Nervenendigungen auf dem Rest der Muskelfaser, die Endplatten" genannt werden, besser aber als Enddolden oder trauben- frmige Nervenendigungen bezeichnet wrden, und zwar bis zu fnf an einer Muskelspindel. Es sind stets dnne, blasse oder mit ganz geringer Markscheide versehene Nervenfasern, die diese Enddolden bilden. Solche von blassen Nervenfasern ausgehende Enddolden finden sich auch an den gewhnlichen Muskeln neben den charakteristischen motorischen Endplatten. Schon an den Muskelfasern neugeborener Vipera aspis und Seps chalcides und einer sehr jungen Tropidonotus nalrix konnte Verf. die Enddolden neben den noch nicht vllig ent- wickelten motorischen Endplatten nachweisen und damit zeigen, dass jene nicht als Entwickelungsstufen motorischer Endplatten anzusehen sind. Sie drften daher auch nicht die gleiche Funktion wie diese haben, und deshalb schliesst sich Verf. der Bremer 'sehen Hypothese an, dass den Enddolden an den Muskeln Sinnesfunktion zukomme: das gleiche musste dann fr die Enddolden an den Muskelspindeln gelten. Bei den Vgeln findet Verf. sowohl einfache wie zusammenge- setzte Muskelspindeln, von denen letztere bis zu sieben Muskelfasern enthalten. Beide Arten kommen neben einander am gleichen Muskel vor. Bei den einfachen Muskelspindeln und denen mit nur zwei Fasern nimmt die Nervenendigung einen weiteren Raum ein als bei denen mit grsserer Faserzahl. Zu einer einfachen Muskelspindel tritt gewhnlich eine Nervenfaser. Diese teilt sich in 3 4 ste, jeder derselben verliert sein Myelin, verbreitert sich bandartig, und Nr. 238. 144 sendet feine Verstelungen aus, die verschiedengestaltige Varicositten tragen und mit rundlicher Anschwellung an der Muskelfaser endigen. Ausserdem rinden sich an den Muskelfasern der Spindeln, wie bei den Reptilien, Enddolden, die von blassen Nervenfasern ausgehen. An den gewhnlichen Muskelfasern der Vgel konnte Verf. solche Enddolden noch nicht mit gengender Sicherheit nachweisen. Verf. ist der berzeugung, dass die Muskelspindeln nicht Anlagen junger Muskeln sind, sondern specifische Organe vorstellen, die fr eine Sinnesfunktion bestimmt sind. R. Hesse (Tbingen). Pisces. 239 Mac Bride, The early development of Amphioxus. In: Quart. Journ. microsc. Sc, Vol. 40 Part I. 1897. p. 589612. PI. 4345. An dem von Sedgwick und Willey 1890 91 in Messina ge- sammelten Material untersuchte Verf. die Gastrulation, Mesoderm- und Clombildung, sowie Entstehung der Atrialfalten. Er betont den Vorteil der Osmiumsure -Konservierung gegenber derjenigen mit Sublimat, Pikrinschwefelsure etc., aber seine Figuren erwecken kein besonderes Zutrauen zu dieser Methode. Die Einbettung geschah mit Celloidin und danach mit Paraffin, und ergab vollstndige Orien- tierung der Serien. An derBlastula findet Mac Bride keine Verschiedenheit der Zellen in der Grsse vor Beginn der Einstlpung. (Stimmt keineswegs mit den Beobachtungen der anderen Untersucher; Ref.) An Sagittal- sclmitten findet der Verf. den vorderen Pol durch nahe Aneinander- lagerung der Keimbltter charakterisiert (cf. Samassa's gegenteilige Wahrnehmungen; Ref.). Die Lage des Urmundes nimmt Verf. als eine rein caudale an. Lwoff's Anschauungen tritt er in allen Punkten entgegen. Fr den Verschluss des Blastoporus hlt er das Aus- wachsen der ventralen Lippe fr besonders wichtig. Die Konkrescenz- frage berhrt er am Schluss der Arbeit ganz kurz in dem Sinne, dass eine Bildung des Nervensystems aus zwei Hlften absolut unvereinbar mit seinen Beobachtungen sei. Bezglich der Mesodermbildung vertritt Mac Bride einen ganz eigenartigen Standpunkt, welcher nach der Meinung des Ref. durch einseitig bertriebene und daher etwas gewagte Vergleichung mit Balanoglossus beherrscht wird. Immerhin mssen die wesentlichen Abweichungen von den bisher bestehenden Angaben zu neuer Prfung der Thatsachen auffordern, Das erste Paar der eigentlichen Somiten hlt Mac Bride fr etwas ganz Besonderes. Er nennt sie .,collar cavities" und vergleicht sie den Kragen-Clombildungen des JBalano- glossus. Die vorderen Entodermdivertikel" Hatschek's fasst er Nr. 238239. - 145 als eine einheitliche Bildung auf (dies stimmt mit Legros' neueren Untersuchungen), und lsst sie sekundr erst sich teilen. Er betont die bisher allgemein angenommene Beziehung der linken (nach Legros jedoch ectodermalen Hhle) zur Proralgrube. Die direkte Ver- gleichung mit Balanoglossus wird durch die Bezeichnung der head cavity" und Parallele mit der Proboscis cavity" ausgedrckt. Von den Clomscken soll nur der letzte, caudal gelegene jedes- mal berhaupt mit der Urdarmhhle kommunizieren, die Bildung der Somiten soll eine immer wiederholte Obliteration der coelomic grove : ' auf eine gewisse Strecke hin darstellen. Dies ist ganz neu und bedarf erneuter Untersuchung. Sehr bemerkenswert sind ferner die Angaben ber das Schicksal der Collar cavities". Die linke Hhle soll das Hatschek'sche Nephridium liefern (welches von anderen, wie Legros, als Produkt der linken Kopfhhle, resp. der Proralgrube angesehen wird. Ref.), ferner soll sie die Matrix fr die Tentakeln *) (d. h. wohl die Skelett- achse derselben) sowie fr die Muskulatur des ganzen Apparates dar- stellen. Die innere ffnung des Hatschek'schen Nephridiums, welche Mac Bride beschreibt, ist jetzt durch Legros besttigt worden. Die Hals-Hhlen sollen sich mit der Ausbildung der Kiemen nach hinten erstrecken und die bisher als Lymphspalten bezeichneten Rume der Metapleuralfalten liefern. Die erste Anlage der Atrialfalten hndet Mac Bride ganz vorn als eine Epithelverdickung der rechten Seite. In der phylogenetischen Schlussbetrachtung tritt Mac Bride sehr lebhaft fr eine nahe Beziehung des Balanoglossus zu Amphioxus ein, besonders erblickt er in der Tomana-Larve eine ancestrale Form, die fr die Ableitung des Nervensystems bei Amphioxus wichtig zu werden verspricht. H. Klaatsch (Heidelberg). Samassa, P., Studien ber den Einfluss des Dotters auf die Gastrulation und die Bildung der primren Keim- bltter der Wirbelt liiere. IV. Amphioxus. In: Arch. f. Entwmech. VII. Bd. 1 Hft, 1898. p. 133. Taf. I II. Samassa hat die in letzter Zeit von verschiedenen Seiten unter- suchten Erscheinungen der Furchung und Gastrulation bei Amphioxus einer erneuten Prfung unterzogen an Material, welches er in Neapel (Ende Mai, erste Hlfte des Juni) erhielt. l ) Auf seiner Fig. 21b bildet M. bei einer jungen Amphioxus-Lai've ein rudiment of tentacles" ab. Es handelt sich um den proralen Wimperknopf" (Ref.), dessen genetische Bedeutung M. also richtig erkannt hat, nur blt er flschlich den tiefen Teil dieser rein epithelialen Bildung fr die i diesem Stadium noch nicht vorhandene Anlage der Skelet-Achse der Tentakeln. Zoolog. Centralbl. VI. Jahrg. Jj r 239 240. 12 Uli Besondere Sorgfalt verwendete er auf die Orientierung junger Stadien fr die Schnitt-Serien 1 ). Er benutzte eine Modifikation der Field-M artin'sehen kombinierten Celloidin-Paraffin-Einbettungsmelhode (Sttigung der Toluol-Alkohol- Ather-Mischung mit Paraffin und Celloidin). Fr die Beobachtung in toto bediente er sich des Alkohol Glycerin-Eisessig-Gemisohes ; der Ersatz des Wassers durch Alkohol in dem entsprechenden Wilson'schen Gemisch ergab merkwrdiger Weise keinen Unterschied in der Wirkung. Bezglich der Furchimg kann Samassa im ganzen die Resul- tate E. B. Wilson 's besttigen, die bekanntlich von den Angaben Hatschek's nicht unwesentlich differierten. Besonders wichtig ist die Besttigung des bilateralen Typus, welchen in der Mehrzahl der Flle die Furchung vom 16-zelligen Stadium an zeigt. Die regel- mige Kranz-Anordnung der Elemente im 32-zelligen Stadium hat Samassa ebenso wenig wie Wilson so typisch gefunden, als Hatschek sie hinstellt. Nach diesem Stadium ist die Teilung synchron, das Gleiche findet sich mit einigen Einschrnkungen im 64-zelligen Stadium; dann aber lassen sich die von Wilson ange- gebenen Verdoppelungen der Zeilenzahl nur als approximative Schtzungen verwerten. Deutliche bilaterale Symmetrie findet sich fter auch an der Blastula, wobei jedoch ,,die grssten vegetativen Zellen nicht genau central liegen, sondern etwas nach einer Seite hin verschoben sind". Sehr wichtig sind Samassa's Beobachtungen ber den Ein- stlpungsprozess , da er zum ersten male genaue wirkliche Median- schnitte der Gastrulae liefern konnte. Er findet an der Gastrula eine zwar variable, aber immer unverkennbare bilaterale Symmetrie ausgeprgt. Die Lngsachse der Gastrula entspricht der Verbindungs- linie von animalem und vegetativem Pol der Blastula. Die Seite mit den grsseren und hheren Zellen entspricht der ventralen, die mit der kleineren der dorsalen Seite. Die Kuppe der eingestlpten Zellen liegt meist excentrisch, der dorsalen Seite genhert. Hier erhlt sich am lngsten ein Rest der Furchungshhle. Die Meinungsdifferenz ber die verschiedene Aktivitt der Bltter beim lnvaginationsprozess (Ectoderm Lwoff, Entoderm Sobotta) lst Samassa dahin, dass die meist synchrone Teilung von Zell- gruppen zu Irrtmern verleiten kann und dass bei vergleichender Betrachtung verschiedener Entwickelungsserien zuerst das Ectoderm, nach der Einstlpung das Entoderm zahlreichere Mitosen aufweist. Die Scheidung der Bltter nimmt Samassa mit der Vollendung der Einstlpung und dem Schwund des Blastocoels an. Lwof fs Annahme einer spteren Verlagerung ectodermaler Elemente im Innern , sowie ') Dieselbe gelang von frheren Autoren nur Mac Bride (vgl. Nr. 239\ dessen Arbeit jedoch Samassa unbekannt blieb. Ref. Nr. l'lM. - 147 berhaupt einer frhzeitigen Unterscheidung der Bltter tritt Samassa scharf entgegen. Die bilaterale Symmetrie der frhen Stadien fasst Samassa ebenso wie bei Ascidien als eine cnogenetische Erscheinung auf, die in immer frhere Stadien zurckverlegt wurde". Bei Clavelina und Ciona ist sie mehr befestigt, als bei den mit grosser Variations- breite versehenen Wirbeltieren. Bezglich des Urmund- Verschlusses und der Lage des Urmundes schliesst sich Samassa der Auftassimg an, welche in bereinstim- mung mit K o w a 1 e v s k y ' s Angaben von K 1 a a t s c h und zum Teil auch von Lwoff und Sobotta gegen Htschele verteidigt wurde. Die rein caudale Lage des Blastoporus bei Amphioxus drfte damit wohl entgltig bewiesen sein (im Unterschied von der dorsalen, welche Hatschek angenommen hatte). Ein neues Argument fr die Be- stimmung der Lngsachse glaubt Samassa in der dem Blastoporus stets gegenber befindlichen Lage des Richtungskrperchens zu finden 1 ). Die Form des Urmundes ist nach Samassa von Klaatsch und Sobotta nicht in der typischen Form wiedergegeben worden. Er soll in der Regel einen zur Lngsachse der Gastrula senkrecht gestellten lnglichen Schlitz darstellen, wodurch die gegen die Konkrescenztheorie 0. Hertwig's besonders von Klaatsch betonten Argumente eine wichtige Verstrkung erfahren. Die Vergleichung der Amphioxus-Gc&strula, mit der der Ascidien, welche Klaatsch versucht hatte und wobei er zu hnlichen Resul- taten wie Castle bezglich der ectodermalen Herkunft der Myoblasten gelangt war, hlt Samassa nicht fr berechtigt 2 ). Die Annahme Samassa 's, dass die Lngsachse der Amphioxuslarve der Dorsoventral- achse der Ascidienlarve entsprechen soll, hat bei der sonstigen ber- einstimmung des jugendlichen Tunikatenorganismus mit dem der Acranier etwas Auffallendes und regt jedenfalls zu weiteren Unter- suchungen an. Zum Schluss behandelt Samassa die Bildung des Nervensystems, des Mesoderms und des neurenterischen Kanals. Besonders wichtig erscheint das Resultat, dass die berwachsung der Medullarplatte von den Seiten aus bei Amphioxus prinzipiell denselben Vorgang dar- stellt, wie bei den hheren Chordaten: nur findet derselbe sehr frh 1 ) Das Thatschliche bez. der Lage des Richtungskrperchens ist dem Ref. aus eigener Beobachtung bekannt; er hat es aber in seiner Mitteilung nicht erwhnt, da er kein solches Gewicht wie Samassa auf diesen Befund legte. 2 ) ber diese Punkte, namentlich die Frage des Einstrmens der Zellen am Blastoporus werden von anderer Seite zu erwartende Untersuchungen demnchst Auskunft geben. Nr. 240. 12* 148 statt. Der Prozess beginnt in der Mitte und schreitet nach vorn und hinten fort. Es soll jedoch anfangs gar kein Spaltraum zwischen Medullarplatte und berwachsendem Epithel vorhanden sein, eine Beobachtung, bezglich deren Samassa vorlufig ganz allein steht. Er hlt somit die Bildung eines Centralkanals fr eine sekundre Sache. Den Canalis neurentericus leugnet er berhaupt gnzlich. Der Centralkanal soll das Ende des (hier an Befunde der Ascidien- larve erinnernden) Nervenstranges nicht erreichen und der angebliche neurenterische Kanal soll ein mit der Schwanzflossenbildung in Be- ziehung stehender zellenerfllter Raum sein. In der Mesodermbildung besttigt Samassa zwar die Angabe Lwoff's, dass das Lumen der Coelomscke schwindet, nicht aber die Schlsse, welche dieser Autor daraus zog. Der Coelomspalt soll ..virtuell" fortbestehen. Die Faltungsprozesse im Entoderm hlt Samassa fr aktiv und primr". Die Nichtexistenz der Polzellen besttigt er und zieht daraus den Schluss, dass die Mesoderm- bildung bei Amphioxus gar keine Beziehung zum Urmund habe. H. Klaatsch (Heidelberg). 241 Klaatsch, H., lieber den Bau und die Entwicklung des Tentakelapparates des Amphioxus. In : Verhandl. Anatom. Gesellsch. Kiel. 1898. (Anat. Anz. Ergnzungsheft z. XIV. Bd.) p. 184195. In dem vorlufigen Bericht ber seine Untersuchungen schildert Verf. zunchst den erwachsenen Zustand des von ihm als ,,Lophophor a bezeichneten Mundapparates des Amphioxus. Der interessanteste Bestandteil der Tentakeln ist das Achsengewebe, dessen auffllige hnlichkeit mit der Chorda geprft wird. Klaatsch bezeichnet das Gewebe dieses Achsenskelets als Anqihioxus-Iinorpel und nennt die festere Aussenschicht desselben ..primitives Perichondrium". Dieses Gewebe und dasjenige der Chorda haben sich von einem gemeinsamen Ausgangspunkte entwickelt. Bei der Chorda berwog die Ausbildung elastischer Substanz, welche die Chordaplatten her- vorgehen Hess". Der Tentakelknorpel zeigt nichts derartiges; die Septen seiner Elemente sind gegen Kalilauge nicht widerstandsfhig. Bezglich Epithel und Muskulatur der Tentakeln werden die An- gaben der frheren Autoren besttigt. Die entwickelungsgeschichtliche Darstellung der Proralregion hat seither durch die ausfhrliche Darstellung von Legros (vgl. No. 242) wichtige Ergnzungen erfahren. In Hauptpunkten, wie in der Darstellung des selbstndigen Auftretens der linken Proralfalte besteht bereinstimmung. Kleinere Abweichungen betreffen u. a. Nr. 240241. 149 die Auffassung des sog. ,, Velarmuskels" (im Bereich des linken ersten Somiten), welches Klaatsch als einen von der Chorda zur Tentakel- anlage ziehenden Bandapparat deutet (Lig. chordo-praeorale). Das wichtigste ist, dass schon bei der Larve mit 1 Kiemen- spalte die Anlage des Tentakelapparates sich kund giebt in Form des von Klaatsch sog. Proralknopfes", eines zwischen Proral- grube und Larvenmund gelegenen mchtigen Wimperapparates (seither auch von Le gros und Mc Bride beschrieben), dem eine bedeutende nutritorisch-sensitive Rolle zufllt, und welchem Klaatsch auch eine phylogenetische Bedeutung mit Rcksicht auf Trochosphaera- hnliche Vorfahrenzustnde des Amphioxus beimisst. Im Verlaufe der Metamorphose treten an Stelle des Proralknopfes mehrere kleine Hcker auf, die Anlagen der einzelnen Tentakeln. Die Frage nach der Herkunft des Tentakelskelets konnte nicht endgltig entschieden werden. Die vllige frhzeitige Sonderung des betr. Knorpelgewebes von der Umgebung drngt zur Annahme einer besonderen Quelle, welche Klaatsch in der rtselhaften, als solche verschwindenden kolbenfrmigen Drse" vermutet, aber ein sicherer Beweis Hess sich nicht fhren. In der Asymmetrie der Amphioxus- Larve vermutet Klaatsch eine alte, in der Vorgeschichte begrndete Erscheinung. H. Klaatsch (Heidelberg). Legros, R., D e v e 1 o p p e m e n t d e 1 a c a v i t e b u c c a 1 e de V Amphioxus lanceolatus. Contribution Fetude de la morphologie de la tete. In: Arch. d'Anat. microsc. T. I. No. 4. 1897 p. 497536. PI. XXI XXIII. ; T. II. No. 1. 1898. p. 188. PI. I. II. In dieser ebenso durch ihren Fleiss, wie durch die erlangten Resultate beachtenswerten Arbeit hat sich der Verf. an die beraus schwierigen Probleme herangewagt, welche die Mundregion des Amphioxus sowohl in ontogenischer, als auch in phylogenetischer Hinsicht aufgiebt. Er hat zum erstenmale eine speciellere Vergleich- ung der Nasen- und Mundregion der Cyclostomen und hheren Chordaten mit den Organen der Proral-Region des Amphioxus ver- sucht. Dieser Versuch ntigt den Verf. zu einer erneuten Unter- suchung der Entwickelung des vorderen Krperendes des Amphioxus und zu einer Prfung der hierber besonders von Hatschek, van Wijhe, Ray Lank ester und Willey gewonnenen Resultate. Die grosse Kluft zwischen diesen und den besonders von Scott, Dohrn, Shipley und Kupffer an Cyclostomen gewonnenen Er- fahrungen sind in der Einleitung kritisch beleuchtet. Der erste Teil behandelt den Ursprung und die frheren Entwickelungsstadien der larvalen Mundorgane des Amphioxus. Nr. 241242. 150 Das I. Kapitel bringt eine sehr genaue historische Zusammen- stellung aller thatschlichen Angaben, welche ber die Entwickelung des Larvenmundes, der sogenannten vorderen Entoderm- divertikel, der Klliker 'sehen Riechgrube, der Proral- grube, der Hatschek'schen Sinnesgrube, des sog. Hatsch einsehen Nephridiums, der kolbenfrmigen Drse und der I. Kiemen- spalte gemacht worden sind. Der wichtigste Punkt ist die Entstehung der Proralgrube, welche nach Hatschek entodermalen Ursprungs sein soll, dem linken vorderen Entodermdivertikel entsprechend, eine Auffassung, welche bisher als vllig gesichert galt, und jede Vergleichung mit hheren Zustnden ausschloss. Legros fhrt smtliche Interpretationen auf, welche die Larven-Organe in Vergleichung mit Cyclostomen etc. sowie mit Tunicaten erfahren haben. Die vorderen Entodermdivertikel wurden u. a. mit Kiemenspalten, mit dem Tunicatenmunde, mit dem Hydrocoel von Balanoglossns. der Larvenmund mit dem Spritzloch der Selachier, die kolbenfrmige Drse mit dem Darmkanal, die I. Kiemen- spalte mit dem Anus der Ascidienlarven verglichen. Besonders bemer- kenswert ist,dassdasHomologon der Riechgrube der hheren Chor- daten in der K l 1 i k er 'sehen Riechgrube des Amphioxus gesucht wurde, letztere aber auch mit der Hypophyse (Hatschek, Willey etc.) in Beziehung gebracht wurde. Das IL Kapitel enthlt die eigenen Beobachtungen des Verf.'s ber die Bildung der Proralgrube u. s. w. Das Wichtigste ist das gnzlich von Hatschek abweichende Resultat bezglich der sog. vorderen Entodermdivertikel. Legros erkennt dieselben nur als eine einheitliche unpaare Bildung an, welche, sich vom Darme abschnrend, die Rostralhhle der Amphioxus- Larve liefert. Diese Hhle galt bisher als das Derivat des rechten Entodermdivertikels. Bezglich des angeblichen linken Divertikels, welches nach aussen durchbrechend die Proralgrube liefern sollte, ist Legros zu dem interessanten Resultate gelangt, dass ein solches Divertikel nicht existiert, dass vielmehr die gesamte Proralgrube rein ectodermaler Herkunft ist. Auf der linken Seite ca 0,4 mm langer Amphioxus-L&v\en entsteht vorne eine lngliche Ectoderm- verdickung, plaque ectodermique", welche sich in eine vordere, mittlere und hintere Partie gliedert. Die vordere liefert die Praeoral- grbe, die hintere entspricht der Stelle des Durchbruchs des Larven- mundes, und die mittlere liefert ein aus hohen cilientragenden Zellen bestehendes Sinnesorgan. [Es handelt sich um den vom Ref. unab- hngig von Legros beschriebenen proralen Wimperknopf; vgl. No. 2411. Nr. 242. - 151 Die Proralgrube vertieft sich rechts zur Hatschek'schen Sinnesgrube, links entwickelt sich von dem blinden Ende der Proral- grube aus das H atschek'sche Nephridium, als ein somit ectoder- maler Kanal, welcher sich sekundr in den Pharynx hinter dem Larvenmunde (resp. dem Velum) ffnet, seine ussere ffnung ver- lierend. Bezglich der kolbenfrmigen Drse bestreitet Legros die von Willey behauptete ussere ffnung; ber das weitere Schicksal des rtselhaften Organs ussert er sich nicht. Die Rostralhhle wird reduziert, die ersten Somiten entsenden Clomausbuchtungen nach vorne. Die linke derartige, sich ab- schnrende Bildung liefert den merkwrdigen Velar-Muskel"' (vom Ref. als Lig. chordo-praeorale bezeichnet). Der Larvenmund entsteht als Durchbrechung der hinteren Partie der plaque ectodermique" und wchst nach hinten zu aus. Der IL Teil behandelt die beraus komplizierten Vorgnge, welche die definitive Mundffnung des Amphioxus hervorgehen lassen. Ein nicht mit dem Objekt vertrauter Leser drfte aus der Legros'schen Schilderung schwerlich klug werden, besonders bei dem gnzlichen Mangel an Oberflchenbildern. Wir mssen uns hier auf das Wich- tigste beschrnken. Von Willey's Darstellung, der einzigen, welche bisher die schon von Htschele erkannte Umwandlung des Larven- mundes in das Velum behandelte, weicht Legros in einigen Punkten ab. Eine Rotation des Larvenmundes um eine vertikale Achse und um 90, durch welche Willey die Lagevernderung des Yelums er- klrt hatte, schliesst Legros vllig aus und zieht zur Erklrung der Reduktion der larvalen Mundffnung eine vom hinteren Ende nach vorn fortschreitende Verschmelzung der oberen und unteren Lippen derselben heran, eine ganz neue Annahme, welche er zahlenmig durch eine tabellarische Zusammenstellung der betreffenden Mae zu erweisen sucht. Danach nimmt die Ausdehnung des Mundes zu, bis die Larven etwa 3 mm Lnge erreicht haben, um dann sehr schnell sich zu verkleinern. Die auch fr andere Zwecke benutzte Messmethode des Verf.'s mit Benutzung der Schnittdicken (Tabelle am Schluss der Arbeit!) scheint dem Ref. nicht ganz einwandsfrei zu sein mit Rcksicht auf die grosse Variabilitt der einzelnen Larven, sowie auf die Mglich- keit verschiedener Kontraktionszustnde und der verschiedenen Kon- servierungen. Bezglich des Nahtverschlusses am hinteren Teil des Larvenmundes wre eine genauere Darstellung erwnscht. Die Falten, welche die definitive Mundhhle begrenzen, nennt Nr. 242. 152 Legros rechte und linke Lippe (rechte und linke Proralfalte des lief.). Die fundamentale Verschiedenheit heider und die grosse Be- deutung der linken Lippe*, welche wie ein Vorhang vom vorderen Ende der Proralgrube bis zum hinteren Ende des Larvenmundes sich erstreckt und ber die drei Partien der ,, Plaque ectodermique" herber- wchst, hat Legros richtig erkannt. Hierin, sowie in der Aus- bildung der rechtsseitigen Begrenzung der gouttiere buccale" auf Kosten der Proralgrube und der partie mtermediaire" der ,, plaque ectodermique" stimmen die Angaben des Verf.'s mit denen des Ref. in wesentlichen Punkten berein. Weniger gilt dies von der rechten ,, Lippe", die Legros als eine selbstndige Integumentfalte auffasst. Das erste Auftreten der Tentakeln an dieser Stelle hat Verf. richtig beschrieben; die Skeletachse dieser Gebilde leitet er, wie scheint, von der Splanchnopleura ab, welche an diesem Teile die Reste der kolbenfrmigen Drse umhllen soll. Etwas schwierig zu verstehen sind die Ausfhrungen des Verf.'s ber das Schicksal des ,, medianen" Teils des Velums. welches durch ein redressement" aus einer ,,cloison antero-posterieure" in eine vertikale und transversale Scheide- wand umgewandelt werden soll. Der ursprnglich obere, an das Ende der linken definitiven Lippe befestigte Teil des Larvenmundes wird zur linken, der ursprnglich untere Teil zur rechten Partie des fertigen Velums. Der III., theoretisch bedeutsamste Teil der Arbeit enthlt die ,,con- siderations generales", in welchen der Verf. die Vergleichung des Amphioxus-BefxmdLes auf Grund der ectodermalen Natur der Proral- grube mit den Zustnden der hheren Formen, speciell der Cyclo- stomen, versucht, wobei er in schematischen Figuren die Angaben Kupffer's, und besonders Dohrn's verwertet. Die Rostral hhle des Amphioxus vergleicht er der proralen Entodermtasche der Embryonen von Petromyson und Acipenser. Bei letzteren wird dieser Raum in zwei paarige Hhlen gegliedert, whrend er bei Amphioxus einheitlich bleibt. Die ,, plaque ectodermique" des Amphioxus findet in ihrer Gesamtheit ein Homologon bei den hheren Formen in jener unpaaren Ectodermverdickung, aus welcher sowohl Geruchsgrube, als Hypophyse, als auch das Stomodaeum hervorgehen. Bei Petromyzon und Acipenser sondert sich der vordere Teil als ,,fosse olfactivohypophysaire" vom Stomodaeum durch mchtige Entfaltung der Oberlippe (Stelle der Haftscheibe bei Acipenser). Bei anderen Cranioten besteht ein anderer Typus, insofern die Hypophysenanlage als Rathke'sche Tasche sich dem Stomodaeum anschliesst. Der erste Typus gestattet die Vergleichung mit Amphioxus. Nr. 242. 153 Die fosse olfactivohypophysaire" entspricht der Proral- grube. Die aus der Proralgrube hervorgehende Hatschek'sche Sinnes- grube ist nach Legros das Homologon der Riechgrube der Cra- nioten, whrend die Hypophyse sich in dem Hatschek'schen Nephri- dium wiederfindet. Der ursprngliche Zusammenhang dieses Organes mit der Sinnesgrube entspricht dem Zustande des Petromyzon, whrend die Abschnrung und sekundre ffnung in den Pharynx auf die Befunde bei den hheren Cranioten hinweist. Damit fllt nach Legros die Vergleichung der Klliker'schen Riechgrube des Amphioxus mit der Riechgrube resp. Hypophyse der Cranioten ; das K 1 1 i k e r 'sehe Organ entspricht dem Neuroporus (der Stelle der unpaaren Riechplatte). Die von Huxley nur vergleichend anatomisch vermutete Homo- logie des Velums bei Amphioxus und Ammocoetes vermag Verf. nun auch ontogenetisch zu sttzen. Der Asymmetrie der in Rede stehenden Organe bei Amphioxus legt Verf. keine grssere Bedeutung bei. Er hlt sie fr sekuDdr, ebenso wie er die von van Wijhe entdeckte vollstndig linksseitige Nervenversorgung des Larvenmundes als eine dem Amphioxus speciell zukommende, rein sekundre Erwerbung beurteilt. Eine Erklrung der Asymmetrie des Amphioxus, welche Verf. selbst am Anfang seiner Arbeit als die alles dominierende Thatsache der Entwickelung dieser Form hinstellt, wird in keiner Weise versucht. H. Klaatsch (Heidelberg). 243 Mayer, Paul, eber den Spiral darin der Selachier. In: Mitt, zool. Stat. Neapel. Bd. 12. Heft 4. 1897. p. 749754. Taf. 33. 244 Kantorowicz, R., Heber Bau und Entwickelung des Spiral- Darms der Selachier. In: Zeitschr. f. Naturwiss. Bd. 70. Heft 5 u. 6. 1397. p. 337364. Taf. 4. Parker hat seiner Zeit (Trans. Z. Soc. London Vol. XI) vier Hauptformen im Bau des Spiraldarms der Selachier unterschieden und diese Einteilung auf die Breite der Falte und den Verlauf von deren freiem Rande gesttzt. Sein Typus A, welcher die einfachste Form darstellt, ist dadurch ausgezeichnet, dass der freie Rand der sogenannten Spiralfalte in allen Umgngen, den ersten ausge- nommen, in derselben Hhe sich findet, wie der angewachsene Rand. Die Breite der Falte ist kleiner als die Hlfte des Durchmessers des Spiraldarms. Dieser Typus ist mehr oder weniger hypothetisch. Im Typus B ist das Verhltnis des freien zum angewachsenen Rande Nr. 242244. 154 - unverndert, die Breite aber ist gleich dem halben Durehmesser des Spiraldarmes, die verdickten freien Rnder bilden eine Columella. Bei Typus C ist die erste Windung nach vorwrts, alle brigen nach rckwrts gewendet. Die Breite ist grsser als der halbe Durch- messer. Endlich zeigen sich bei Typus D alle Windungen nach vorwrts gewendet. Die Breite ist ebenfalls grsser als der halbe Darmdurchmesser. Da Rckert (Arch. f. Entwicklgsmech. Bd. 4- 1896) dieser Verschiedenartigkeit, die sich als individuelle Schwankung bei gleichen Species darstellte, grosse Bedeutung beima, so sah sich P. Mayer veranlasst, die folgende mechanische Er- klrung dafr zu geben. Der Spiraldarm von Ttaja kann als ein runder Turm betrachtet werden, in welchem ein Spiralgang verluft. Die Basis des Turmes liegt hinten, nicht weit vom After. Dieser Spiralgang hat keine Achse, d. h. keinen Mittelpfeiler, ist also nur an der Turmwand befestigt. Die untersten Windungen sind schmal, vom dritten Umgange ab wird der Spiralgang breiter. Im Anfange reicht er bis zur Mittel- linie und bildet so einen falschen Mittelpfeiler ; die Breite nimmt zu und darum mssen sich die Windungen, um Platz zu finden, nach oben w r lben. Auf einem Lngsschnitte zeigt dieser Spiraldarm eine Reihe Daten oder hohler Kegel, die ihre Spitze nach oben (d. h. vorn) kehren, in einander stecken und mit ihrer Basis an der Darm- wand befestigt sind. Das ist Parker 's Typus D. Bei Typus C ist nur die oberste Windung nach oben, die anderen nach unten (im Tier vorn und hinten) gekehrt infolge einer extrem steilen und eigentmlich gedrehten Windung der Treppe (des Spiral- ganges). Da B nur von einem getrockneten, geschrumpften Darm herrhrt, A berhaupt mehr oder weniger hypothetisch ist, so hlt P. Mayer die ganze Parke r'sche Einteilung fr verfehlt. Die Erklrung fr die von Parker geschilderten Variationen ist eine einfache. Ist der Darm in normalem Zustande, d. h. enthlt er nur wenig Nahrung und lsst diese bei der Konservierung sich leicht heraus- splen, dann sind am gehrteten Prparate alle Windungen nach vorn gekehrt. Ist er dagegen etwas durch Nahrung geblht, so streckt er sich gegen sein Ende hin in die Lnge und die hintersten Win- dungen bilden keinen Mittelpfeiler mehr. So im Typus D. Ist er voll Nahrung, splt man ihn zur (Jonservierung aus und muss dabei die Flssigkeit um die Nahrungsballen herumgehen, dann werden die hinter der Nahrung gelegenen Windungen nach hinten gewendet (Typus C). An einem seit langer Zeit konservierten Spiraldarm, dessen Windungen alle nach vorn zeigten, konnte P. Mayer durch Nr. 243244. 1 55 Einfhrung eines Glasstabes die vllige Umkehrung der hintersten Windungen herbeifhren. Bei Scyllium mit seinem schmalen Darm sind die Spitzen der Windungskegel alle nach vorn gekehrt. Injiziert man zur Konser- vierung diesen Darm vom After aus, so bleibt das Verhltnis natr- lich unverndert. Beim Injizieren von vorn dagegen stlpen sich die hintersten Windungen nach hinten um. Bei Mustelus ist die Rich- timg der Windungen die gleiche und nur bei Torpedo ist die Situation eine andere, da hier nur quere Falten ohne Andeutung von Kegel- bildung vorkommen. Die Unterscheidung, die Parker vorgenommen hat, ist daher eine irrige, seine Typen beziehen sich nur auf knstlich vernderte Drme. Kantorowicz (2) behandelt zunchst das makroskopisch Wahr- nehmbare des Baus. Der Spiraldarm fllt schon bei usserer Be- trachtung durch die an seiner Oberflche erkennbaren Spirallinien auf; letztere sind die Ansatzlinien der Spiralfalte. Die Zahl der Um- drehungen fand Verf. bei Eaja clavata 5 1 h, (P. Mayer zeichnet einen Spiraldarm von Raja spec. mit 8 und Iiaja clavata mit 9 Win- dungen [Ref.]), bei einem Embryo von Mustelus laevis lS 1 ^ (P. Mayer zeichnet bei einem Embryo von Mustelus vulgaris 8), bei Acanihias vulgaris 15 Windungen. Verf. fgt hieran einige Be- merkungen ber die Lage des Pancreas. Bei canthias vulgaris besteht dieses Organ aus zwei Teilen, einem Krper und einem von diesem im spitzen Winkel abgehenden Schenkel. Der Krper wird dorsal und ventral von zwei Bauchfellduplikaturen bedeckt und liegt neben dem Magen. Oral von der Mitte geht der nur halb so breite Schenkel ab, der, unter dem Zwischendarm sich hindurchziehend, sich um das vordere Ende des Spiraldarmes wendet. Bei Galeus canis gleicht das Pancreas einem lateinischen H. Der Krper des Organs luft unten (soll heissen: hinten, Ref.) schmal zu. Von hier geht im rechten Winkel ein schmaler, kurzer Schenkel ab zu einem zweiten Lappen von fast dreieckiger Gestalt. Der ersterwhnte Krper liegt dem Magen, der Lappen dem Spiraldarm an. Bezglich der Entwicklung des Spiraidarmes giebt Verf. zu- nchst ebenfalls nur das makroskopisch Wahrnehmbare. Das Material stammte von Mustelus laevis. Verf. will nachweisen, ,,dass die Spiralfalte durch Eindringen von Epithelzellen in das Mesenchym entsteht und dass die bisherige Ansicht, nach der die Spiralklappe einfach als das Resultat einer Erhebung der Darmwand gilt, als un- berechtigt abzuweisen ist". Um die Rcker t 'sehe Auffassung von der mechanischen Ursache Nr. 243-244. 156 der Entstellung des Spiraldarmes zu widerlegen, geht Verf. folgendermaen vor. Mansollsichzunchst eine gerade, durch den Darm verlaufende Falte vorstellen ; in diesem Falle ist das Darmlumen noch vllig rund. Dann tritt eine Verschiebung der Lagerung der Darmepithelien ein, weil sich die Epithelschicht in die umgebende Darmwand einbuchtet. (Verf. bezieht sich dabei auf seine an Embryoschnitten gewonnenen Bilder.) Zwischen diesen Einbuchtungen wlbt sich die Epithelschicht gegen das Lumen vor, weil dieses keinen Widerstand leistet. Die Einbuchtungen dringen immer tiefer in die Mesenchymschicht, welche dem Epithel folgt, und so entstellt die einfachste Falte. Seitendruck einerseits und Wachstum an der Spitze andererseits fhren zu einem bestndigen Hherwerden der Falte. Letztere rollt sich an ihrem freien Rande ein und so entstellt der gerollte Spiraldarm. Der gedrehte Spiraldarm bildet sich dadurch, dass sich Epithel und Mesenchym an einer Seite strker einbuchten als an der anderen. Dadurch wird der Druck verschieden und vermehrt und dem mssen die Teile folgen. Die Spiralfalte bildet sich vom hinteren Ende aus und daraus resultiert, dass der Weg, der den beiden Druckrichtungen folgt, eine Spirale sein muss". Der gerollte Spiraldarm wird durch eine breite, der gedrehte durch eine minder breite Schleimhautfalte hervorgebracht. Auf diese Weise seien auch alle Parker'schen Typen erklrbar. Der freie Rand der Klappe beherbergt 2 Gefsse und ist verdickt. Auch das Mesenchym macht eine Drehung mit, wie daraus hervorgeht, dass die Ausfhrungsgnge der Verdauungs- drsen spiralfrmig sind. Es ist das die Rckert'sche Achsen- drehung. Die mechanische Entstehung des Spiraldarmes denkt sich Verf. so, dass sich Epithel und Mesenchym einbuchten und letzteres, durch den Seitendruck zu strkerem Wachstum gereizt, aktiv das Epithel vorwlbt. Verf. geht nunmehr zur Schilderung des mikroskopisch erkenn- baren Baues ber. Als Material stand ihm Mustelus vulgaris zur Verfgung. Die Darmwand besteht aus den bekannten drei Schichten. Die Serosa ist sehr zart; ihre Zellen, die sehr dicht liegen, sind durch gegenseitigen Druck sechseckig geworden. Die Muscularis besteht aus drei Lagen. Zu usserst finden sich lngsverlaufende Muskel- faserbndel, stark mit elastischen Fasern untermischt. Die mittlere Schicht bilden cirkulr verlaufende Faserbndel mit nur wenig elastischen Elementen. Die innerste Schicht besteht wieder aus Lngsfasern mit zahlreichen elastischen Elementen. Die drei Muskel- schichten sind gleich dick. Eine Submucosa ist nicht deutlich ausgeprgt. An der Mucosa Nr. 243244. 157 sind drei Schichten zu erkennen. Eine Muskelhaut ist vorhanden, die aus einer usseren cirkulr und aus einer inneren longitudinal ver- laufenden Lage besteht. Die eigentliche Mucosa (Stratum proprium nennt sie Verf.) wird von adenoidem Bindegewebe gebildet; sie ist sehr dnn. Die Zotten werden von der dritten Schicht, dem Epithel, gebildet; sie verbinden sich untereinander in verschiedener Weise oder bleiben isoliert. Die Epithelzellen haben sehr hohe, schmal cylindrische Gestalt, der Kern liegt in jeder Zelle basal. Der Saum derselben ist stellenweise deutlich gestrichelt, an einigen wenigen Stellen sind Wimperhaare vorhanden. Die eigentliche Falte hat einen einfacheren Bau. In der Mitte liegt eine Schicht lngsver- laufender Muskelfasern, in der viel Bindegewebe mit elastischen Fasern vorhanden ist. An den Seiten dieser Schicht sind schmale Zge von cirkulr verlaufenden Fasern vorhanden. Die Mucosa ist ausser- ordentlich dnn. Die Zotten gleichen vollkommen denen der Darm- wand. Drsen, Becherzellen und Nerven im Darm nachzuweisen war Verf. unmglich. (Bei*, mchte hierzu bemerken, dass er Prparate vom Spiraldarm von Scyllium catulus besitzt, in welchen massenhaft B'echerzellen zu sehen sind, die namentlich nach Anwendung des auch vom Verf. benutzten Bismarckbraun infolge ihrer intensiven Frbung schon bei schwacher Vergrsserung deutlich erkennbar sind.) B. Ilawitz (Berlin). Retzius, (*., Zur Kenntniss der Lorenzini sehen Ampullen der Selachier. In: Biol. Untersuch. (Retzius). N. F. Bd. 8. 1898. p. 7582. Taf. 18. Die Untersuchung bezieht sich auf die gruppenweise am Kopfe der Selachier verteilten eigenartigen Organe, die als Gallertrhren oder Lorenzinische Ampullen bekannt sind. Die grobe Anordnung und Gestalt derselben wechseln bei den verschiedenen Selachiern in recht typischer Weise; dagegen fand Verf. bei Acantliius, Galeus und Raja den feineren Bau prinzipiell gleich. Die cylindrischen Rhren, die zu den Ampullen fhren, sind mit einschichtigem Plattenepithel bekleidet ; die Ampullen selbst mit ihren Seitentaschen haben ein hheres, ebenfalls ein- schichtiges Epithel, das aus zwei Arten von Zellen besteht: dick- bauchige flaschenfrmige Zellen, deren distales verjngtes Ende als ein schmaler Hals sich bis an das Lumen der Ampulle erstreckt und in seinem ussersten Ende sich mit Methylenblau tief dunkel frbt, alternieren mit schmalbauchigen Zwischenzellen, die distal erweitert sind und so die Rume zwischen den Flaschenzellen ausfllen. Der gelatinse Schleiminhalt, welcher Rhren und Ampullen vllig aus- fllt, wird von den platten Zellen der Rhre abgesondert : jede dieser Nr. 243245. 158 - Zellen trgt einen Sclileimpfeiler, dessen Querstreifung auf eine schichtenweise Absonderimg von seiten der Zelle schliessen lsst; die Pfeiler laufen zusammen und verschmelzen. Die Innervation der Ampullen wurde mittels der Methylenblaufrbung untersucht, Ein Bndel markhaltiger Nervenfasern zieht bis unter die Mitte der Ampulle, die Fasern verlieren hier die Markscheide und zeigen dann eine kerntragende spindelfrmige Verdickung, die offenbar der noch vorhandenen Schwann 'sehen Scheide angehrt; darauf teilen sie sich wiederholt dichotomisch und treten an die Aussenseite der Am- pullen, die sie mit sehr dichtem feinen Geflechte umspinnen. Ein direkter Zusammenhang der Nervenfasern mit den Epithelzellen, wie in der Riechschleimhaut, findet nicht statt ; doch legen sich die Fasern den Zellen dicht an und endigen an ihnen mit Endknpfchen und Endscheiben. Die Flaschenzellen knnen ihrer Form und Anordnung nach sehr wohl als sekundre Sinneszellen aufgefasst werden. Das Rtsel der Lorenzinischen Ampulle ist damit freilich nicht gelst, vor allem nicht die Entscheidung gebracht, ob ein sekretorisches oder ein sensorisches Organ vorliegt: Die Nervenendigung knnte sowohl eine sensorische wie eine sekretorische sein ; gegen die nur sekretorische Funktion der Ampulle spricht die gelatinse Natur des Secrets und die Beschaffenheit der Flaschenzellen. Verf. meint, dass man es hier mit einer Art von nervsen Organen zu thun hat, die den Selachiern gewissermaen eigentmlich und deshalb sehr schwer zu deuten sind. R. Hesse (Tbingen). 246 Haus, George A., Beitrge zur Anatomie und Histologie des Darm k anales bei Anarrhichas lupus. In: Internat. Monats- schr. f. Anat, u. Phys. Bd. 14. 1897. p. 4252. Taf. V. Man kann bei dem vom Verf. untersuchten Fisch Oesophagus, Magen und Darm unterscheiden. Am Darm sind Mittel- und End- darm nicht zu trennen, da beide Abschnitte in einander bergehen, ohne irgend welche Unterschiede zu zeigen. Der kurze Oesophagus besitzt dieselbe Weite wie der Magen; seine Schleimhaut sieht makroskopisch ganz wie die des Magens aus, sie besitzt Lngsfalten. Das Mundepithel setzt sich auf den ganzen Oesophagus fort und reicht bis zum Beginne des Magens, sodass hierdurch ein Unterschied vom Oesophagus der brigen bisher unter- suchten Teleosteer konstatiert ist, Das Epithel ist ein mehrschich- tiges Plattenepithel oder vielleicht ist es richtiger als eine Art ber- gangsepithel aufzufassen. Im Epithel sind zahlreiche Schleimzellen vorhanden und ausserdem trifft man darin zahlreiche Leukocyten und Erythrocyten. Eine Muscularis mucosae fehlt. Die Basalmembran. Nr. 245-246. 1 59 auf der das Epithel aufsitzt, ist fibrillr. In der Submucosa kommen zahlreiche, zerstreut liegende Bndel von quergestreiften Muskeln vor, die in die Falten hinaufreichen, in deren Lngsachse sie ver- laufen. Die Muscularis zeigt eine umgekehrte Anordnung wie bei anderen Yertebraten, indem hier die innere longitudinal, die ussere cirkulr verluft. Auch diese Muskulatur ist quergestreift. Der Magen wird vom Darme durch eine einem Pylorus ent- sprechende eingeschnrte Partie getrennt. Das Epithel ist ein Cylinder- epithel, das in einfacher Schicht liegt. Eine Basalmembran ist nicht zu erkennen. Der dem Lumen zugekehrte Teil der Zellen zeigt schleimige Metamorphose. Eine Muscularis mucosae ist auch hier nicht zu unter- scheiden. Die Muscularis des Magens besteht aus glatten Muskeln und hat wieder die gewhnliche Anordnung, innere cirkulre und ussere longitudinale Schicht. Die Magendrsen, die sich von der Gardia bis zum Pylorus finden, sind acinse Drsen und gleichen den Brunner'schen Drsen der Suger. Sie liegen in Hufchen im sub- muksen Gewebe ; jedes Hufchen hat eine dicke Membrana propria, welche Septa zwischen die Acini sendet. Die in einem Hufchen liegenden Acini mnden in gemeinsamem Ausfhrungsgange nach aussen; die Mndungsstelle erscheint als Magenkrypte. Dicht unterhalb der Einschnrung, die Magen und Darm trennt, findet man jederseits eine knopffrmige Bildung, die als rudimentre Appendix pylorica zu fassen ist. Die Darmschleimhaut hat unregelmige Falten, deren Haupt- richtung in der Lngsachse des Darmes verluft. Das Epithel ist ein hohes Cylinderepithel, das dem des Magens in vieler Beziehung gleicht. Es sitzt auf einer fibrillren Basalmembran auf, die sehr dick ist. Das Kryptenepithel stimmt mit dem Oberflchenepithel berein. Drsen sind nicht vorhanden. Eine Muscularis mucosae fehlt. Die Muskulatur besteht aus glatten Muskeln, welche die ge- whnliche Anordnung zeigen. B. Rawitz (Berlin). 247 Knauthe, Karl, Zur Kenntniss des Stoffwechsels der Fische. In: Pf lger 's Arch. f. d. ges. Physiol. Bd. 73. 1898. p. 490 500. Die Versuche wurden an Karpfen angestellt, bei denen die Re- spiration, die Harn- und Kotausscheidung der Analyse unterworfen wurde. Betreffs der Methode verweist Verf. auf eine frhere Abhand- lung (Zeitschr. fr Fischerei 1897. Nr. 5 und 6 und 1898 Nr. 2). Als Hauptrcsultat der Untersuchung ist hervorzuheben: Bei den Karpfen haben die Eiweisskrper einen hohen Anteil am Gesamtum- satz im Hunger. Whrend bei hungernden Menschen nur etwa x /s Nr. 246-247. 160 der Energieentwickelung auf Eiweiss entfllt, beim Kaninchen noch nicht l ls, entfiel bei den Karpfen in einigen Fllen mehr als die Hlfte der Energieentwickelung auf das verbrannte Eiweiss. Dem- entsprechend ist auch die Gewichtsabnahme der Tiere bedeutend. Der Gesamtenergiewert der in 24 Stunden pro kg umgesetzten Krpersubstanz betrgt beim Karpfen 17 18 Calorien (bei 17 20 Cels. Temperatur), beim Menschen etwa 26 Calorien, beim Kaninchen etwa 52 Calorien. Die Grsse des Stoffumsatzes steigt mit steigen- der Temperatur. Bei gleicher Temperatur haben jngere kleinere Tiere einen hheren Stickstoffumsatz, als ltere grssere. Auffallend ist, dass nicht die grssten, sondern mittelgrosse Tiere den geringsten Stickstoffumsatz zeigen. Gegenber dem Stoffumsatz der Hungertiere wurde eine erheb- liche Steigerung des Stoffverbrauchs bei Ftterung der Tiere nach- gewiesen. In Bezug auf die Abhngigkeit des Stickstoffumsatzes von der Ernhrung wurden die fr den Warmblter bekannten Gesetze gefunden. Bei einseitiger Zufuhr von Kohlehydraten sinkt der Stick- stoffumsatz unter den Hungerwert. Die Verdauung gekochter Strke verschlechterte sich bei jngeren Karpfen von Tag zu Tag, wenn kein Eiweiss mit der Nahrung verabreicht wurde, so dass schliesslich im Kot die ganze Menge der verftterten Kohlehydrate wiedergefunden wurde. Reine Eiweissnahrung bewirkte Durchfall, an dem die Tiere zu Grunde gingen. Mangel an Mineralstoffen in der Nahrung fhrte zu Verdauungsstrungen und vermehrtem Eiweisszerfall. F. Schenck (Wrzburg). Amphibia. 248 Beer, Th., Die Accommodation des Auges bei den Amphi- bien. In: Pflger's Aren. f. d. ges. Physiol. Bd. 73. 1898. p. 501534. Verf. fasst die Ergebnisse seiner Versuche, in denen die Refraktion bei verschiedenen Amphibienarten ophthalmoskopisch bestimmt und die Accommodation durch knstliche elektrische Reizung der in Be- tracht kommenden Muskeln untersucht wurde, in folgende Stze zusammen : Die Refraktion fr Luft der untersuchten, vorwiegend am Land lebenden Amphibien (Borna, Bufo, Salamandra) und die Refraktion fr Wasser der vorwiegend im Wasser lebenden {Triton) liegt hchst wahrscheinlich zwischen Emmetropie und geringer Myopie. Gegen eine hhere Myopie im Ruhezustande, wie sie fr Wasser den Fischen und Cephalopoden eigen ist, spricht einerseits die durchgreifende Ab- wesenheit einer Accommodation fr die Ferne, anderseits das Vor- Nr. 247248. 161 handensein einer bei einigen Arten konstatierten Accommodation fr die Nhe. Im Wasser sind die erstgenannten Amphibien abweichend von den eigentlichen Wassertieren, den im Ruhezustand kurzsichtigen Cephalopoden und Knochentischen, hochgradig weitsichtig; die Triton- Arten hingegen werden durch das Inkrafttreten der Hornhautbrechung hochgradig kurzsichtig, wenn sie ans Land kommen. Einigen Arten unter den Amphibien durchaus nicht allen kommt das Vermgen der Einstellung des Auges auf verschiedene Entfernungen zu. Es findet, wie bei allen anderen Wirbeltieren mit Ausnahme der Fische, eine aktive Einstellung des Auges fr die Nhe statt. Die positive Accommodation kommt nicht, wie bei Echsen, Schildkrten, Krokodilen, Vgeln und Sugern, durch Vermehrung der Linsenwlbung zu stnde. Die Einstellung fr die Nhe geschieht hier vielmehr wie dies bisher nur von den Schlangen bekannt war - durch eine Entfernung der in ihrer Wlbung unvernderten Linse von der Netzhaut. Der Ciliarnmskel steigert, wenn er sich zusammenzieht, den Druck im Glaskrper, und dieser drckt den beweglichsten Anteil seiner Umgrenzung - - die im Ruhezustand sehen stark gewlbte Linse vor, das Kammerwasser weicht nach der Peripherie aus, wo durch die Aktion des Muskels zugleich eine Ver- tiefung der Hornhaut-Irisbucht eintritt. Nach Aufhebung des intraokularen Druckes durch Erffnen des hinteren Augenabschnittes ist das Accommodationsphnomen nicht mehr zu produzieren. Der Iris kommt auch im Amphibienauge keine wesentliche Rolle beim Accommodationsmechanismus zu. Die Accommodationsbreite der Amphibien ist eine geringe; bei vielen {Puma, BomUnator, PleurodeJes) sinkt ihr Wert bis 0. Mag diesen Tieren auch in Anbetracht der Kleinheit des Auges und der relativ groben Netzhautmosaik eine Accommodation weniger erforder- lich sein, so kann doch keinenfalls die frher verbreitete Meinung aufrecht erhalten werden, dass alle diese Tiere in Luft und Wasser gleich gut sehen und fr annhernd gleiche Entfernung eingestellt seien. Vielmehr ist vorlufig keine Einrichtung bekannt, durch welche diese Tiere befhigt wrden, die sie im Wasser befallende Hyper- metropie hohen Grades auszugleichen, oder andererseits die am. Lande sie befallende Myopie durch eine Verminderung der Brechkraft des Auges zu korrigieren. Den meisten Amphibien, welchen die Accommodation fehlt, ist nchtliche Lebensweise und intensive Pupillenreaktion auf Licht gemein. Diesen Tieren wrde vielleicht im Dunkeln die Accommoda- Zoolog. Centralbl. VI. Jabrg. ]^ r 24g IQ 162 tion nicht viel ntzen, im hellen Licht aber vermag die Enge des Irisdiaphragmas sie einigermaen zu ersetzen. Zum Schluss giebt Verf. eine bersicht ber die Lehre von der Refraktion und Accommodation des Auges in der Tierreihe, wie sie sich nach seinen vorliegenden und frheren Untersuchungen hierber gestaltet. F. Schenck (Wrzburg). 249 Griacomini, E., Slle terminazioni nervse nella pelle delle dita di Spelerpes (Geotriton) fuscus e di Hyla arborea. In: Atti R. Accad. Fisiocrit. Siena Ser. IV. Vol. 10. Nr. 4. 1898. 1 pag. In der Haut der Zehen von Spelerpes und Hyla finden sich ausserordentlich reichliche Nervenendigungen, die bis unter die Hornschicht reichen; es ist zuweilen schwer zu sagen, ob sie ein blosses Gellecht oder ein wirkliches Netz bilden. Die sog. Endzellen von Eberth und Bunge mssen als sternfrmige Binde- gewebskrperchen angesehen werden, die den Nerven Verstelungen anliegen. In der Haut der Haftscheiben von Hyla finden sich kranzfrmige Nervenendigungen, die besonders die oberflchlichen Lagen des Coriums einnehmen. Die alveolren Hautdrsen mit deutlicher Muskelhlle sind von einem Netz dnner Nervenfasern umgeben, die den Meridianen der Drsen folgen und dnne anastomosierende Astchen einander zusenden; dies Nervennetz ruht auf den glatten Muskelzellen der Muskelhlle. Um die tubulsen Drsen der Haftscheiben legt sich ein mehr oder weniger unregelmfsiges Geflecht dnner Nervenfasern. R. Hesse (Tbingen). 250 Rejsek, Jos., L'histologie de Toeil de Gryptobranchus japonicus. In: Bibliogr. anat. 5e annee Nr. 3. 1897. p. 139147. 1 Taf. Die Augen von Cryptbranchus sind ausserordentlich klein; bei einem fast 1 m langen Stck betrgt die Lnge des Auges in der Achse nur 8 mm. Die Form ist die einer Birne, wobei der Sehnerv dem nach innen gekehrten Stiel entspricht. Das Auge ist in seiner ganzen Ausdehnung von einer hyalinknorpligen Sclera umgeben, die in einigen Zellen Pigment enthlt. Die Elemente der Retina sind von betrchtlicher Grsse. In der Schicht der Ganglienzellen finden sich ausser den grossen Ganglienzellen noch kleinere Zellen mit intensiv frbbarem Kern, wie sie auch in der inneren Krnerschicht vorkommen. In der inneren granulierten Schicht lassen sich vier bis fnf gesonderte Lagen unterscheiden. Die innere Krnerschicht enthlt fnferlei verschiedene Zellen: 1. Zellen mit homogenem, dunkel frbbaren Kern, wie sie auch in der Schicht der Ganglienzellen vor- kommen; 2. Zellen mit grossem runden Kern, wahrscheinlich Nerven- zellen; 3. liegen hier die Kerne der Mller'schen Sttzfasern (im Text schreibt Verf. richtig fibres radiees ou fibres de soutien de Mller", fhrt die beiden Namen dagegen im Resume'' neben einander fr verschiedene Gebilde auf. Ref.) 4. Zellen an der inneren und usseren Grenze der Schicht, mit ovalen Kernen, die den Retina- Nr. 248-250. - 163 - schichten parallel liegen, und zahlreichen Fortstzen ; 5. zellartige Ge- bilde von hnlicher Form, ohne Kerne. Die drei letzteren rechnet Verf. zum Bindegewebe, von den ersten lsst er es unentschieden. ob sie nervser oder bindegewebiger Natur seien. Die ussere granu- lierte Schicht ist von unbedeutender Dicke. In der usseren Krner- schicht liegen die grossen, runden oder ovalen Kerne in zwei Reihen. Die Kerne der Stbchen ragen mit dem grssten Teil ihres Krpers aussen iiber die Membr. limitans ext. hinaus. Die Zapfen sind sehr selten und dnn. An den usseren Teilen der Stbchen lsst sich in deren Achse eine frbbare Substanz wahrnehmen, die besonders auf Querschnitten durch die Stbchen deutlich hervortritt; Verf. erklrt sie fr eine axiale Faser. Man findet hie und da Doppelstbchen, ausserdem Stbchen, die den Schwalbe'schen Stbchen der Frosch- retina entsprechen, und schliesslich degenerierende Stbchen. Die Chorioidea ist stark entwickelt, Linse und Iris zeigen keine Be- sonderheiten, die Cornea zeichnet sich durch starke Gefsse aus, die sich ber die ganze Flche derselben ausbreiten. R. Hesse (Tbingen). Reptilia. 251 Osawa, Gakutaro, Beitrge zur Lehre von den Ein ge weiden der Ratteria punctata, In: Arch. f. mikr. Anat. u. Entwicklgesch. Bd. 49. 1897. p. 113-226. Taf. 814. Verf. schildert zunchst die makroskopischen Verhltnisse der Verdauungs-, Atmungs- und Urogenitalorgane. Verdauungsorgane. Entsprechend der Schdelform ist die Mundhhle kegelfrmig. Der Pharynx wird durch die stark vor- springenden Mm. pterygoidei sehr verengt, sodass er nur einen schmalen Spalt in der Medianlinie darstellt. Ventral von demselben liegt der Larynx und vor diesem die Zunge; dadurch wird die Rachen- hhle noch mehr verengt. Am Dache der Mundhhle sind verschiedene Vorsprnge zu erkennen. Die Zunge ist ein fleischiges Organ von lnglich -dreieckiger Gestalt; an ihrer hinteren Flche ist sie zur Aufnahme des Larynx eingeschnitten. Bezglich der Zhne werden die Angaben Gnther 's besttigt. Einen Vomerzahn hat Verf. unter fnf Exemplaren nur einmal angetroffen. Besondere Speicheldrsen fehlen. Der anfangs weite, dann sich trichterfrmig verengernde Oesophagus besitzt zahlreiche longitudinale Falten. An der Grenze zum Magen hat er eine Einschnrung. Der hinter der Leber, vor Lungen und Milz gelegene Magen wird an der Cardia von den Lungen umfasst; am Pylorus, dessen Klappe nicht immer deutlich ist, zeigt er eine kleine Einschnrung. Seine Gestalt ist also spindel- - Nr. 250-251. 13* 164 frmig. Er ist fast parallel zur Wirbelsule gestellt; seine Schleim- haut hat gegen den Pylorus hin sich abflachende Lngsfalten. Der kurze Mitteldarm bildet zwei bis drei Schlingen und liegt in der rechten Hlfte des Leibes. Das Colon ist kurz, hat aber ein weiteres Lumen als der Mitteldarm ; es besitzt an der Grenze gegen letzteren eine Art Coecum. Von der Kloake ist er durch die mchtige Leydig- sche Mastdarmklappe getrennt. Mittel- und Hinterdarm haben Lngs- falten, die sich durch Seitenfalten verbinden. Die Leber ist relativ gross, deckt den Darmkanal ventralwrts fast vollstndig und erscheint dorso-ventral abgeplattet, cephalo-caudal verlngert. Sie besteht aus drei Lappen, zwei vorderen ventralen und einem hinteren dorsalen. Das Ligamentum Suspensorium setzt sich an die ersteren an. Die erbsengrosse Gallenblase liegt in der Mitte des caudalen Randes. Im Ligamentum hepato-gastro-duodenale verlaufen getrennt zwei Gallenausfhrungsgnge und mnden in den Anfangsteil des Mitteldarms; sie entspringen gabelfrmig aus Leber und Gallenblase, sind also Ductus choledochi. Vor ihnen liegt die Arteria hepatica, hinter ihnen die Vena portarum. Ausserdem kommen noch zwei Verbindungsgnge zwischen Leber und Gallenblase vor, Ductus hepatici. Das Pancreas hat einen kleineren ventralen und grsseren dor- salen Abschnitt, welche beide gesondert in den Mitteldarm mnden. Die Milz ist keulenfrmig , am proximalen Ende spitz , am distalen dick. Die Atmungs organe. Der Larynx wird von einem ring- frmigen dorsalen und zwei ventralen Knorpeln gebildet, welch letztere dreieckige Gestalt haben und als Aryknorpel zu bezeichnen sind. An Larynxmuskeln sind zu erkennen : der paarige Diktator glottidis, der paarige Constrictor laryngis und der Levator laryngis, ber dessen paarige oder unpaare Natur keine ausdrckliche Angabe gemacht wird (nach der Figur zu schliessen, scheint er unpaar zu sein). Die Trachea besteht aus Halbringen, die dorsal offen sind. Die aus der Trachea entstehenden beiden Bronchi sind kurz. Bezglich des Baues der Lungen wird auf die Arbeit von M i 1 a n i verwiesen (vergL Z. C.-Bl. IL p. 65). Ihr oberes Drittel liegt dorsal vom Magen, ihre Hauptmasse findet sich im Bauchraume, beiderseits vom Magen. Die Schilddrse ist ein strangfrmiges, querverlaufendes Ge- bilde, das oberhalb des Pericards die Teilungsstelle der Aorta ber- brckt. Harn- und Fortpflanzungsorgane des cf. Die Nieren liegen fast ganz im Becken, dorsal von der Kloake. Sie bestehen je aus mehreren Lppchen; ventral verluft in einer medialen Lngsfurche Nr. 251. 165 jederseits der Ureter. Dieser erhlt kleinere Zweige von jedem Lppchen und tritt innerhalb der Kloakenwand zur Papilla urogeni- talis. Auf der Spitze der letzteren mndet er gemeinsam mit dem Vas deferens. Die Harnblase ist gross und mndet in der ventralen Kloakenwand mit kleiner ffnung. Die Hoden liegen beiderseits von der Wirbelsule im Bauchraume : der linke ist tiefer zum Becken gerckt, Diese elliptischen Organe haben eine ventrale konvexe und dorsale konkave Flche. Die Nebennieren finden sich an der medialen Seite der Hoden und sind lange, gelbliche Strnge. Die Nebenhoden sind zwischen Hoden und Nebenniere gelegen, verjngen sich kaudalwrts und gehen jederseits als dnnes Vas deferens in die Kloake. Diese letztere, deren Innenflche Lngsfalten besitzt, hat an der dorsalen Wand, 1 cm von der usseren ffnung entfernt, zwei Papulae urogenitales, denen gegenber an der ventralen Wand die ffnung der Harnblase gelegen ist. Nahe der usseren Mndung finden sich zwei rundliche Gebilde, die in die Kloake mnden: es sind dies zwei Drsen, welche ein nach Moschus riechen- des Secret absondern. Nach dieser rein anatomischen Beschreibung geht Verf. zur Schilderung der mikroskopischen Verhltnisse ber, von denen hier nur die wichtigsten Ergebnisse der Untersuchung mitgeteilt werden sollen. In den Lippen sind sowohl auf der Aussen- wie Innenseite Drsen vorhanden, deren ausfhrende ffnungen vom geschichteten Epithel der Lippen bekleidet werden. Nur die Unterlippe hat Muskeln. In der Mundhhle finden sich hnliche Drsen wie an der Innenseite der Lippen. Das geschichtete Plattenepithel wird im Pharynx zu einem geschichteten Flimmerepithel, dem beim bergang zum Oeso- phagus Becherzellen beigemischt sind. An der Zungen Oberflche sind ein vorderer grsserer und ein hinterer kleinerer Bezirk zu unterscheiden. Im letzteren rindet man Flimmer- und Becherzellen, im ersteren lange Papillen, die teils faden- frmige, teils knopffrmige Gestalt haben. Die knopffrmigen Papillen enthalten Geschmacksorgane. Ausserdem finden sich in den Papillen Drsen (intrapapillre Drsen). An Muskeln sind drei gut getrennte zu unterscheiden: a) ein M. genioglossus, dnn und breit, vom vorderen Kieferwinkel in die Substanz der Zunge gehend, b) M. hyoglossus, vom Keratohyale aus in der Lngsrichtung der Zunge verlaufend, c) M. basi-hyalis proprius, ein cirkulres Fasersystem um das Os ento- glossum bildend. Das Os entoglossum besteht aus hyalinem Knorpel. Die Zhne bestehen hauptschlich aus Dentin, whrend der Schmelz - Nr. 251. - 166 fehlt. Die Pulpahhle kommuniziert mit der Markhhle des Knochens. Drsen, die als besondere kompakte Massen imponieren, fehlen bei Hatteria; nur die vorhin bereits erwhnte Form ist vorhanden. Ge- schmacksorgane finden sich in der Gaumenschleimhaut, den Zungen- papillen (die vorher bereits angefhrt), in der Mucosa des Pharynx, am Eingange des Larynx, im Oesophagus, an der Innenseite der Lippen. Es sind Haschenfrmige, mit der Breitseite auf der Cutis (?) aufsitzende Gebilde, die von zwei Zellarten gebildet werden, einer cilientragenden schmalen und fein granulierten und einer hellen und breiten. Das Epithel des Oesophagus ist ein geschichtetes Flimmer- epithel. Drsen besitzt der Oesophagus nicht ; in der Mucosa kommen viele Lymphzellen vor. Der Magen hat ein einschichtiges Epithel von Cylinderzellen ; seine Drsen, die am Anfangsteil am besten ausge- bildet sind, sind manchmal verstigte Schluche. Im Mi tt eidarm fehlt jegliche Drsenform, die Becherzellen sind reichlich entwickelt. Das Pancreas, eine zusammengesetzt tubulse Drse, gleicht dem aller anderen Reptilien. Die Leberzellen sind in Form von Schluchen angeordnet, die Schluche sind durch blutgefsshaltiges Bindegewebe und durch Fettzellen getrennt. Die Milz bietet keine Besonderheiten. Die histologische Untersuchung des Larynx und der Trachea, hat keinerlei Besonderheiten ergeben. Die Lunge ist ein hohler Sack, von dessen Wand zahlreiche Septa gegen das Lumen vorspringen. Der Grundbestandteil des Organes sind glatte Muskelfasern und Binde- gewebe; in letzterem liegen Gefsse und Nerven. Sehr reich an elastischen Fasern ist das Organ nicht. Das Epithel ist an dem freien Rande der Septa ein zweischichtiges wimperndes Cylinderepithel, in den eigentlichen Alveolen sind die Epithelzellen dagegen abgeplattet und breit, fiimmerlos und nahezu einschichtig. Die Schilddrse besteht aus Follikeln, welche durch Bindegewebe getrennt sind; die grsseren Follikel liegen im centralen Teile des Organs, die kleineren nehmen meist die Peripherie ein. Im Lumen vieler Follikel ist Colloidmasse vorhanden. Niere. Jeder Reniculus zeigt in der Mitte Querschnitte von grsseren und kleineren Gefssen, die durch Bindegewebe zu einer Lngskette vereinigt werden - '. Dadurch wird der Reniculus gewissermaen halbiert. Jederseits von dieser Kette liegen sieben oder acht Glomeruli. Die Harnkanle gehen vielfach gewunden zur Peripherie, dann zum Centrum zurck; hier machen sie wieder einige Biegungen, geben dann in geradem Laufe zur Peripherie und mnden hier in die Sammelrhren. Das Epithel des inneren Blattes des Nr. 251. ^ 167 Glomeruhis besteht aus kubischen, das der usseren aus platten Zellen. Im gewundenen Abschnitt sind die Zellen hoch, breit und dunkel und bleiben so bis zu dem Abschnitte, der gerade zur Peripherie geht, dessen Lumen weit, dessen Zellen niedrig sind. Die Sammel- rhren haben hohe schmale Cylinderzellen. Das Epithel des Ureters ist zweischichtig; die Harnblase ist dnnwandig, besitzt ein ge- schichtetes Cylinderepithel und hauptschlich longitudinale Muskel- zg^. Die Hoden kanlchen sind wenig geschlngelt und verlaufen in der dorso-ventralen Richtung des Organes. Ihr Epithel ist mehr- schichtig. Im interstitiellen Bindegewebe sind Gruppen gelbbrun- 'icher Pigmentzellen vorhanden. Die im Nebenhoden gefundenen Spermatozoon haben einen verdickten cylindrischen Kopf und ge- schlngelten Schwanz. Der Nebenhoden wird von einem mittleren grossen Kanle und mehreren kleineren seitlich von jenem gelagerten gebildet; diese Kanle werden durch pigmenthaltiges, lockeres Binde- gewebe unter einander verbunden. Der grosse Kanal hat ein ge- schichtetes Cylinderepithel, das der Wimpern entbehrt. Die kleinen Kanle tragen ein einschichtiges flimmerndes Cylinderepithel. Der Rest des Mller 'sehen Ganges beim o ist ein offener Kanal, der bis zum Parietalgekrse kapitalwrts reicht. Sein Epithel ist ein einschich- tiges niedriges Cylinderepithel, das anfnglich wimperlos ist, spter aber Wimpern erhlt. Die Nebennieren bestehen aus unregelmig verlaufenden Strngen, die durch Bindegewebe zusammengehalten werden. Man findet rundliche Zellen, Pigmentzellen und Ganglienzellen. Die Papilla urogenitalis und die Kloake haben nichts sie speziell von den gleichen Gebilden anderer Reptilien Unterscheidendes- Der Abhandlung ist ein 321 Nummern umfassendes, die ver schiedensten Gebiete bercksichtigendes, und im Nachtrage ein neun Nummern aufweisendes,, das Gebiss von Hatteria betreffendes Litera- turverzeichnis beigegeben. B. Rawitz (Berlin). Osawa, G., Beitrge zur Lehre von den Sinnesorganen der Hatteria punctata. In: Arch. mikr. Anat. 52. Bd. 1898. p. 268366. Taf. 1618. Verf. hat in einer Reihe von Aufstzen den Bau der Organe von Hatteria systematisch geschildert und mit anderen Tieren ver- glichen, konnte jedoch in den feineren Bauverhltnissen keinen An- klang an die Amphibien finden. Der vorliegende Aufsatz behandelt die Sinnesorgane von diesem Gesichtspunkte aus. Das Auge gleicht im Bau von Retina und Linse, von Cornea. Nr. 251252. 168 Sclera und Scleralknchelchen dem der Saurier. In der Retina konnte Verf. eine Area centralis nicht auffinden ; dieselbe wurde jedoch von Kallius (Anat. Anz. 14. Bd. 1898. p. 623 624) als vorhanden nach- gewiesen und abgebildet. Im oheren Augenlid sind nicht, wie bei der Eidechse, Hautknochen vorhanden ; quergestreifte Muskeln, die frhere Autoren im Oberlid der Eidechse beschrieben, finden sich weder dort noch bei Hatteria. Dagegen lsst Hatteria die Thrnen- driise, die der Eidechse zukommt, vollkommen vermissen; sie hat dies mit den Agamen gemein. Auch die Geruchsorgane gleichen im ganzen denen der Eid- echse. Die Choanenffnung liegt ganz vorn im Munddach; in den vorderen Teil der Choane mndet von der lateralen Seite der Thrnen- nasengang, etwas weiter vorn als bei der Eidechse, von der medialen Seite das Jakobson'sche Organ. Die Auskleidung der usseren Nasenhhle ist in der vorderen Hlfte eine Fortsetzung der Krper- epidermis, ausgezeichnet durch eigentmliche Becherzellen, die sich auch bei der Eidechse finden; in der hinteren Hlfte hat sie das Aussehen einer Schleimhaut. Das mehrschichtige Riechepithel, dessen Verbreitung bei mangelhafter histologischer Erhaltung an dem Vor- kommen von Bow man 'sehen Drsen zu erkennen ist. nimmt das ganze Dach und die hintere obere Ecke der Nasenhhle, sowie das Septum bis zu dessen Basis ein, wie bei der Eidechse. Der Drsen- apparat zeigt eine unvollkommene Entwickelung insofern, als die Nasenmuschel, die bei der Eidechse mit Driisenmasse vollgestopft ist. hier nur einen mit Becherzellen ausgekleideten Hohlraum enthlt. Gehrorgan: Die kncherne Gehrkapsel wird vom Prooticum (lateral vorn), Opisthoticum (lateral hinten) und Supraoccipitale (medial) zusammengesetzt und hat die Gestalt einer dreiseitigen Pyramide mit dorsal schauender Basis. Das kncherne Labyrinth wird durch die Crista vestibuli in einen dorsalen Recessus ellipticus (der den Utriculus umschliesst) und einen ventralen Rec. sphaericus (der den Sacculus enthlt) geteilt; von letzterem wird durch die Crista basilaris vesti- buli" der Rec. cochlearis abgeteilt, eine trichterfrmige, die Lagena umfassende Grube. Vom Rec. ellipticus gehen in gewhnlicher An- ordnung die Bogengnge aus. Die Teile des hutigen Labyrinths, Utriculus und Sacculus, liegen bei Hatteria fast ber einander, whrend bei der Eidechse der Sacculus viel hher, neben dem Utri- culus liegt. Die Macula acustica saeculi zeigt hier ein merkwrdiges Verhalten: sie beginnt am vorderen Rande der medianen Sacculus- wandung und teilt sich in zwei nach hinten verlaufende Schenkel, so dass manche Schnitte zwei getrennte Maculae aufweisen. Die Stria vascularis der Cochlea ist bei Hatteria durchaus epithelialer Natur. Nr. 252. 169 - Das Fehlen einer Trommelhhle und die unvollkommene Differenzierung der usseren (epidermalen) Schicht des Trommelfells sind Eigen- schaften, die Hatteria mit manchen anderen Sauriern teilt. R. Hesse (Tbingen). Aves. 253 Lucas, Frederic A., The tongues of birds. In: Ann. Rep Smithson. Institut, etc. for the year ending june 30. 1895. Report of the U.-S. Nat. Mus. Washington 1897. p. 10011020. 2 plates. Wenngleich die Zunge der Vgel in enger Beziehung zum Schnabel steht, so ist doch des letzteren Gestalt kein Kriterium fr die der ersteren. Der Schnabel ersetzt die Hand, die Zunge ist ein Finger und ihre Bedeutung besteht in der Erlangung oder Zurichtung des Futters. Wre von allen Vgeln die Art ihres Futters bekannt, so wrde die verschiedenartige Gestalt der Zunge leicht zu ver- stehen sein. Verf. betrachtet zunchst die Knochen der Zunge, von deren Beschaffenheit die Beweglichkeit und Kraft des Organes abhngt. Sind alle Knochen vorhanden, so sind es deren acht: die drei vordersten dem Hyoid, die fnf hintersten dem ersten Kiemenbogen entsprechend. Bei aller Verschiedenartigkeit in den Verhltnissen dieser Knochen zu einander, sind die Unterschiede dennoch nicht sehr bedeutend. Die Zunge steht in direkter Beziehung zu den beiden vordersten Knochen, whrend die anderen hauptschlich den Muskeln des Organs zum Ansatz dienen. Sind die beiden vordersten (Os entoglossum, Copula) stark ausgebildet, so ist die Zunge dick und fleischig, z. B. bei Anas. Sind diese Knochen klein oder gar knorplig, dann hat die Zunge wenig Bedeutung (z. B. Casuarius) oder ist bei- nahe rudimentr (z. B. Pelecanus). Sind die hinteren Knochen lang, so kann die Zunge weit vorgestreckt werden und die Lnge der Knochen ist der Vorstreckungsmglichkeit direkt proportional. Die Verhltnisse der Keratobranchialia wirken auf die Lnge des Schnabels ein. Die Beziehungen des Hyoids sind inniger zu der Zunge der Vgel als zu der anderer Vertebratengruppen. Eine eigenartige Einrichtung findet sich bei Carus carolinensis ; vorne fehlt der Epidermisberzug der Zunge, sodass die vordersten, knorpligen Bestandteile der Keratohyalia hervorsehen. Die kleinste, wenigst entwickelte Zunge haben die fischfressenden Vgel, fleischfressende haben eine vergleichsweise einfache Zunge. Eine einfache Zungenform - - dnn, leicht geklftet und an der Spitze gefiedert - - findet sich bei den Turdiden etc. Stutzt man ein wenig die Spitze und kruselt den Rand, so hat man die Zunge Nr. 252253. 170 einer Alaudidenart. Und die Variation dieses Themas giebt die Zungenformen der meisten kleinen Singvgel. (Verf. geht hier auf Details ein, die sich zum Referate nicht eignen.) Die Zunge der Hirundiniden ist der Typus eines fr den Insektenfang passenden Organs. Dieselbe ist fleischig, wenn auch nicht so dick wie bei den Samenfressern, und hat bei vielen Arten an der Basis zahlreiche Papillen, whrend bei anderen die Papillen mehr ber die ganze Zunge verteilt sind. Bei einigen Wasservgeln kommen ebenfalls einfache Zungen vor. Die Trochiliden haben alle eine nach gleichem Typus gebaute Zunge : lang, dnn, tief gespalten, an jeder Seite mit einer zarten einge- rollten Membran besumt. Die Zunge der Holzpicker (Pici) ist nach einem Typus gebaut: lang, schmal, rund oder elliptisch, leicht gefranzt (Verf. sagt: brtig) zu jeder Seite und an der Spitze, auf der oberen Flche mit rck- wrts gerichteten Dornen bedeckt, die so klein sind, dass man zu ihrer Erkennung eines Vergrsserungsglases bedarf. Aber gleichzeitig ist die Zunge dieser Vgel ein gutes Beispiel zur Erkennung der durch Anpassung an das Futter herbeigefhrten Abnderungen. Colaptes auratus z. B. hat weniger Fransen an seiner Zunge als andere Arten, er bat eine der lngsten Zungen berhaupt und be- sitzt die grssten Speicheldrsen. Er frisst hauptschlich Ameisen, die etwa 40 o seiner Nahrung ausmachen. Eine andere kleine Piciden-Art, die weniger Wrmer oder Ameisen sucht, sondern haupt- schlich sssen Pflanzensaft saugt, hat eine hierfr vorzglich geeig- nete Zunge. Wegen der brigen Beispiele, die alle zu referieren berflssig erscheint, sei auf das Original verwiesen. Ref. mchte die Gelegen- heit nicht vorbergehen lassen, um einen schon von anderer Seite wiederholt ausgesprochenen Wunsch noch einmal und sehr lebhaft auszusprechen: nmlich den Wunsch, dass unsere englisch schreiben- den Kollegen nicht ausschliesslich die Vulgrnamen zur Bezeichnung der Tiere verwenden, wie dies Verf. gethan, sondern die wissenschaft- lichen Namen. Dazu sind ja die letzteren da, dass sie ein inter- nationales Verstndigungsmittel bieten, whrend die Vulgrnamen eine solche Verstndigung sehr erschweren. Verf. der referierten Arbeit hat fast nie die wissenschaftliche Bezeichnung gewhlt, die ihm als Museumszoologen doch am nchsten liegen sollte. B. Rawitz (Berlin). Mammalia. 254 Grote, Robert, Beitrge zur Entwicklung des Wieder- Nr. 253254. 171 kuermagens. In: Zeitschr. f. Naturwiss. Bd. 69. 1896. p. 387479. Taf. 6. An einem Embryo von Cervus capreolus L. mit drei Paaren deutlich ausgebildeter Kiemenbgen es war dies das jngste Ent- wickelungsstadium, das Verf. zu seinen Untersuchungen zur Verfgung hatte war, wie an Schnittprparaten konstatiert wurde, das ge- schlossene cylindrische Darmrohr in der Mitte seiner Lngenausdehnung etwa um das vierfache weiter als in den brigen Partien. Gleichzeitig hatte es hier eine mehr ovale Form angenommen, deren Lngsdurchmesser schrg von links dorsal nach rechts ventral orientiert war. Das Mesoderm des Darmes ist etwa vier mal so dick als das Entoderm; beide stellen mehr eine Anhufung von Kernen dar als distinkte Zelllager. Die nchst lteren Embryonen stammten vom Rinde, waren 3 4 Wochen alt und maen von Mundspalte ber Rcken zur Schwanzwurzel 2 cm. Hier zeigt sich bei Prparation der 4 mm lange Magen im linken Hypochondrium gelegen und schrg zur rechten Flankengegend ziehend. Die Trennung von Rumen und Reticulum ist durch eine Einschnrung deutlich gemacht. Ersterer ist cylindrisch, halb so breit wie lang und nimmt etwa die halbe Lnge des Gesamtmagens in Anspruch. Das verbreiterte blinde Ende ist dorsal gelegen und stsst an die linke Diaphragmaflche. Die Lngsachse bildet mit dem Schlnde einen spitzen Winkel. Auf der Vorderflche der Rumenanlage ist mittelst der Lupe eine seichte Furche wahrzunehmen, die vom blindsackfrmigen Ende in der Lngsrichtung nach unten bis zur Mitte zieht. Eine hnliche Furche ist auf der Caudalflche vorhanden, sie verluft transversal zur Lngsachse. Ventral schliesst sich an die Rumenanlage das Reticulum an, das bereits in der Medianlinie gelegen ist. Nach hinten rechts schliesst sich ein halbmondfrmiges, 2 mm langes Gebilde an, die An- lage von Psalterium und Abomasus. Auch diese hat im wesentlichen schon die definitive Lagerung. Die Lage des embryonalen Rumens und ein Vergleich mit der Lage des Pferdemagens zeigten, dass das Rumen vom sog. Saccus coecus des einfachen Magens herzuleiten ist. Bei mikroskopischer Untersuchung dieses Stadiums ergiebt sich, dass eine Abgrenzung zwischen Psalterium und Abomasus noch nicht stattgefunden hat, soweit die ussere Wand in Betracht kommt; im Innern dagegen ist durch Leistenvorsprnge die Trennung fast voll- endet. Man hat also auf diesem Entwickelungsstadium einen Vor- und einen Hintermagen zu unterscheiden, die beide eine seichte Schlundrinne besitzen. Nr. 254. 172 Aus dem Teile der Schlundrinne, welcher zum Hintermagen ge- hrt, bildet sich bei weiterer Entwickelung das Psalterium; dieses ist also morphogenetisch als ein Teil der Rinne anzusehen. Hieran sehliesst Verf. vergleichende Betrachtungen ber die Mgen der brigen Suger, speziell der Herbivoren, bezglich deren auf das ( )riginal verwiesen wird. An einem 5 cm langen Rindsembryo sieht man an der Anlage von Psalterium und Abomasus eine seichte Furche etwa im zweiten Drittel des Abschnittes, so dass beide Magenabteilungen auch usser- lich getrennt sind. Die schwachen Furchen an der Rumenanlage sind tiefe Einschnrungen geworden. Das Ruinen hat sich in seiner Lage gegen das vorige Stadium verschoben, indem seine Achse mit der des Schlundes nahezu einen rechten Winkel bildet. Auch ist das Gebilde mehr ausgebuchtet geworden und dadurch ist das Reti- culum dorsal nur noch wenig sichtbar. Ad einem 6 cm langen Rindsembryo sind die Blindscke des Rumens direkt nach hinten gerichtet, seine Achse bildet mit der des Abomasus einen spitzen Winkel: seine Kapacitt hat ganz bedeutend zugenommen. In der weiteren Entwickelung buchten sich die Rumen- scke nach hinten und der Seite immer mehr aus. Was nun die Entwickelung der einzelnen Hute des Magens anlangt, so macht Verf. darber folgende Angaben: An einem 3 4 Wochen alten Embryo eines Rindes ist die Wand relativ viel strker als das Lumen ; der Peritonealberzug ist stellenweise sehr mchtig. Die Mucosa zeigt noch keinerlei Differenzierung, sie besteht aus dicht gedrngten, kleinen rundlichen Zellen. Whrend sie in der Anlage von Rumen, Reticulum und Abomasus glatt ist, zeigt sie in der Psalteriuinanlage zwei halbkreis- frmig konturierte Vorsprnge: die erste Anlage des Blttersystems, die sich dann immer strker ausbildet. Das Epithel zeigt bei den verschiedenen Magenanlagen keinerlei specifische Unterschiede, wenn es auch in der Hhe der Zellen wechselt. An einem 4 cm langen Rindsembryo hat die Vermehrung der Bltter des Psalteriums in sehr betrchtlicher Weise stattgefunden; auch der Abomasus zeigt bereits Faltenbildung. Die Muscularis ist allenthalben mehr differenziert und mchtiger geworden. Das Epithel des Abomasus ist unverndert geblieben, das der brigen Magenab- schnitte dagegen ist vielfach verndert. In den Vormagen ist an Stelle des einschichtigen Epithels ein vielschichtiges getreten. An einem 6 cm langen Rindsembryo haben die Abomasusfalten den Pylorus erreicht. Das Blttersystem des Psalteriums ist dadurch kompliziert geworden, dass eine zweite Art von Blttern sich zwischen Nr. 254. 173 die ersten eingeschoben hat. Das Epithel in Abomasus und Psalterium ist unverndert, in den brigen Magenabteilungen ist es hher ge- worden. Die ersten auf Drsenbildung deutenden Vernderungen waren an einem 8 cm langen Rindsembryo zu sehen. In der Mucosa des Abomasus sind hier zwei Schichten zu erkennen, eine ussere mit sprlichen Zellen und eine innere aus dicht gedrngten rundlichen Zellen bestehende: die erste Trennung von Submucosa und Mucosa. Am inneren Kontur der Mucosa treten warzenfrmige Fortstze auf, hauptschlich an den Seiten der Falten des Abomasus. In dem Epithel des hckerigen Teiles der Mucosa finden sich die ersten Drsenanlagen. In diesem Entwickelungsstadium ist im Psalterium eine dritte Art von Blttern entstanden, die vierte tritt zum ersten male bei einem 12 cm langen Rindsembryo auf. Bei diesem treten auch die Papillen des Rumens auf und im Abomasus macht die Ent- wicklung der Drsen weitere Fortschritte. Bei einem 32 cm langen Rindsembryo sind die Bltter des Psalteriums gleichmig dick geworden. Alle brigen Characteristica haben sich weiter ausgebildet und diese Weiterbildung macht mit jedem fernerem Stadium grssere Fortschritte. Es wird die Netz- bildung im Reticuium deutlich, die Papillen des Rumens werden grsser und der Verhornungsprozess der die letzteren zusammen- setzenden Epithelien wird deutlich. B. Rawitz (Berlin). 5 Krause, Rudolf, Beitrge zur Histologie der Speicheldrsen. Die Bedeutung der Gianuzzi'schen Halbmonde. In: Arch. f. mikr. Anat, u. Entwickelungsgesch. Bd. 49. 1897. p. 707709. Taf. 3132. Als Material fr die vorliegende Untersuchung dienten dem Verf. drei Exemplare von Herpestes badius und Jeucurus. Untersucht wurde die Glandula submaxillaris. Die Gianuzzi'schen Halbmonde sind sehr stark entwickelt, etwa wie in der Submaxillaris des Schafes. Sie frbten sich in dem Ehrlich-Biondi'schen Gemisch blaugrn, whrend die Zellen der eigentlichen Drsentubuli intensiv rot gefrbt waren: gerade umgekehrt, wie bei den Tieren, deren Submaxillaris eine Schleimdrse ist. Die Zellen der Drsentubuli sind abgestutzte Kegel oder Pyramiden; ihre Grenzen sind berall deutlich erkennbar. Die Zellsubstanz ist ein Netzwerk feinerer oder grberer Fden. Der Kern, oval oder rund oder verschiedenartig gestaltet, hat deutliches Chromatingerst, das in runden Kernen mehr lichtblau, in unregel- mig gestalteten dunkelblau und etwas verklumpt erscheint. Er liegt immer dicht an der basalen Flche der Zellen. Inter- und intra- Nr. 254255. 174 eellulre Secretionskanlchen waren nicht vorhanden. Die Lumina der Tubuli sind nicht sehr weit, etwa wie bei der Hundesubmaxillaris, und sind meist mit einer im obenerwhnten Farbstoffe sich blaugrn frbenden fdigen Masse erfllt. Die beschriebenen Zellen sind den sersen zuzurechnen. Die Halbmonde sitzen immer am Ende der Drsentubuli; sie besitzen einen nach dem Lumen des Tubulus ausgezogenen Zipfel, in dem die Spitzen der einzelnen Zellen aneinanderstossen". Die Halb- monde bestehen aus drei bis hchstens fnf Zellen ; jede einzelne Zelle zeigt ein aus sehr groben Fden bestehendes Netzwerk; die Dichte des letzteren ist eine wechselnde. In dem Zipfel ist das Netz- werk stets weitmaschig. Die Zellgrenzen sind rot gefrbt und werden von Fortstzen der Membrana propria gebildet. Der Kern ist stets basal gelegen, manchmal in eine Ecke gedrckt; seine Form ist eckig, seine Frbung tiefblau. Manchmal ist der Kern rundlich, dann ist seine Frbung heller. Das Lumen des Haupttubulus reicht immer bis zum Halbmond und bildet hier eine lakunenartige Erweiterung. Von hier gehen Secretionskanlchen in den Halbmond, und zwar sieht man diese nach Frbung in Ehrlich-Biondi'schem Gemisch mit roten Wandungen. Diese Kanlchen liegen anfangs intercellulr, um dann intracellulr zu werden. Secretvacuolen kommen nicht vor. Von den Halbmonden gehen schon in die Secretkanlchen Secretmassen, die alle feineren Tubuli dicht erfllen. Die Halbmonde sind echte Schleimzellen, das geht aus ihrem Verhalten gegen Farbstoffe hervor; ihr Secret ist durch seine be- sondere Frbung auch in den Speichelrhren leicht zu erkennen. Die Submaxillaris von Herpestes besteht also der Hauptmasse nach aus Eiweisszellen, ihre Halbmonde secernieren aber Schleim : sie verhlt sich also umgekehrt wie die Submaxillaris der anderen Oarnivoren und der Ruminantien. Dass man es hier nicht mit Secretionsphasen einer Zellart zu thun habe: den Einwand widerlegt Verf. durch den Vergleich der drei ihm zur Verfgung gewesenen Drsen. Nach der Schilderung seiner thatschlichen Befunde wendet sich Verf. zur Diskussion der Frage von der , 7 Bedeutung der Gianuzzi- schen Halbmonde". Er verwirft zunchst die Heiden hain'sche Ersatztheorie, nach welcher die Schleimzellen bei der Secretion zu Grunde gehen und durch Teilungsprodukte der Halbmonde ersetzt werden sollen. Auch die Hebold'sche Phasentheorie, wonach die Halbmonde und die brigen Zellen des Tubulus nur verschiedene Phasen des Secretionsprozesses bezw. der Regeneration erschpfter Nr. 255. 1<0 Zellen darbieten sollen, verwirft Verf. vllig. Nach seiner Auffassung sind die Halbmonde und die anderen Drsenzellen zwei verschiedene Arten von secernierenden Zellen, die ein verschiedenes Secret liefern. Meist sind die Halbmonde serse Zellen, deren Aufgabe die Ab- sonderung von Albuminaten ist. Verf. errtert dann die Zahl und Grsse der Halbmonde bei verschiedenen Tieren", nmlich bei Hund, Katze, Herpesles, Br, Schwein, Schaf, Gazelle", Affe", Mensch. Die kleinsten und wenigsten Halbmonde hat der Br; ihm schliesst sich der Hund an, dann folgt (immer mit Rcksicht auf Zahl und Grsse gruppiert) das Schwein, die Katze, Schaf, Gazelle, Mensch, Affe, Herpestes. ber die Secretionskanlchen und Secretvacuolen ussert sich Verf. folgendermaen: Secretionskanlchen (-kapillaren) liegen zunchst intercellulr, um dann intracellulr zu werden. Was endlich die Stbchenzellen der Speichelrhren anlangt, so sind sie nach Verf. unstreitig secernierende Zellen. B. Rawitz (Berlin). Mller, Erik, Drsenstudien. IL In: Zeitschr. f. wiss. Zool. Bd. 64. Nr. 4. 1898. p. 624-647. Taf. 3132. Kap. I behandelt die Fundusdrsen des Magens. An den thtigen Fundusdrsen des Kaninchenmagens treten Beleg- und Haupt- zellen deutlich hervor. Die Belegzellen sind mit Krnern gefllt, die sich nach Fixierung in Formol- Kalibichromat und Frbung mit Eisenhniatoxylin- Rubin nach Heidenhain blau frben. Die Hauptzellen haben eine ussere homogene und eine innere mehr ge- krnte Zone. Das Hauptlumen ist durch eine scharf hervortretende ectoplasmatische (!) Membran begrenzt, die zu den delomorphen" Zellen gehrt. Vom Lumen gehen Quergnge zwischen den Haupt- zu den Belegzellen und treten hier mit eigentmlichen Streifen der letzteren in Verbindung. Die Streifen sind helle, scharf konturierte, cylindrische Bildungen; sie enthalten das fertige Secret der Beleg- zellen, das durch die Quergnge in das Drsenlumen gelangt. Diese Streifen sind mit den frher vom Verf. beschriebenen Korbkapillaren identisch, sie sind intracellulr gelegene Secretkapillaren. In ruhen- den Drsen sind die Secretkapillaren an Hmatoxylinprparaten nicht zu erkennen, wohl aber an Golgiprparaten. Die Hauptzellen sind im Hungerzustande mit grossen Granulis erfllt, in der Thtigkeit bieten sie das oben erw r hnte Bild. Auch hier wie bei den Belegzellen entwickelt sich das Sekret aus Krnern. Die Entleerung bei den Hauptzellen geschieht direkt in das Drsen- Nr. 255-256. 176 lumen ohne Vermittelung von Secretkapillaren. (Diese Angaben gelten auch fr die Fundusdrsen des Hundemagens.) Im zweiten Kapitel, dem ber die Schleimdrsen, errtert Verf. die Frage von der Natur der Gianuzzi'schen Halbmonde und teilt dabei mit, dass nach erschpfender Secretion infolge von Pilokarpin- injektion kein Unterschied zwischen Schleimzellen und Halbmonden wahrzunehmen ist. Doch beweist das nichts fr normale Verhltnisse, denn hier sieht man tiefgreifende morphologische Unterschiede zwischen Halbmonden und Schleimzellen, die zur Annahme zweier verschiedener Arten von Zellen zwingen. ber die Drsenzellen im allgemeinen sagt Verf. im letzten Kapitel, dass man scharf unterscheiden msse zwischen dem fertig gebildeten flssigen Secrete und seiner festen oder zhflssigen Vorstufe, die sich stets in Form fester, gewissermaen krystallinischer Granula darstelle. B. Ilawitz (Berlin). 257 Bangs, Outram, The Land Mammals of Peninsu lar Florida and The Coast Region of Georgia. In: Proc. Boston Soc. Nat. Hist. XXVIII. No. 7. 1898. p. 158235. Mit einer Karte der Halbinsel. In der sorgfltig ausgearbeiteten Abhandlung ist der Abschnitt ber die Chiroptera von Gerrit S. Miller Jr. verfasst. Vor der ausfhrlichen Be- schreibung der einzelnen 73 Species befindet sich ein Verzeichnis der vom Verf. gebrauchten wissenschaftlichen Namen und daneben stehend die von Allen 1871, Maynard 1872 und 1873, Rhoads 1894, Chapman 1894 und Cory 1896 ver- wendeten. Dann folgt eine Liste der Spec. und Subsp. mit der daneben stehenden ,,Type Locality" und von p. 172 an die ausfhrlichen Beschreibungen. (Ein hier vom Ref. dem Namen beigefgtes f bedeutet, dass vom Verf. die Flesh Measurements" seiner verschiedenen Exemplare angegeben wurden.) Beschrieben wurden: Didelphis virginiana subsp. n. f. Lepus (Limnolagus) palustris Bachman. L. (L.) palustris paludicola (Miller und Bangs). L. (Sylvilagus) sylvaticus sylvaticus Bachman. L. (S.) sylvaticus floridanus Allen. Geomys tuza tuza (Ord.). G. floridanus oridanus (Aud. und Bach.). G. floridanus austriiius subsp. n. G. colonus sp. n. mit 2 Schdelabbild, und 1 von G. tuza. G. cumberlandius sp. n. mit 1 Schdelabbild, f- Microtus (Pityomys) pinetorum (Lecomte). M. (Neo,ber) alleni (True). Neotoma floridana (Ord.). N. floridana rubida subsp. n. Reithrodontomys lecontii lecontii (Aud. und Bach.). R. lecontii dicksoni (Rhoads). Oryzomys palustris palustris (Harlan). 0. palustris natator Chapman. 0. palustris coloratus subsp. n. f. Sigmodon hispidus hispidus Say und Ord. *S'. hispidus littoralis Chapman. S. hispidus spadicipygus subsp. n. Pcromyscus floridanus (Chapman). P. gossypinus gossypinus (Leconte). P. gossypinus palmarius Bangs. P. anastasae sp. n. P. insulanus sp. n. P. nuttalii (Harlan). P. niveiventris (Chapman). P. phasma sp. n. P. subgriseus subgriseus (Chapman). P. subgriseus rhoadsi subsp. n. P. subgriseus arenarius subsp. n. Mus musculus L. M. decumanus Pall. M. rattus rattus L. M. ratlus alexandrinus (Geoff.). Sciurus niger Pall. Sc. carolinensis carolinensis Gmelin. S. carolinensis e.dimus Bangs. Sciuropterus volans volans L. Sc. volans querceti Bangs. Blarina brevicauda carolinensis (Bach.). Bl. brevkauda peninsulae (Merriam). Bl. (Cryptolis) parva (Say). Bl. (Cr.) floridana Merriam. Scalops aquaticus australis. f von 49 Nr. 256257. 177 Exemplaren. Sc. anastasac sp. n. f. Arlibeus perspieillatus L. Corynorhinus macrolis (Leconte). Myotis lucifugua lucifugus (Leconte). Lasiomjcteris noctivagans (Leconte). Pipistrellus suhavus (F. Cav.). Vespertilio fuscus Beauvois. Lasiurus borealis borealis (Mller). L. borealis seminolus (Rhoads). L. einereus Beauvois. Dasypterus intermedius H. Allen. Nycticejns humeralis Rafmesque. Nyctinomus cynocephalus (Leconte). Cariacus osceola Bangs. Procyon lotor elucus subsp. n. Ursus (Euarctos) floridanus Merriam. Mephitis elongata Bangs. Spilogale ambar- valis sp. n. Lutra hudsoniea vaga subsp. n. mit zwei Scbdelabbild. Putorius (Lutreol) vison lutreocephalus (Harlan), f und Schdelabbild. P. (L.) lutensis sp. n. f von 20 Exemplaren und eine Schdelabbild. Putorius (Arctogale) peninsulae Rhoads. Urocyon cinereoargcnteus floridanus Rhoads. f Canis ater (Richardson). Lynx (Cer- varia) ruffus floridanus (Raf.). Felis eoncolor floridana Cory. Jaguar und Ocelot existieren nur im Jgerlatein. H. Langkavel (Hamburg). Matsckie, 1*., Aus der Sngethierwelt der mittleren Hoch- lnder Deutsch-Ost-Afrikas. In: Werther, Die mittleren Hochlnder des nrdlichen Deutsch-Ost-Afrika. Wissenschaf tl. Er- gebnisse der Irangi-Expedition 18961897. Berlin 1898. p. 205 - 267. Nach der Ansicht des Verf.'s wirken auf die Verbreitung der Sugetiere nicht ganz so einschneidend wie die Wasserscheiden zwischen zwei Oceanen, aber immer noch merklich genug, diejenigen, welche die zu einem Ocean fliessenden Gewsser von denjenigen trennen, welche in einem abflusslosen Gebiet ihr Ende nehmen. Wenn wir auf der Karte von Deutsch-Ost-Afrika das gesamte Gebiet, in welchem die Gewsser zum indischen Ocean fliessen, mit einer Linie umziehen, so wird diese auf der Grenze gegen Britisch-Ost-Afrika bis zum Kilima-Xdjaro verlaufen und von dort zur Grenze gegen Britisch- Central-Afrika folgenden Verlauf nehmen : Kilima-Xdjaro, Meru, Sogo- noi-Berge, an der Westseite des Pangani nach Sden bis nrdlich von Msanga, von dort westlich zu den Lukigula-Quellen, dann wieder nach Sden am Westrande der Nguru-Berge entlang bis zum Bubebo- Gebirge und bis in die Nhe von Mpapua, dann auf der Wasser- scheide, welche den Zuflssen des Ruaha ihren Ursprung giebt. nach Nord-Uyansi bis an den Sdrand der Mgunda Mkali und der Wembere- Steppe. Von'dort wendet sich die Linie nach Sden an den Quellgebieten der Ruaha-Zuflsse auf der Wasserscheide zwischen dem Stromgebiet des Rikwa-Sees und des Ruaha bis in die Nhe von Utengule, ver- folgt dort die Wasserscheide zwischen Kikwa- und Nyassa-Zuflssen und mndet an der Wasserscheide zwischen dem Nyassa-Ssongwe und den Tschambesi an der englischen Grenze aus. Diesen umgrenzten Teil von Deutsch-Ost-Afrika nennt der Verf. das Kstengebiet, und es ist hinsichtlich seiner Sugetierfauna sehr hnlich dem von Zambese und seinen Zuflssen beherrschten Gebiet, denn beide liegen in Ostafrika Zoolog. Centralbl. VI. Jahrg. jj r 257 258. 14 178 unter hnlichen klimatischen Verhltnissen zwischen dein quator und dem Wendekreise des Steinbocks und beide wssern zum indischen Ocean ab. Es sind folgende Arten z. B. sowohl im Kstengebiet als am Zambese gefunden worden: Goldbus palliatus, Cercopithecus albi- gularis, Otogale crassicaudata, 0. TcirM, Galago galago, Xantharpyia collaris, Rhinolophus hildebrandti, Sciurus cepapi, Sc. congicus, Sc. mutabis, Sc. palliatus. Dendromys pumilio, Lophuromys aquilus, Otomys irrratus, M. dolichurus, M. natdlensis, 31. minimus, Arvi- canthis dorsalis, A. pumilio, Myoscalops argenteo-cinereus, Genetta felina, Bdeogale puisa, B. crassicauda, Nandinia gerrardi. Rhyncho- gale mclleri, Tragelaphus roualeyni, Cobus ellipsiprymnus, Hippotragus niger. Der Verf. hat hinzugefgt 32 Textbilder und eine Tafel (Buschbcke vom Leoparden beschlichen) von Anna Matschie-Held. B. Langkavel (Hamburg). 259 Meyer. A. B.. S ugethiere von Celebes, und Philippinen-Archipel. In: Abb. u. Berichte K. Zool. u. Anthrop.-Ethnogr. Mus. Dresden 1896:97. 40. 36 p. 9 Color- u. 6 Lichtdruck-Taf. Macacus maurus F. Cuv. bat viel weitere Verbreitung als M. Weber 1890 angab; er lebt nicht ausschliesslich auf Sd-Celebes und Buton, sondern auch im nrdlichen Teile, Makassar, nach Schlegel, Jentinck, Sarasin und nach Meyer wahrscheinlich auch im dazwischen liegenden Gebiete. M. maurus ist nur ein junger ocrcalus Ogilb. M. cynotnolgus L. Vorkommen auf Celebes ist noch nicht sicher gestellt. M. philippinensis Is. Geoffr. berhaupt noch ungengend be- kannt. Cynocephalus niger (Desm.), eine sehr charakteristische Celebes-Form, ist berbleibsel aus frherer Zeit, das erst palaeontologische Entdeckungen ganz verstehen lehren Averden. Tarsius fuscus Fiscb.-Waldh. scheint ganz Celebes zu bewohnen. Tarsius sangirensis n. sp. ist eine insulare Abweichung und Hinneigung zur Philippinen-Form. T. philippensis A. B. Meyer ist durch das rotbraune Gesicht, berhaupt die braunere Farbe, die fast nackten Tarsen und den wenig behaarten Schwanz leicht von anderen Tarsiern zu unterscheiden. Die Borneo- Exenrplare von T. spectrum (Fall.) mit behaarten Tarsen , sprlich behaartem Schwanz, mit heller Quaste kann vielleicht als lokale Form von den andern abge- trennt werden. Wie das grsste Raubtier auf Madagaskar Cryptoprocta feroz, so ist auf Celebes das grsste Paradoxnrus musschenbroeki Schi, und doch blieb es merk- wrdig lang unbekannt. Die bisherigen Fundorte dieses nchtlichen Raubtieres lagen nicht fern von Manado ; ob es auch in Central-, Nordost und Sd-Celebes vor- kommt, bleibt noch festzustellen. Der Zwergbffel Bubalus mindorensis Hende, der Tamarao (nicht Tamaron) ist nur von Mindoro bekannt. Nehring's B. moellen- dorf von der nahen Calamianen-Insel Busuanga ist nur ein verwilderter. Aus den ausfhrlichen Bemerkungen ber Babirusa alfurus Less. ergiebt sich, dass dies Schwein mit Sicherheit bis jetzt nur von Celebes und Buru bekannt geworden; die unsicheren Angaben ber das Vorkommen auf den Sula Inseln sind nur von einander abgeschrieben, von den Fundortsangaben bei Gray ist nichts zu halten. Aus der Leucomus Gruppe sind jetzt von Celebes drei, auch als Subspecies aufzufas- sende Formen bekannt: Sciurus leucomus Mll. Schi, von Nordcelebes, Sc. weberi Jent. aus dem centralen Teile, und Sc. tonkeanus n. sp. aus dem nordstlichen. Auf den Sangi-Inseln lebt Sc. rosenbergi Jent., auf Tagulanda und Ruang Sc. tingahi Nr. 258-259. 179 n. sp., Sc. steeri Gnther von Balabac und Palawan. Durch Schadenberg erhielt das Dresdener Museum 17 Exemplare von Phloeomys cumingi Wtrh. (4 von Luzon, 13 von Marinduque), doch ehe nicht die auf den benachbarten Inseln etwa vor- kommenden bekannt sein werden, lsst sich nichts abschliessendes ber diese, den Philippinen eigentmliche und charakteristische Form, die eine eigne Subfamilie bildet, aussagen. Wie diese Art variiert, so auch Crateromys schadenbergi A. B. Meyer aus Nord-Luzon. Dass Phalanger relebensis (Gr.) auch in Sd-Celebes vor- kommt, konnte Verf. gegen Jentinck richtig stellen. Ph. sangirensis n. sp. in fnf Exemplaren von den Sangi-Inseln unterscheidet sich leicht von den Celebes- Exemplaren durch die goldigen Tne, ist farbiger und heller im ganzen. Ph.ursinus (Temm.) bisher nur aus Nord-Celebes mit Sicherheit bekannt, ist durch den Verf. als auf der ganzen Insel verbreitet nachgewiesen. So beraus grndlich und erschpfend in jeder Beziehung diese Arbeit A. B. Me.yer's ist, so vortrefflich sind auch die kolorierten und die Lichtdruck-Tafeln. B. Langkavel (Hamburg). 260 Rhoads, Sani. X., Asmall co 1 le et i on o f M a m m als f r o m N o r t h - E a s t e r n China Tu: Proc. Acad. Nat. Sc. of Philadelphia. 1898. p. 120125. Von Jagdfreunden nordstlich von Peking auf chinesischem und mongolischem Gebiete erhielt die Akademie von Philadelphia 17 Sugetiere, welche Verf. ausfhr- lich beschreibt, nmlich Mlcroius (Microtus) mongolicus Radde, Mus humiliatus M. Edw., Mus spec,?, Alactaga annulata M. Edw. Subspec.?, Tamias (Eutamias) asiaticus Gmelin, Lcpus spec. verwandt mit L. americanus, Qazclla gutlurosa morigolica Heude, Capreolus pygargus Brooke, Lynx isabellinus Blyth. B. Langkavel (Hamburg). 261 Thomas, Oldfield, Descriptions of two new Cuscuses (Phalanger). In: Novitt, Zoolog. V. 1898. Nr. 3. p. 433434. Walter Rothschild erhielt aus Waigin Phalanger maculatus, aus Loiwuj und Gross Obi (Molukken) eine neue Species Ph. rothschildi, von der St. Aignan- insel (Louisiade Archipel) eine neue Subspec. Phalanger orientalis meeki. Thomas beschreibt beide ausfhrlich. Zum Unterschiede von Ph. ornatus und Ph. lullulae ist die erstere Form einfarbig, ungefleckt, mit weissem Leibe und klein; die Sub- species dagegen, unzweifelhaft nahe stehend den beiden Ph. orientalis kiriwinae und Ph. interea stellanus, ist kleiner als beide, anders gefrbt und von verschiedener Struktur der interorbitalen Region. B. Langkavel (Hamburg). 262 Lnnberg, Einar, Notes on the anatomy of a speeimen of Dasypus minutus without nuchal plates. In: fvers. Kongl. Vetensk.-Akad. Fr- handl. 1898. Nr. 5. p. 297304. Ein aus Chile vom Nabuel-huapi-See erhaltenes, jetzt im Museum der Uni- versitt befindliches Exemplar giebt dem Verf. Veranlassung zu einer ausfhr- lichen anatomischen Untersuchung, die den grssten Teil des interessanten Auf- satzes umfasst. Wegen des Fehlens der nuchal plates" mchte der Verf. darin eine neue Species erblicken, konnte dazu aber nicht Oldfield Thomas' Zustimmung erhalten. B. Langkavel (Hamburg). 263 Langkavel, B., Die wilden Einhuf er Asiens. In: Zool. Jahrb. Syst. Bd. X. 1897. p. 3355. Unser bisheriges lebende oder tote Material der wilden Einhufer ist noch Nr. 259263. - 14* 180 - usserst sprlich auch in Betreif der weit ausgedehnten und oft menschenleeren Lndermassen Asiens. Von manchen Tieren in unseren zool. Museen kennen wir nicht einmal das genaue Habitat. Die weitschichtige Litteratur ergiebt, dass sich bis jetzt die Gebiete der einzelnen Formen durchaus nicht genau begrenzen lassen, und zweitens, dass ausser den bekannten ITormen teils durch Verwilderung zahmer Einhufer, teils durch Verbastardierung wilder unter sich und mit verwilderten noch manche andere Formen dort vorhanden sein mssen, ber welche erst sptere Forschungen uns Aufklrung geben und somit die scheinbaren Widersprche in der bisherigen Litteratur beseitigen knnen. B. Langkavel (Hamburg). 264 Eismann, Grlist., Das Erdferkel (Orycteropus eapensis) und sein Fang. In: Zool. Garten XXXIX. 189S. p. 169172; 192193. Dass das Tier in Sd- und Mittelafrika vornehmlich flache , wstenartige Gegenden bewohnt, erwhnt Verf. nur nebenbei; Hauptsache ist dem Verf. die Schilderung der Lebensweise und die Schwierigkeit des Fanges. B. Langkavel (Hamburg). 265 Rurig, Ad., ber Schutzfrbung bei den Cerviden. rn: Zun]. Gart. XXXVIII. 1897. p. 13-16. Bei allen Cerviden erscheint das Jugendkleid whrend des .Suglingsalters in anderer Frbung als das der Eltern. Das gefleckte Kleid unserer einheimischen Cerviden entzieht sie im Buchenwalde selbst den Blicken der Jger. Beim Ren stimmt gleichfalls das Schutzkleid genau mit dem Aufenthaltsorte berein, beim Beginn des Frhlings tritt an Stelle des Winterhaares das graue mit weissen Spitzen, entsprechend der Frbung des schmelzenden schmutzigen Schnees, und diese Frbung besitzen auch die Klber. Sumpfbewohner, wie unser ('ervus alces und der asiatische Elaphurus davidianus zeigen als Klber ungefleckte Haarfrbung, aber die des sdamerikanischen Blastocerus paludosus eine gefleckte, weil die tropische Sonne dort hnliche Bilder hervorruft als bei uns im Buchenwalde. Die weisse Analscheibe bei C. eapreolus, Blastoeerus campestris spricht nicht gegen die Schutz- frbung, denn die diese verfolgenden Feinde jagen weniger mit dem Gesichts- als mit dem Geruchssinne. Unsere Cerviden grasen in der Nacht, die dunkle Frbung von Rusa nigricans, Hippelaphus, Bucervus duvaueelli, Cervus wallichi u. a. ist der dunklen Blattfrbung in den asiatischen Hochgebirgen angepasst, wie der lichteren in den Vorbergen das Haar der Cerviden aus der Untergattung Pseudaxis. B. Langkavel (Hamburg). 266 Langkavel, B., Der Du gong. In: Zool. Garten. 1896. p. 337 342. Ein Verzeichnis derjenigen rtlichkeiten in Afrika, den asiatischen und aus- tralischen Gebieten, in denen dies Tier vorkommt, befindet sich auf den p. 339, 340. B. Langkavel (Hamburg) . 267 3Iatschie, P., Die Paviane von Deutsch- Ost- Africa. In: Sitz. Ges. Nat, Freunde Berlin. 1897. p. 158161. Vom Verf. ausfhrlicher wiederholt und vervollstndigt in W. Werther, ..Die mittleren Hochlnder des nrdlichen Deutschostafrica. 1898. p. 205 fg. (vgl. Nr. 258). B. Langkavel (Hamburg). Nr. 263267. Zoologisches Centralblatt unter Mitwirkung von Professor Dr. O. Btschli ^ Professor Dr. B. Hatschek in Heidelberg - a Wien herausgegeben von Dr. A. Schuberg a. o. Professor in Heidelberg. Verlag- von Wilhelm Engelmann in Leipzig-. VI. Jahrg. 21. Mrz 1899. No. 6. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten, sowie durch die Verlagshandlung. - Jhrlich 2b Nummern im Umfang von 23 Bogen. Preis fr den Jahrgang M. 25 Bei direkter Zu- sendung jeder Nummer unter Band erfolgt ein Aufschlag von M. 4. nach dem Inland und von M. 5. nach dem Ausland. Referate. Faunistik und Tiergeographie. Spostrzezenia pojaww w swiecie zwierzecym w r. 1887-1896. (Beobach- tungen ber Erscheinungen aus derTh ier weit in den Jahren 1887 bis 1896). In: Sprawozd. Kom. fizgr. Akad. Um. Krakow. (Ber. der physiograpb. Kommis. Akad. Wiss. Krakau). Tom. XXII (1888) p. 274-280. XXVI (1891) p. 268-274. XXIX (1894) p. 261-266. XXXII (1897) p. 225-230. Zusammenstellung zahlreicher Daten, die der physiographischen Kommission ber das erste Auftreten verschiedener Tierformen im Frhjahre aus mehreren Gegenden mitgeteilt wurden Bei Zugvgeln ist meistenteils auch der Tag ange- geben, an dem sie in der betreffenden Gegend zum letzten male im Herbst gesehen wurden. Das Verzeichnis zerfllt in zwei Abteilungen; in der ersten werden diejenigen Formen angefhrt, die bei smtlichen physiographischen Sektionen zur Beobachtung gelangten, in einer zweiten solche Tiere, ber deren Vorkommen nur einzelne Ortschaften berichten. Vieles, was sich aus einer derartigen Zu- sammenstellung ergiebt. ist recht interessant So wurde z. B. im Jahre 1887 in Radziechw das erste (berwinterte) Exemplar von Vanessa io am 12. April, der erste Lucanus cervus am 27. und die erste Lina populi am 29. April gefunden, whrend in Krzeszowice in demselben Jahre die Vanessa erst am 4. Mai, die Kfer aber am 16., beziehungsweise am 6. Juni erschienen. Aus der Erscheinungs- zeit der meisten Formen, wie von Vespertilio murinus, der Frsche und vieler Vgel ersieht man, dass diese Zeit nicht nur in demselben Jahre in verschiedenen, ver- hltnismig unweit von einander liegenden Ortschaften Differenzen von mehreren Wochen aufweisen kann, sondern auch in derselben Gegend im Laufe der Jahre sehr erheblichen Schwankungen unterworfen ist: fr Rana escnlenta z. B von Mitte Mrz bis Anfang Mai Es zeigt sich ferner, dass Tiere, die im Haushalte der Natur mehr oder minder auf einander angewiesen sind , auch in ihrer Er- scheinungszeit ungefhr bereinstimmen Fledermuse, Eidechsen und Singvgel erscheinen erst mit dem Krwachen des Insektenlebens, grosse Watvgel, wie Ardea cinerea oder Grus, richten sich ungefhr nach den Batrachiern; Talpa europaea grbt zum letzten male am 16. November. So bemerkenswert einzelne derartige Angaben sein mgen, so scheinen doch diese Berichte vorlufig noch in einem viel zu engen Rahmen und auch zu un- Zoolog. Centralbl. VI. Jahrg. ^ r 28 15 182 gleichmig gefhrt zu werden , um Schlsse allgemeiner Natur zu ermglichen. Von Vgeln um ein Beispiel zu geben fand man im Jahre 1887 36 Arten, im Jahre 1896 kaum 13 Arten verzeichnet. Immerhin ist diese Unternehmung der akademischen Kommission als erster Anlauf zu einem grossen Werke der Zukunft nur zu bewillkommnen. T. Garbo wski (Krakau). '269 Vermes. Annelides. Bayer, E. , Hypodermis und neue Hautsinnesorgane der Rhynchobdelliden. In: Zeitschr. wiss. Zool. 64. Bd. 1898. p. 648-696. Taf. 23-25 u. 10 Fig. i. T. Die ussere Hlle des Krpers bildet eine geschichtete Cuti- cula, welche bei den von Bayer im Aquarium beobachteten Rhynchobdelliden alle 2 4 Tage gewechselt wurde. Die Hypodermis bestellt bei Glossosiphonia sexoculata in der Hauptsache aus cylindrischen Zellen, welche unter der Cuticula mit- einander verschmelzen, mit ihren inneren Enden sich jedoch hufig nicht berhren und hier und da bedeutende Zwischenrume lassen, in welche das subhypodermale Bindegewelfe hineindringt. Die Hypo- dermiszellen sind am Rcken hher als am Bauche, wo sie indes fast in ihrer ganzen Lange mit einander verschmolzen sind. Vllig platt gedrckt und stellenweise in syncytialer Verschmelzung erscheinen sie in den Furchen zwischen den Ringeln, dagegen werden sie an der Flche des hinteren Saugnapfes lnger und schlanker als sonst wo im Krper, ausgenommen' zur Zeit der Geschlechtsreife jene Stelle der Bauchseite, welche der Brutpflege dient. An beiden Orten ge- S7. osz CK Fig. 1. Kegelfrmiges Sinnesorgan vom Rcken von Glossosiphonia sexoculata Bergni. im Schnitt (Taf. 23, f. 7). Es kommen nur die eirculren Muskelfasern mm Ausdruck. Frbung nach Van Gieson. Es bedeuten: cu Cuticula, hz Hypodermiszelle, khz Kern einer Hypodermiszelle, kniz Kein der Muskelzelle, ksz Kern der Sinneszelle, ml' Muskelfasern, mz Muskelzelle, nf Nervenfaser!'?), osz Peripherer Abschnitt der Sinneszelle (nach Bayer Sinneskegel"), plmz plasmatischer Teil der Muskelzelle, sz Sinneszelle, usz innerer Abschnitt der Sinneszelle (nach Bayer freie Nervenendig- ung" der Sinneszelle). Nr. 268269. 183 - 'rsigen winnen die Hypodermiskomplexe einen ausgesprochenen d.. Charakter. berall aber zeigen die Hypodermiszellen zwei Abschnitte. Einen peripheren auffallend zur Lngsachse gestreiften (Fig. 1, hz) und einen inneren krnigen ; letzterer enthlt den grossen kugl'igen oder eifrmigen Kern und ist meist etwas verdickt. Gl. heteroclita und Helohdella Uoculata zeigen hnliche Verhlt- nisse, dagegen wesentlich andere Hemiclepsls tesselata. Bei dieser Form besitzen die Hypodermiszellen am Rcken eine im Durchschnitt fcherfrmige Gestalt. Die Zellen wlben sieb mit ihrem erweiterten Ende ber die Oberflche des Krpers vor, liegen sehr lose bei- einander und sind rings von der hyalinen weichen Bindegewebssub- stanz umgeben. In den Furchen (zwischen den Segmenten und Ringeln) sind sie Mach gedrckt und besitzen annhernd die Form von Backsteinen. Hier grenzen sie dicht aneinander, und ebenfalls am Bauche, wo sie niedrige nach innen vorgewlbte Buckel bilden, Zellgrenzen aber nicht zu erkennen sind. An den Seiten des Krpers hingegen werden sie viel schlanker und lnger und springen nun auffallend stark nach aussen vor. Nirgends lsst sich in den Hypo- dermiszellen von H. tesselata ein streifiger Abschnitt erkennen. Die Cuticula ist entweder ganz ausserordentlich fein oder fehlt selbst in manchen Gegenden. Bayer beschftigte sich eingehender mit der Deutung der Streifung in den Hypodermiszellen, von der er mit Vejdovsky annimmt, dass sie eine modifizierte Partie des protoplasmatischen Reticulums dar- stelle. Er erblickt in ihr den Ausdruck einer physiologischen Funktion. Sie soll entstanden sein durch die sekretorische Hurtigkeit der Zelle das Plasma hat sich im usseren Abschnitt der Hypodermiszelle den Secretbahnen parallel orientirt, in denen das Secret, welches der innere Zellabschnitt produziert, nach aussen strebt. Auf die Sinnesorgane der Haut eingehend, bespricht Bayer zu- nchst die Tastbecher, .welche er ber die ganze OberHche des Krpers unregelmig zerstreut angetroffen hat. Der Tastbecher besteht aus lauter Sinneszellen; Bayer sah jede Zelle mit einer Nervenfaser verbunden. Die Sinneszellen sind modifizierte Hypodermis- zellen. Sie sind bedeutend lnger und schlanker als jene, ihr Inhalt ist heller und gleichartig (nicht gestreift). Jede Zelle luft in eine feine starre (sehr zerbrechliche) Cilie aus, welche die Cuticula durchdringt. An der Basis der Tastbecher bemerkte der Verf. Zellgruppen, welche er nach dem Vorgange anderer Forscher als Ganglienzellen deutet. Von besonderem Interesse sind aber Gebilde der Hypodermis, welche erst Bayer entdeckte und als Sinnesorgane in Anspruch nimmt. Es sind kleine, regelmig aus nur zwei Zellen Nr. 269. 15 * - 184 zusammengesetzte Organe, von denen die ussere kegel- frmige eine Sinneszelle, die innere grssere, meist blasig aufgetriebene und stets quergestreifte eine Muskel- zelle vorstellt. (Fig- 1, sz u. mz.) In der Sinneszelle haben wir wiederum eine modifizierte Hvpodermiszelle. Ihr peripherer Abschnitt ist kegelfrmig verjngt und wlbt sich stark nach aussen vor, ihr innerer mehr oder minder verdickt, verjngt sich aber ebenfalls kegelfrmig. Die Sinneszelle besteht also aus zwei Kegeln. (Fig. 1 osz und usz). Ihr grosser, stark frbbarer Kern liegt in jenem dicksten Abschnitt, wo die beiden Kegel aufeinander stossen. Der ussere Kegel zeigt in seinem Inneren eine feine Lngsstreifung und besitzt an seinem peripheren Ende feine Hckerchen (welche in der kopierten Fig. fehlen). Die Cuticula ist ber ihm ein wenig dnner und zeigt hier ebenfalls kleine Hcker- chen. Bayer nimmt an, dass die Sinneszelle Cilien trgt, welche an diesem Punkte die Cuticula durchdringen. Den inneren Kegel fasst Bayer als freie Nervenendigung'' der Sinneszelle auf. Er ist in eine trichterfrmige Vertiefung der Muskelzelle einge- senkt. Man konstatiert sehr deutlich die Grenzlinien beider Zellen in Gestalt einer doppelten Kontur (Fig. 1). Die Muskelzelle ist in der Kegel bedeutend grsser als die Sinneszelle. Sie erscheint bald schlank, rhrenartig, bald stark zu- sammengedrckt. Ihr peripherer Abschnitt, welcher den inneren Fig. 2-4. Das kegelfrmige Sinnesorgan vllig ausgestreckt und halb und ganz zusammen- gezogen, (p. G74, Fig. 2, 5 und 7). Kegel der Sinneszelle umgiebt. weist eine sehr auffallende Quer- streifung auf, ihr innerer ist nicht gestreift, ziemlich hyalin und ent- hlt den grossen Kern (Fig. 1 mf u. plmz). Die Querstreifung rhrt von einem System cirkulrer Muskelfasern her, in welche sich die Kinde des peripheren Abschnittes der Muskelzelle differen- zierte. Die centrale Masse aber dieses Zellabschnittes differenzierte sich zu einem System radirer Muskelfasern, welche sich Nr. 269. 270 185 direkt an den inneren Abschnitt der Sinneszelle ansetzen. Durch die Leistung der Muskelfasern wird die Sinneszelle bald vorge- drckt, bald mehr oder minder eingezogen (Fig. 2 4). Die Innervation des zweizeiligen Organs wird wahrscheinlich von Zellgebilden besorgt, die der Verf. an der Basis der Muskel- zelle konstatierte und die einen hnlichen Eindruck machen wie die an der Basis der Tastbecher bemerkten. Diese uns neu bekannt gewordenen Sinnesorgane finden sich in sehr grosser Menge am Rcken von Gl. sexoculata 1 ), dagegen sehr vereinzelt am Bauche, hnlich verhlt sieh Gl heteroclita. Sie bilden auf jedem Ringe dorsal etwa 10 Querreihen. Bei Helobdella bioculata konzentrieren sie sich noch mehr, nmlich auf den hchsten Punkt der Ringel, ausserdem sind sie bedeutend kleiner. Bayer deutet die zweizeiligen Sinnesorgane, fr welche er die Bezeichnung kegelfrmige Organe" vorschlgt, als Apparate des allgemeinen Hautsinnes' r und sucht ihr Vorkommen gerade bei den Rhynchobdelliden und insbesondere ihre massenhafte Ent- wicklung bei den Glossosiphonien durch deren Lebensweise zu erklren. Schliesslich wendet sich Bayer noch den Hautdrsen zu und will scharf zwischen Hypo- und Subhypodermaldrsen (im Gegensatz zu R. Leuckart) unterschieden haben, da nur in ersteren der Kern degeneriert, (). Brger (Gttingen). Arthropoda. Dybowski, B., Nowe poglady i teorye z zakresu anatomii porwnawczej. (Neue Gesichtspunkte und Theorien auf dem Gebiete der vergl. Anatomie.) I. Einleitung. Bei- spiele aus der Litteratur. In: Kosmos (Lemberg), Bd. XX (1895) p. 457-516; Bd. XXI (1896) p. 6380; 172184; 248264: 379-413. Einleitung. In der weitausholenden Exposition zu seiner J ) Bayer verwundert sich, dass man bisher allgemein die zweizeiligen Sinnesorgane bersehen hat. Es ist das in der That sehr auffllig, denn diese Hautgebilde sind auch ohne irgend welche Finessen in Konservierung und Frbung an Schnitten leicht nachzuweisen. Ich berzeugte mich davon an einer Schnittserie von Gl. sexoculata, welche ich vor Jahren fr anatomische Studien angefertigt hatte und die nur mit Karmin gefrbt war. brigens wundert mich eines. Bayer hat, soviel seiner Arbeit zu entnehmen ist, die Sinnesorgane nicht durch Maceration zu isolieren versucht. Und doch msste man sich von diesem Verfahren sicheren Aufschluss ber die Frage der Innervirung versprechen und wrde vielleicht auch noch manches ber die Art des Zusammenhanges der beiden heterogenen Zellen erfahren. Ref. Nr. 269270. 186 sensationellen Arbeit spricht der Verf. vor allem sein Bedauern darber aus, dass die bereits riesig angehufte Litteratur ber die usseren morphologischen Verhltnisse bei Arthropoden zu keinem richtigen positiven Resultate, sondern zu einem Chaos gefhrt hat, wo niemand mehr die Fragen zu beantworten verstnde, aus wie vielen Somiten der Kopf der Arthropoden bestehe, aus wie vielen ursprng- lichen Extremitten die Mundgliedmaen hervorgegangen sind, wie die Extremitten einzelner Gruppen mit einander und die einzelnen Abschnitte und Glieder dieser Gliedmaen unter einander zu homologisieren seien etc. Wenn zum Beispiel der alte Savigny die Ansicht veitritt , es fehlen bei den Palaeostraken und Ar achnoideen smtliche Segmente, die den Cephalothorax der Amphipoden bilden 1 ), dann ist man zu dem Schlsse gedrngt, lass die Spinnentiere berhaupt keine Fhler besitzen und dass ihr erstes Fusspaar (Mandibulae succedaneae) dem zweiten Kieferfusspaare der Crustaceen entsprechen. Neuere Autoren behaupten, dass bei Spinnen sowie bei den Insekten nur das erste Fhlerpaar der Crustaceen brig geblieben ist. Verf. meint nun, alle derartigen Fragen knnten nur auf dem Boden einer Associations- theorie 2 ) zur Lsung gebracht werden, whrend man z. B. auf dem Boden der Haeckel' sehen Phylogenie auf Schritt und Tritt zur Annahme von Neubildungen gedrngt wird; wenn auch der Verf. die berzeugung hat. dass selbst allerschlechteste Theorien besser sind als gar keine", so sei bei derartigen Annahmen jede Mglichkeit einer befriedigenden Lsung von vornherein ausgeschlossen. Die Aufgabe des Verf. 's soll nun bestehen in der Durchfhrung einer genauen Homologie im Krperbau der Anneliden, Arthro- poden und Vertebraten, sowie im Nachweise , 7 der nahen gegen- seitigen Verwandtschaft der Arthropoden und der Verte- braten. u Es folgt nun eine Beihe von Beispielen aus der Litteratur, an deren Hand die Irrtmer der Vorgnger beleuchtet und die Auf- fassung des Autors angedeutet werden soll. Die Art der Darstellung ist in hohem Grade unreferierbar, so dass in folgendem nur das Wesentlichste Bercksichtigung rinden konnte. 1. Drei volle Druckbogen nimmt zunchst eine Polemik mit Jaworowski in Anspruch. Sie betrifft die Arbeiten des Letzteren ber die Mundgliedmaen der Orthorrhaphenlarven, ber die Extremi- J ) M. J. C. de Savigny, Theorie der Mundorgane der Crustaceen und Insekten. (Isis vom J. 1818.) 2 ) Eine solche Theorie versuchte Dybowski in einem frheren in Kos- mos 1 ' verffentlichen Aufsatze zu entwickeln. Nr. 270. IST tten eines angeblich neuen Mphargus, ber die Genese der Kiemen- fsse bei Limulus, ber die phylogenetische Interpretation der Krper- gliederung und der Extremitten bei Spinnen u. dgl. m. Dieses ganze Kapitel, welches, was die Heftigkeit der Angriffe und den Ton, dessen sich der Verf. befleissigt, anbelangt, in der wissenschaftlichen Litteratur ganz isoliert dastehen drfte, kann hier ohne weiteres berschlagen werden, zumal es mit dem eigentlichen Gegenstande der Abhandlung kaum zusammenhngt, Es giebt dem Verf. lediglich Gelegenheit, einige seiner Stze zu prcisieren: a) bei smtlichen Arachnoideen gehrt einem jeden Abdominal- segmente ein Paar rudimentrer Extremitten an ; b) zwischen diese Abdominalsegmente werden nie fusslose Seg- mente eingeschoben (ist schon in dem ersten Satz enthalten); c) der After liegt bei den Spinnen stets hinter dem dritten Spinnfusspaare. Nachfolgende vergleichende Tabelle mge diese Verhltnisse bei den betreffenden Arthropoden illustrieren: Abd. Segiu. Limulus 1 Scorpionidae Pedipalpi 1 Tetrapneumones Dipneumones 1. Extremitten, die zu der Fortpflanzung in Beziehung stehen. 2. Atmungsfsse kammart. Fsse Atmungsfsse 3. >j Atmungsfsse 1 )1 siebartige Fsse 4. M j cribrellumartigei?) Ksse 1. Spinnfsse 5. 1 1 > > 1. Spinnfsse 2. 6. ) n 2. 3. Der Hinterleib der Spinnen besteht demnach aus sechs Segmenten. Jede Spinnwarze ist zum Teil aus der Spinndrse, zum Teil aus der betreffenden Extremitt hervorgegangen. Damit schliesst der Verf. sein erstes Beispiel"'. 2. Copepoden. Whrend Claus bei Copepoden ein Kiefer-, ein Maxillen- und ein Beikieferpaar konstatiert, ein Verhalten, das den Gliedmaen bei Malacostraken, z. B. bei Gammanis oder Astacus, gar nicht entspricht, findet der Verf. bei Cyclops ebensoviele Glied- maen und ebensoviele Segmente des Kopfes und des Thorax wie bei denDecapoden oder bei Gammarus. Diese Gleichmigkeit betrifft auch die Gliederung des Abdomens, indem die Copepodenfurka als sechstes Hinterleibsegment mit dem 6. Abdominalsegmente samt der Caudalplatte bei Astacus zu homologisieren ist. Die Homologie lsst sich in folgender Weise durchfhren. Segment. Copepoda. Decapoda. 1. 1. Antennen 1. Antennen 2. Augensegment Nr. 270. Augensegment 188 - 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 2. Antennen Mandibeln \ Mandibeln 1. Maxillenl der Autoren 2. Maxillen | 1 Maxillen 1. Maxillipeden j nach Claus. 2. Mxp. | 2. Maxillen oder 1. u. 2. Mxp. 3. Mxp. J der Autoren 1. 2. 3. 4. 5. 1. 2. 3. 4. 5. Schwimmfsse z\bdominalsegment (fusslos) Furca 2. Antennen Sil andibeln 1. Maxillen 2. ?> 1. Maxillipeden 2. )) 3. J? 1. Sebreitbeine 2. w 3. n 4. V 5. V 1. Abdominalfsse 2. V 3. V 4. 5. n 6. * Telson. Was die einzelnen Gliedmaen betrifft, so hlt der Verf. z. B. die Kaulade der Mandihel - nach Claus ein sekundres Produkt ihres Basalgliedes - - fr die ganze Extremitt, den M and ibul ar- taste r aber fr die erste Maxille. Obige Zusammenstellung soll nach der Meinung des Verf. 's klar beweisen, dass die Copepoden weder in Bezug auf die Mundwerkzeuge, noch in Bezug auf die Quantitt und Qualitt der Krpersegmente eine Ausnahme bilden" (Bd. XXI. p. 70). Auch auf dem Gebiete der Copepoden habe die Theorie der Neubildungen" viel Unheil gestiftet. Ahnlich wie Claus einen Nebenast der 1. Antenne berall fr eine Neubildung erklrt, haben die Carcinologen berall, wo sie an einer Extremitt zwei ste be- merkten (Exo- und Endopodit), den Bau dieser Gliedmaen fr ..homolog und homotypisch" gehalten. Wenn Claus endlich zuge- geben habe, dass die Gliedmaen des 8. und 9. Segmentes (in der angefhrten Tabelle) besondere Paare vorstellen '), so begehe er eine Inkonsequenz, wenn er nicht die Gliedmaen des 4. und 5. und dann des 6. und 7. Segmentes in analoger Weise als doppelte Paare unterscheide. 3. Cirripedien. In Betreff der Umdeutung, welcher Claus 1895 die Gliedmaen der Rankenfssler teilweise unterzog, ist unser Autor ebenfalls einer anderen Ansicht. Auf p. 74 finden wir folgende Tabelle : *) C. Claus, ber die Maxillarfsse der Copepoden und die morphologiscbe Deutung der Cirripediengliedmaen. Arbeiten des Wiener Institutes, 1895. Nr. 270. 189 Darwin. Claus. Dybowski. Labrum Oberlippe Oberlippe Palpus ? 2. Maxillarfuss Mandibula Mandibel Mandibel + 1. Maxille Maxilla externa Maxille 2. Maxille -fl.Maxillar Maxiila interna 1. Maxillarfuss Labium. 4. Ostra coden. Die Muschelkrebse besitzen nach Claus eine Mandibel und eine Maxille; das zweite Maxillenpaar ist in Schreit- beine umgestaltet worden. Dem sei nicht so. Der Oberkiefer wre mit der 1. Maxille zusammengewachsen, die zweite Maxille mit dem ersten Kieferfuss. Bei Halocypriden wre die betreffende Ver- wachsungsnaht noch deutlich zu sehen. Wir erhalten folglich: Segment. Ostracoda. Decapoda. 1 1. Antennen 1. Antennen 2 Augen Augen 3 2. Antennen 2. Antennen 4 Mandibeln | Mandibeln Mandibeln 5 1. Maxillen 1 der Autoren 1. Maxillen 6 2. Maxillen ^ Maxillen 2. Maxillen 7 1. Maxillarfsse 1 der Autoren 1. Maxillarfsse 5. Phylloiden. Eines der Hauptargumente, die nach Claus gegen die Ableitung der Entomostraken und Malacostraken von den Phyllopoden sprechen, ist der Mangel der Paragnathen" bei den Letzteren. Bloss an den Unterkiefern der Apusiden findet Claus eine anderen Formen fehlende Bildung, die mglicherweise fr eine nach hinten umgeschlagene Unterlippe gehalten werden knnte. Nun erklrt der Verf. die 1. Maxille bei Apus fr eine Unterlippe, die Oberkiefer hlt er fr verwachsene Mandibeln und Maxillen, das Unterkieferpaar fr 2. Maxille und 1. Maxillipeden. Schade, dass alle diese Darlegungen fast ausnahmsweise durch mangelhafte Kopien fremder, also falscher Abbildungen untersttzt werden ; die wenigen Originalfiguren sind auf keinen Fall beweisend. Allerdings sollen die Beweise erst in der eigentlichen Darstellung erbracht werden. Hier das Verhltnis der Cladoceren zu den Decapoden : Segment. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Cladocera. 1. Antennensegment Augensegment 2. Antennensegment r i Mandibulo-maxillarseamente \ Maxillo-maxillipedalsegmente ! Maxillipedalsegmente Nr. 270. Decapoda. 1. Antennen Augen 2. Antennen Mandibeln 1. Maxillen 2. Maxillen 1. Maxillipeden 2. Mxp. 3. Mxp. 190 In diesem Zusammenhange bespricht der Verf. auch die Extremi- tten der B r a n c h i u r e n , insbesondere der A r g u 1 i d e n. Extremitten nach Dybowski. nach Claus. 1 1. Antennen 1. Antennen 2 2. Antennen 2. Antennen 3 Stilletthaltige Saugrhre a! teil des Labrums Is Vorder- als Neubildung 4 Deren vordere Umgebung teil des Labrums ais Hinter- Labrum (Oberli 5 Mandibul o-Maxi llen Mandibeln 6 Maxillo-Maxillipeden Labium (Unter! 7 Labium 1. Maxillen. 8 2. Maxillipeden 1. Maxillipeden 9 3. Mxp. 2. Mxp. 10 Schwimmfsse Schwimmfsse. Seine Ergebnisse zusammenfassend gelangt hierauf der Verf. zur Aufstellung folgender Stze: a) die Phyllopodenfsse nahen einen anderen morphologischen Wert als die Schreitfsse der Decapoden: b) die Deutung, die Mandibel sei das Basalglied eines Schreit- beines, ist falsch ; c) die Genese der Unterlippe wurde bis jetzt ganz unrichtig auf- gefasst ; d) ebenso falsch ist die Hypothese von den doppelten Mandi- bulartastern bei den Copepoden. 6. Malacostraken. a) Der Bau des ersten Maxillenpaares bei Amphipoden habe durch Boas eine durchaus unrichtige Aus- legung erfahren. Die vermeintlich neuerworbene innere Lade, die Lacinia fallax", sei die eigentliche innere Kaulade der Extremitt, die ussere Lade nach Boas stelle den Maxillartaster (Endopodit) vor und der als Taster aufgefasste Teil sei als Exopodit zu ver- stehen. b) Einen anderen Irrtum habe Hansen begangen, der die Malacostraken je nach dem Vorhandensein oder Fehlen der Lacinia mobilis" an den Mandibeln in zwei grosse Gruppen (Mysideen, Cumaceen, Isopoden, Amphipoden - Schizopoden, Decapoden, Stoma- topoden) einzuteilen versuchte. Eine derartige Unterscheidung sei schon deswegen nicht durchfhrbar, weil Buchholtz und der Verf. ! ) bei der Hyperidee Themisto libellula Mandt. den genannten Teil zwar x ) Dem Verf. scheint die ganze Litteratur ber Hyperideen, insbesondere die grundlegenden Werke von Claus ber diese Arthrostrakengruppe , gnzlich fremd geblieben zu sein. Ref. Nr. 270. 191 an der linken Mandibel gefunden haben, an der rechten aber ihn vermissen; hnliche Asymmetrie herrsche brigens auch bei Asellus. c) Die von Hansen versuchte Homologisierung des Malacostraken- mundes mit den Mund teilen der Insekten sei nicht minder verfehlt. So soll aus dem 1. Maxillipedenpaare die Unterlippe, aus den 1. Maxillen die Paraglossen (Hansen's ..maxillulae") und aus den 2. Maxillen der Crustaceen die 1. Maxillen der Insekten hervor- gegangen sein; dies stimme jedoch nicht mit den Befunden des Verf.'s, z. B. an Machilis maritima. 7. Myriopoden und Insekten. Um die Ansichten von Hansen und zu gleicher Zeit auch die von Heymons (namentlich ber die Mundwerkzeuge der Insekten) zu widerlegen, sei der Verf. gentigt, den Mund der Myriopoden, der Skorpioniden, der Insekten und so weit es geht" auch der Vertebraten mit einander zu ver- gleichen. Indem der Verf. mit Genugthuung konstatiert, in Ver- hoeff einen Mitkmpen zu finden, welcher fr die Inkompetenz der Ontogenie in derlei Dingen eintritt, schildert er die Mundwerk- zeuge eines Lithbius pondischerianus und, von der berzeugung ge- tragen, es msse nicht alles, was wir an Embryonen sehen, ebenso und nicht anders bei reiten Exemplaren gesehen werden" (p. 390), fasst er das, was man an jedem beliebigen Prparate erkennen knne, in folgenden drei Stzen zusammen : a) das Gnathochilariuni entspricht nicht einem einzigen Fuss- paare, sondern entsteht aus den Maxillen und dem Exolabium; b) Diplopoden besitzen ein Mandibelpaar, ein Maxillenpaar und ein Exolabium, von denen jedes einem Mundgliedmaenpaare der Insekten und der Crustaceen homolog ist; c) was die Topographie anbelangt, ist das Exolabium von den Maxillen umgeben und diese werden wieder von den Mandibeln um- hllt, wobei die Mandibeln die hinterste Position einnehmen, sodass sie das letzte, das Exolabium aber das erste Mundgliedmaenpaar reprsentieren. Und da es bei zahlreichen Diplopoden ein Beinpaar giebt, welches den Maxillipeden der Amphipoden und Isopoden ent- spricht, so ist Hansen im Irrtum, wenn er das Exolabium mit den Maxillipeden homologisiert 1 ). Von Insekten wird der Mund von Periplaneta, Melolontha nndJElater besprochen. Der als ,,Gula" bezeichnete Teil sei nichts anderes als das Sternit des Mandibu 1 arsegmentes. Die Genae" erkennt der Verf. als Cardines und Stipites der Mandi- beln. Die Mandibeln der Insekten seien von den Mandibeln J ) Als Paradigma fr Crustaceen, und zwar fr Amphipoden, wurde eine Jdothca entomon var. ochotensis Dybowski gewhlt. Nr. 270. 192 der Tausendfssler dadurch verschieden, dass ihre Bestandteile unbeweglich sind; bis jetzt habe man fr Mandibeln nur ihren mit den Genen beweglich verbundenen Abschnitt gehalten; das Occiput (oder Vertex capitis") bei Heymons sei das Tergit des Mandibularsegmente s. Eine korrekte Homologisierung der Mundwerkzeuge bei den drei Arthropoden!-: lassen msse also in folgender Weise durchgefhrt werden : Amphipoda u. Isopoda Insecta rodontia lulidae 1. Antennula (1. Antenne) Exola'niuin Exolabrum 2. Angenseguifiit Augenspgment Augensegmcnt 3. 2. Antenne Antenne Antenno 4. Oberlippe Endolabrum (odorEpipharynx) Innere Oberlippe 5. 2. Maxille (2-3 lappig) Exolabrnm (odor 2. Maxillao) ussere Oberlippe^ Gnatho- G. 1. Maxille (3 -2 lappig) (1.) Maxille Maxille J cliilarium 7. Mandibel Mandibel (samt Gona) Mandibel 8. Paragnatha (oder Labium) Hypopharynx Endolabium 9. 1. Maxillarfuss Collum 1. Bein Von allgemeinen Ergebnissen mgen hier noch folgende Schlsse angefhrt werden : a) bei Crustaceen verschmelzen die 2. Maxillen an der Basis mit Maxillipeden ; b) bei den Insekten existiert kein solcher Zusammenhang erstens wegen der starken Entwickelung der sich median berhrenden Genen, zweitens der nach vorn verschobenen Lage des Exolabiums , drittens wegen der Gestaltung des Maxillensubinentums; c) bei den Myriopoden scheint ein Zusammenhang der Kieferfsse mit der usseren Unterlippe nicht zu bestehen, da sich diese Teile oral-, beziehungsweise caudalwrts von einander entfernen und durch Sternite des Mandibularsegmentes und des Maxillarsegmentes getrennt werden ; d) die Maxillarfsse bedecken bei den Crustaceen den Mund, bei den Insekten sind sie ganz rckgebildet und werden durch das sog. Collum reprsentiert, bei den Myriopoden sind sie sehr oft als Schreitbeine entwickelt. Daraus folgt, dass die Behauptung Hansen's, die Unterlippe der Insekten vertrete die Maxillarfsse der Crustaceen, und die Unterkiefer der Insekten seien homolog mit den 2. Maxillen der Crustaceen, unrichtig ist. T. Garbowski (Krakau). Crustacea. '271 Dybowski, B., und Grochowski, 31., czulkacb drugiej pary u Tone- wek (Lynceidae) i Eminkw (Eury cercidae). (ber das zweite Antennen paar bei Lynceiden und E u r y cer ciden.) In: Kosmos Bd. XXIIL Lemberg 1898. p. 2578. Nr. 270-271. 193 In einer breit angelegten Einleitung klagen die Verff., dass die Arten- beschreiber gewisse taxonomische Charaktere, wie die Zhnchen am Hinterleibe oder die Borstenzahl an den Antennen , nicht gehrig zu wrdigen verstehen, wodurch bei der Speciesbestimmung in der Cladocerengruppe den Systematikern bedeutende Schwierigkeiten erwachsen; die Verff. wollen daher versuchsweise wenigstens eine Extremitt mit der wnschenswerten Genauigkeit monographisch bearbeiten. Es folgt die Beschreibung des zweiten Antennenpaares bei O von Eurycercua Baird., Camptocereus Baird., Alonopsis Sars, Alona Baird., Leydigia Kurz, Tlarpo- rhynchus Sars, Graptoleberis Sars, Dunhevedia King. Lynceus Schoedler, Alonella Sars, Pleuroxus Baird., Peracantha Baird., Rhypophilus Schoedler, Ghydorus Baird., Monospilus Sars, ausserdem von den Gattungen Kurzia, Coronatella, Oxyurella aus der ^4/ona-Gruppe, welche die Bezeichnung nobis" tragen, also offenbar von den Verff. noch nicht beschrieben wurden, deren Diagnosen aber auch in dieser Abhand- lung fehlen. T. Garbowski (Krakau). Dybowski, B., und Grochowski, M. , Odnzau wioslarek (Extremitten bei Wasser flhen). In: Kosmos. Bd. XXIII. Lemberg 1898. p. 287314 u. p. 425444. In sehr eingehender Weise beschreiben die Verff. die sechs Fusspaare und den Endabschnitt des Abdomens eines ihnen vorliegenden Eurycercus , vergleichen diese Teile mit dem E. lamellatus aut., namentlich nach der Darstellung Leyd ig 's und Gerstcker 's, und gewinnen die berzeugung, dass es sich hier um eine andere, neue Species, polyodontus, handelt, ohne jedoch eine systematische Diagnose der neuen Art zu geben und das ganze Tier zu beschreiben. Um den Bau dieser komplizierten Gliedmaen verstndlich zu machen, schildern die Verff. auch das Fusspaar von Lathonura rectirostris 0. F. Mller und das vierte Paar von Daphnia similis Claus, vor allem aber homologisieren sie die einzelnen Glieder und Aus- ladungen der Eurycercm-Fsse mit den Extremitten bei Apus , welche sich nach ihrer Meinung der ideal-typischen Gliedmaenform im Gebiete der Crustaceen am meisten nhern." T. Garbowski (Krakau). Insecta. Lomnicki, Jaroslaw L M., pochodzeniu skrzydel owadw. (Die Abstammung der Insektenflgel). Lemberg. (Selbstverlag des Verf.'s.) 1898. 8 16 p. Mit 11 Textfiguren u. einem deutschen Resume. Die Flgel standen bis jetzt nach des Verf.'s Meinung einem richtigen Verstndnis der Insektenphylogenie hemmend im Wege. Deshalb stellt er sich in seiner bescheidenen Publikation die Aufgabe, die ihm bekannten (diesbezg- lichen) Ansichten vieler hervorragender Zoologen zu vergleichen und kritisch zu besprechen". Wir erfahren zunchst, dass die Urarticulaten vorkambrische Strobilozoen" waren, die nach Art der strobilisierenden Scyphopolypen einen viersttahligen Bau besassen, jedoch die Tierindividualitt der einzelnen Strobilaglieder eingebsst hatten. Demgemss fasst der Verf. den Articulatenorganismus als einen Tier- stock auf, welcher in seinem Baue sich auf die Strobila f o r m (Entwickelungs- stadium mancher Coelenteraten) zurckfhren lsst". De